• "Ein Gemeinschaftsding": Bunte Steine reisen durch Potsdam und die Welt

"Ein Gemeinschaftsding" : Bunte Steine reisen durch Potsdam und die Welt

Mitglieder einer Facebook-Gruppe verteilen in Potsdam bemalte Kiesel mit Grußmotiven.

Wanderkiesel an Schlosssäulen. Bunt bemalte Steine werden von Mitgliedern einer Facebook-Gruppe in ganz Potsdam verteilt.
Wanderkiesel an Schlosssäulen. Bunt bemalte Steine werden von Mitgliedern einer Facebook-Gruppe in ganz Potsdam verteilt.Foto: Birte Förster

Potsdam - Sie liegen als kleine Farbkleckse auf einem grauen Stahlgeländer, auf einer Treppenstufe oder eingefügt in die kräftige Wurzel eines Baumes: bunt bemalte Steine mit verschiedenen Motiven und Sprüchen. Aber wie kommen sie dahin? Dahinter steht die Gruppe PotsdamSteine, die sich über Facebook organisiert. Gruppenmitglieder hinterlassen an verschiedenen Stellen in der Stadt regelmäßig selbst gestaltete und bemalte Kiesel. Initiiert hat das Projekt Janett Girbinger, die seit Frühjahr die Facebook-Gruppe betreut. Mittlerweile hat diese bereits mehr als 1000 Mitglieder. Die Idee ist, dass Vorbeigehende einen Stein mit einem fröhlichen Motiv oder einem aufmunternden Spruch finden und diesen mitnehmen oder an einer anderen Stelle wieder aussetzen. „Der Stein soll möglichst lange, viel und weit reisen“, sagt Girbinger und spricht auch von „Wandersteinen“. In der Facebook-Gruppe posten die Mitglieder Fotos von ausgesetzten oder gefundenen Exemplaren. Mit etwas Glück kann man so auch eigene Steine wiederentdecken und so den Reiseweg der Wanderkiesel nachverfolgen. Einer habe es sogar bis nach Schweden geschafft, erzählt die 37-Jährige. Die meisten würden aber nicht wiederauftauchen.

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Der Trend der bemalten Wandersteine ist ein internationaler. Geboren wurde die Idee offenbar in den USA, wo die „painted rocks“ erstmals auftauchten. Janett Girbinger erinnert sich noch an ihren ersten bunten Wanderkiesel. Das war 1992 im Urlaub in Bulgarien. Damals war sie 12 Jahre alt. Im Harzurlaub vor etwa fünf Jahren sah sie dann erneut ein solches Kleinod und griff die Idee selbst auf. Inzwischen ist das Bemalen und Verteilen von Steinen – Girbinger nennt es „auswildern“ – aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Neben ihr sind bereits einige andere Mitglieder aktiv dabei, Potsdam mit den bunten Kieseln zu verschönern. Dazu zählen die Marquardterin Nancy van der Meer oder Carmen Staffa, die wie Girbinger aus Brandenburg an der Havel stammt.

Steine aus dem Baumarkt

Für ihr Hobby nutzen die Wanderstein-Verteiler meist gekaufte Steine. Manchmal sammelt Girbinger zwar flache, runde Steinchen, die sie in der Natur findet, aber vor allem nehme sie Steine, die sie im Baumarkt kaufe. Denn: „Die Natur sollte ihre Steine schon behalten“, meint sie. Wenn sie täglich mehrere Stunden lang damit verbringt, diese mit unterschiedlichen Motiven zu gestalten, verwendet sie Acryllack, damit die Farbe daran haften bleibe und nicht in die Natur komme. Manche tragen die Farbe mit einem Pinsel auf, andere nehmen entsprechende Stifte. Außerdem rät Wanderstein-Expertin Girbinger davon ab, zusätzliche Plastikteilchen auf die Kiesel zu kleben, die irgendwo wieder abfallen könnten.

Damit Malen und Auslegen keine einsame Tätigkeit bleibt, möchte Girbinger die Aktiven künftig stärker zusammenbringen. Ein erstes geplantes Treffen für Anfang Mai ist coronabedingt ausgefallen. Das wurde am letzten Junisonntag nachgeholt. Etwa ein Dutzend Steinkünstler versammelten sich auf dem Luisenplatz und schlenderten anschließend durch die Brandenburger Straße, um dort ihre kleinen Werke zu verteilen. Künftig wolle sie auch Treffen organisieren, bei denen die Teilnehmer zusammen die Steine bemalen, sagt Girbinger. Auch die nächste gemeinsame Verteilaktion ist bereits für den Spätsommer geplant. „Es soll ein Gemeinschaftsding sein.“ Eines, das die Welt bunter macht.


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