• "Eine traurige Situation": Ungewisse Zukunft für Kneipen und Partyveranstalter

"Eine traurige Situation" : Ungewisse Zukunft für Kneipen und Partyveranstalter

Abstandsgebot und Kapazitätsbeschränkungen belasten das Geschäft. Open-Air-Angebote konkurrieren um Publikum. Da muss auch mal die Altersvorsorge dran glauben.

Großveranstaltungen sind derzeit nicht möglich. Wie lange es die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus Bestand haben, kann aktuell niemand sagen.
Großveranstaltungen sind derzeit nicht möglich. Wie lange es die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus Bestand haben, kann...Foto: Britta Pedersen/dpa (Symbolbild)

Potsdam - Alle Events absagen musste der Potsdamer Veranstalter Heiko Bengs. Er plant und organisiert unter anderem das Potsdamer Oktoberfest im Lustgarten und After Work Partys in der Gewölbehalle des Kutschstalls. „Ich verdiene vor allem mit Großveranstaltungen mein Geld. Da lässt sich im Moment nichts machen.“ Das liege vor allem an den strengen Schutzmaßnahmen. „Ich kann kein Oktoberfest planen und dann die Menschen nur im Abstand von eineinhalb Metern Sitzen und Tanzen lassen“, so Bengs. „Das wird einfach nicht funktionieren.“ Er warte im Moment den 31. August ab.

"Am Ende zahlt man noch drauf“

Wegen der Corona-Pandemie sind Großveranstaltungen bis zu diesem Datum untersagt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass das Verbot darüber hinaus bestehen bleibt. „Im Moment ist das eine traurige Situation für mich“, so Bengs. Ihm gehe es darum, dass die Menschen auf seinen Veranstaltungen Spaß haben und Tanzen können. „Die Maßnahmen lassen das im Moment nicht zu. Ich warte deshalb“, so Bengs. Gleichzeitig sagt er aber auch, dass größere Events unter den derzeitigen Umständen wirtschaftlich keinen Sinn machten. „Das ist ähnlich wie in der Gastronomie. Durch die strengen Regeln hat man einen Kapazitätsverlust von 60 oder 70 Prozent. Das ist ein Problem, ich rechne nämlich mit jedem Gast, der zu einer Veranstaltung kommt. Am Ende zahlt man noch drauf.“ Er wisse auch nicht, ob im Moment überhaupt die Nachfrage nach Veranstaltungen dieser Art gegeben sei: „Man kann nicht sagen, ob die Menschen dann auch wirklich kommen.“

Ein Bild aus besseren Tagen: Ob es in diesem Jahr ein Oktoberfest in Potsdam geben wird ist derzeit mehr als fraglich.
Ein Bild aus besseren Tagen: Ob es in diesem Jahr ein Oktoberfest in Potsdam geben wird ist derzeit mehr als fraglich.Foto: Andreas Klaer

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Seit vergangenem Wochenende hat die Musikkneipe Gutenberg 100 wieder geöffnet. Am ersten Abend kamen etwa 50 Gäste, sagt Inhaber Björn Mettke, dann immer weniger. Wer will schon einen lauen Sommerabend im Keller verbringen? Normalerweise spielt hier entweder eine Liveband und man kann tanzen, oder es wird zum Karaoke mit DJ eingeladen. Band und Tanz sind nun immer noch verboten, Karaoke wäre theoretisch möglich, allerdings mit vielen Auflagen. „Nach jedem Gast müsste das Mikro desinfiziert oder gewechselt werden, wir bräuchten extra Personal am Einlass, und dann müssen wir von den geringen Einnahmen den DJ bezahlen – das rechnet sich nicht“, sagt Mettke. Er hat momentan nur zehn bis 20 Prozent seiner üblichen Einnahmen. Dabei sei er – bis zur Krise – solide aufgestellt gewesen. Seit 1997 gibt es die Bar mit Bühne, anfangs noch in der namensgebenden Gutenbergstraße, 2006 kam der Umzug in die Kurfürstenstraße. Zwei Angestellte hat Mettke. Die schickte er erstmal in Kurzarbeit, jetzt sind sie zurück an Bord. Auch die Minijobber will er nach Möglichkeit irgendwie durch die Krise retten. Dafür müsste er aber spätestens im September wieder solide Einnahmen haben, oder zumindest sehen, dass es aufwärts geht und sich die Auflagen auch für Klubs wie seinen lockern.

Die Altersvorsorge angezapft

Mit der Soforthilfe vom Land konnte er immerhin drei Monatsmieten zahlen. Jetzt wartet er, dass er sich für die von der Bundesregierung versprochene und ab Juli angekündigte Übergangshilfe bewerben kann. Um seinen Lebensunterhalt zu decken, hat er seine Altersvorsorge angezapft. Hartz IV zu beantragen sei keine Option: „Da ist überhaupt nichts vereinfacht worden.“

Er appelliert jetzt an seine Stammgäste, trotz verlockender Open-Air-Angebote an den Abenden wenigstens auf ein Stündchen und einen schönen Cocktail zu ihm zu kommen. Gegen Regenwetter hätte er gerade nichts einzuwenden, sagt er mit Galgenhumor. 80 Gäste dürfen sich zeitgleich in dem Gewölbekeller aufhalten und müssen dabei an Tischen Platz nehmen. Damit den Leuten nicht langweilig wird, will Mettke jetzt Brettspiele und Kartenspiele auslegen. Musik gibt es derweil nur vom Band.


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