Potsdam : Ein Zettel mit Folgen

Justiz erhebt Anklage gegen Villenpark-Investor: Angeblich wurden 500 000 Euro Schmiergeld gezahlt

Rainer W. During

Groß Glienicke - Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen den Investor des Villenparks Potsdam in Groß Glienicke, Bernd Wolfgang Steuten, und zwei weitere Beschuldigte Anklage wegen des Verdachts der Bestechung erhoben. Es geht um rund eine halbe Million Euro, die an einen Anwalt und einen ehemaligen Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, dem Verkäufer des Grundstücks, gezahlt wurden.

Die Anklage ist den Beschuldigten zugestellt worden, so Gerichtssprecher Tobias Kähne. Diese hätten jetzt Gelegenheit, sich dazu zu äußern. Anschließend werde die zuständige Wirtschaftsstrafkammer über die Eröffnung des Verfahrens entscheiden. Steuerfahnder hatten bei Steuten einen Zettel mit der Summe und dem Vermerk „Schmiergeld“ gefunden. Der Investor weist die Vorwürfe zurück. Es habe sich um ordentlich in Rechnung gestellte Maklergebühren gehandelt. Er habe nur aus Ärger darüber, diese zahlen zu müssen, dummerweise den anrüchigen Vermerk auf einen Beleg gekritzelt.

Die Ermittlungen würden sich unter anderem gegen einen ehemaligen Mitarbeiter richten, sagte eine Gewobag-Sprecherin. Hintergrund sei dessen private Nebentätigkeit, von der das Unternehmen keine Kenntnis hatte. Es sei nicht erkennbar, dass die Gewobag selbst geschädigt wurde. „Wir haben bei diesen Ermittlungen eng mit den Behörden zusammengearbeitet und werden dies, wo immer notwendig, auch weiterhin tun.“

Der Villenpark Potsdam-Groß Glienicke entsteht seit vier Jahren auf einem Gelände, wo sich bis zur Wiedervereinigung die Kaserne des 34. Grenzregiments der DDR befand, das für die Bewachung des Grenzabschnitts zwischen Potsdam und Schönwalde zuständig war. Dort befand sich auch ein Beobachtungsturm, von dem aus der nahegelegene britische Militärflugplatz Gatow observiert wurde. Im Frühjahr 1990 war die Kaserne Schauplatz einer skurrilen Pressekonferenz, auf der der letzte Kommandeur der Einheit erläuterte, warum man die Sperranlagen nicht schneller abreißen kann.

Rund 18 Millionen Euro soll Steutens Firma Eucon Europäische Consulting AG der Gewobag für das etwa 250 000 Quadratmeter große, in einem Waldgebiet gelegene Areal gezahlt haben. Derzeit sind 22 der rund 180 geplanten Häuser fertiggestellt, 35 weitere befinden sich im Bau, 40 sollen bis zum Jahresende bezugsfertig sein, so der Investor. Mehr als die Hälfte der Grundstücke sei verkauft. Der vierte der insgesamt fünf Bauabschnitte solle im dritten Quartal des kommenden Jahres beginnen, die Erschließungsarbeiten für das fünfte und letzte Quartier würden auf Hochtouren laufen.

Streit gibt es noch um die auf dem Gelände stehende, historische Preußenhalle. Sie soll saniert und wieder als Sporthalle und Theater genutzt werden. Außerdem sollen hier ein Kinderarzt und ein Allgemeinmediziner ihre Praxen eröffnen. Die Stadt Potsdam will die Halle zum Verkauf ausschreiben, was bisher am fehlenden Wegerecht scheiterte. Das besitzt Steuten und will es erst an den zukünftigen Besitzer herausgeben. Voraussetzung sei, dass der Kaufvertrag die Bedingung enthalte, dass binnen eines halben Jahres mit der Außensanierung begonnen werden muss. So wolle er verhindern, dass die Halle weiter als Schrotthaufen dasteht, sagt Steuten. Rainer W. During