• Ein Jahr zwischen Handwerk und Historie

Potsdam : Ein Jahr zwischen Handwerk und Historie

Beim Freiwilligen Sozialen Jahr in der Denkmalpflege restaurieren junge Erwachsene historische Gebäude in Brandenburg

Neuer Glanz. Bei einem FSJ in der Denkmalpflege hat Ann-Lucienne Klier (l.) gemeinsam mit anderen Jugendlichen die Fenster des Karl-Foerster-Hauses restauriert.
Neuer Glanz. Bei einem FSJ in der Denkmalpflege hat Ann-Lucienne Klier (l.) gemeinsam mit anderen Jugendlichen die Fenster des...Foto: A. Klaer

An einem Sommertag ist der Garten des Karl-Foerster-Hauses in Bornim ein idyllischer Ort. Blumen blühen in allen Farben, mehrere Bänke laden zum Verweilen ein. Inmitten des Grundstücks steht das alte Landhaus des Gärtners Karl Foerster, der dort ab 1911 einen Schaugarten anlegte. Mit seinen fast 400 Neuzüchtungen verbesserte Foerster, der bis zu seinem Tod im Jahr 1970 auf dem Grundstück lebte, Stabilität und Wachstum der Pflanzen. Haus und Garten des berühmten Gärtners gehören heute zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Um das historische Erbe zu bewahren, waren in den vergangenen Monaten mehrere Freiwillige im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Denkmalpflege im Einsatz. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten brachten sie im Juli die alten, blauen Fensterläden wieder zum Haus Am Raubfang 7 zurück, um sie an den Fenstern im Erdgeschoss sowie im oberen Stockwerk anzubringen. Es ist der Abschluss eines gemeinsamen Projektes mehrerer FSJler. Zu dem Anlass stellten Organisatoren und Teilnehmer jetzt das Jahr in der Denkmalpflege vor.

Es sei schön, etwas mit den Händen zu machen und handwerklich zu arbeiten, sagte Ann-Lucienne Klier. Die 20-jährige Potsdamerin hat nach dem Abitur im vergangenen September ihr FSJ bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten angefangen. Dort hat sie Schäden des Gitterpavillons neben dem Schloss Sanssouci aufgenommen und dokumentiert. Zuletzt arbeitete sie an der Neptungrotte im Schlosspark, in der sie Muscheln anklebte. Ende August endet ihr Freiwilligenjahr.

Während des Jahres arbeiten die Freiwilligen an festen Einsatzorten wie in archäologischen Museen, im traditionellen Handwerk oder in Restaurierungswerkstätten, wo der Schwerpunkt auf unterschiedliche Materialien wie Holz, Metall, Stoff oder Stein gelegt wird. Neben der alltäglichen Arbeit in einer ausgewählten Einrichtung, sind sechs über das Jahr verteilte Seminarwochen, in denen die jungen Freiwilligen verschiedene Baustile und Materialien kennenlernen und auch praktisch arbeiten, Teil des FSJ.

Am Karl-Foerster-Haus gebe es eine einmalige Gelegenheit originale Bausubstanz zu bearbeiten, sagte Silke Strauch, Leiterin des Projekts Jugendbauhütten, einem Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd). In den insgesamt 14 Hütten in ganz Deutschland soll jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren die Denkmalpflege nähergebracht werden.

Die etwa 40 Freiwilligen der Jugendbauhütte Berlin/Brandenburg verbringen die Seminarwochen auf dem Gelände des Klosters in Heiligengrabe, wo auch die Werkstätten sind, in denen etwa fünf Freiwillige die Fensterläden des Karl-Foerster-Hauses restauriert haben. „Viele kommen ohne jemals einen Hammer in der Hand gehabt zu haben“, sagte Strauch. Das sei aber auch nicht die Voraussetzung für ein FSJ. Das bestätigte auch Konrad Forster, der direkt mit den jungen Freiwilligen zusammenarbeitet.

Früher sei er Studiendirektor am Oberstufenzentrum für Gestaltung in Steglitz gewesen, erzählte der Rentner. Inzwischen unterrichtet er als Restaurator ehrenamtlich die Freiwilligen in der Jugendbauhütte Berlin/Brandenburg. „Ich war immer bestrebt, den Jugendlichen das historische Malerhandwerk zu vermitteln.“ Sie würden immer mit historischen Techniken und Werkstoffen arbeiten, so der 69-Jährige. „Das ist für mich der Reiz daran.“ Während der Seminarwochen in Heiligengrabe erklärt er ihnen die Farbentechnik sowie handwerkliche Grundlagen. Die Motivation der Freiwilligen sei groß. Nach einmaliger Erklärung würden sie die Arbeiten oft ohne Probleme ausführen, schilderte er seinen Eindruck.

Eine Herausforderung sei auch die Restaurierung der Fensterläden des Foerster-Hauses gewesen. Zu DDR-Zeiten seien diese aus Sperrholzplatten neu gebaut worden und enthielten viel Harz – die mindere Qualität machte sich laut Forster bei der Restaurierung bemerkbar. Die alte Farbe sei besonders fest mit dem Material verhaftet gewesen, sodass sie eine spezielle Schleifmethode benutzen mussten, um diese zu entfernen. „Danach konnte man die historisch authentische Ölfarbe auftragen“. Neben Projekten wie diesen hat Forster über mehrere Jahre mit Freiwilligen die Dorfkirche in Darsikow in der Nähe von Neuruppin restauriert.

Das Interesse unter Schulabgängern an dem FSJ in der Denkmalpflege sei groß, betonte Strauch. Fünf Bewerber gebe es derzeit pro FSJ-Stelle. Auch nach Ende des Jahres nimmt die Begeisterung nicht ab. „75 Prozent der Absolventen bleiben im Bereich Denkmalpflege.“ Manche würden später im klassischen Handwerk arbeiten, andere studieren Architektur, Bauingenieurwesen oder Restaurierung.

Letzteres ist auch das Ziel von FSJlerin Ann-Lucienne Klier. Von der Potsdamer Fachhochschule hat sie eine Zusage für einen Studienplatz im Fach „Konservierung und Restaurierung“ erhalten. Im Oktober geht es los. Birte Förster