• Eine Pracht in Potsdams Mitte Nikolaikirche: Sanierung ist abgeschlossen

Potsdam : Eine Pracht in Potsdams Mitte Nikolaikirche: Sanierung ist abgeschlossen

Günter Schenke

Innenstadt – Acht Jahre hat die Sanierung der Außenhülle der Nikolaikirche gedauert. Wer jetzt als Potsdam-Besucher vom Hauptbahnhof kommend das Panorama aus Kirchenkuppel, Fortunaportal und Altem Rathaus zum ersten Mal erblickt, ist überwältigt. „Eine wahre Pracht“ sei das restaurierte Bauwerk, sagt auch Johann Peter Bauer von der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche. Bauer war einer der Grußredner beim gestrigen Dankgottesdienst zum Abschluss der Bauarbeiten . Die neue Generalsuperintendentin für den Potsdamer Kirchensprengel, Heilgard Asmus, deren Predigt eine Art Antrittsrede war, erwähnte Baukosten von 6,7 Millionen Euro. Angst habe sie vor den nächsten Jahrzehnten, in denen die Gemeinde die Schulden tilgen müsse. Mit zwei Millionen Euro stehe diese jetzt in der Kreide, sagte der Geschäftsführer des Gemeinderates Gerhard Uhlig. Die Gesamtkosten beliefen sich auf acht Millionen Euro, korrigierte er die von Asmus genannte Zahl.

Trotzdem schaut St. Nikolai-Pfarrerin Susanne Weichenhan unternehmungslustig in die Zukunft. Nach dem Gottesdienst erwähnt sie im kleinen Kreis den Plan, das Relief des Tympanons, also des Giebelfeldes am Eingangsportal, wieder herzustellen. Neu entstehen solle auch die Christusdarstellung der Konche, der Wölbung über dem Altarraum. Über den Monumentalgemälden der Evangelisten und zwölf Apostel von Bernhard Wilhelm Rosendahl (1804-1846) befindet sich derzeit eine kahle Fläche. Der größte Traum von Weichenhan ist allerdings der von einer große Orgel auf der Empore über dem Eingang. Das Original fiel 1945 dem Artilleriebeschuss der heranrückenden sowjetischen Truppen zum Opfer.

Eines der letzten großen Akte bei der Restaurierung war im März dieses Jahres der Einbau neuer Glocken in die Ecktürme des Bauwerkes. Deren Ankunft am 21. März auf dem Alten Markt veranlasste Oberbürgermeister Jann Jakobs damals, von einem „Jahrhunderttag für Potsdam“ zu sprechen.

Das 1837 geweihte Bauwerk ist eine architektonische Schöpfung von Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius und August Stüler. Es steht heute in der Liste der „Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung“. Während der Sanierung gab es immer wieder Unwägbarkeiten. Versteckte Mängel hatten die auf 5,2 Millionen Euro bezifferten Baukosten um ein Drittel in die Höhe getrieben. Die öffentlichen Zuschüsse, Gelder der Landeskirche und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz reichten nicht aus oder versiegten. 2007 gab es einen Baustopp und es drohte ein Desaster. Um den Preis einer erheblichen Verschuldung der Gemeinde konnte dieses abgewendet werden. Die Eintrittsgelder für eine Aussichtsplattform in 40 Metern Höhe sollen dazu beitragen, den Schuldenberg abzutragen. Günter Schenke

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!