"Ein Freund, ein guter Freund" : Ein Ständchen zum 100. Geburtstag

Ein Leben voll Glück, aber mit einigen Tiefpunkten: Am Montag feierte Herbert Schmidt seinen 100. Geburtstag im Emmaus-Hau. Dazu gab es ein Ständchen von treuen Freunden.

Herbert Schmidt aus Potsdam ist 100 Jahre alt geworden.
Herbert Schmidt aus Potsdam ist 100 Jahre alt geworden.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Auch ein sehr hohes Alter lässt sich mit Freude erleben: vergnügt hat der frühere Lehrer Herbert Schmidt am Montag an der Terrassentür des Emmaus-Hauses das Bläser-Ensemble „Blechzeit“ dirigiert. Zu seinem 100. Geburtstag stimmten die Musiker „Ein Freund, ein guter Freund“ an. Der Hit der Operette „Die Drei von der Tankstelle” von 1930 gefiel dem bemerkenswert rüstigen Alt-Pädagogen besonders.

Mit Wolldecke in der offenen Tür

Ehemalige Schüler, die seit Jahrzehnten in engem Kontakt mit ihm stehen, hatten das Potsdamer Ensemble zu Schmidts 100. Geburtstag engagiert. Corona diktierte die Bedingungen: der Chemie- und Geografielehrer saß von einer Wolldecke gewärmt in der offenen Tür, die Schüler, viele selbst weit über 70 Jahre alt, blieben im Freien, nahmen für einen kurzen Moment ihre Masken ab und prosteten ihm in gebotenem Abstand zu. Die früheren Schüler-Lehrer-Beziehungen sind zu tiefen Freundschaften gewachsen, regelmäßig besuchen seine Adepten ihn in dem evangelischen Seniorenheim an der Eisenhartstraße. Zeitlebens hat Schmidt die Adressdateien seiner Schüler gepflegt.
Der geborene Babelsberger, der sich mit einem Augenzwinkern gern „Altlehrer“ nennt, unterrichtete nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1962 am heutigen Bertha-von Suttner-Gymnasium, danach am Helmholtz-Gymnasium.

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Drei Verwundungen aus dem Krieg

Im Rückblick auf sein langes Leben erzählte der zweifache Vater den PNN von Tiefpunkten wie dem Freitod seiner schwerkranken ersten Ehefrau, von dem Glück, eine zweite glückliche Ehe geführt und der Gunst des Schicksals, den großen Krieg mit drei Verwundungen überlebt zu haben. Mit großer Freude organisierte er danach zu DDR-Zeiten für Kollegen und deren Familien Reisen nach Ungarn und Polen.

„Lieber Herbert, bewahre dir deinen wachen Geist, den vorwärtsblickenden Mut und die Neugier, mit der du an der Entwicklung der Welt und der Menschen um dich herum teilnimmst“, wünschte ihm der Professor Hans-Joachim-Zunft aus Rehbrücke, einer seiner Schüler, in seiner Laudatio. Das trainiert Schmidt täglich. Auf die Frage, was zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zähle, sagte er: „Nachrichtensendungen im Fernsehen, politische Debatten, aber auch Reisefilme.“

Und recht stolz erzählte er, „dass mir Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gestern in einem Brief zum 100. gratuliert hat“. 

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