• Ein Blick in das Gutshaus Satzkorn: Das Haus des Feldschers

Ein Blick in das Gutshaus Satzkorn : Das Haus des Feldschers

Jahrzehntelang verfiel das leerstehende Gutshaus Satzkorn. Nun wird es saniert. Zum Tag des offenen Denkmals konnten erstmals Besucher das Gebäude von Innen besichtigen. 

Holger Catenhusen
Das Gutshaus Satzkorn ist 280 Jahre alt. 
Das Gutshaus Satzkorn ist 280 Jahre alt. Foto: Thilo Rückeis

Potsdam - Aufgestapelt liegen alte Mauersteine im Hof. In der Gebäudewand dahinter sind rechteckige Fensterhöhlen zu sehen, an den Rändern die Steine zum Teil ausgebrochen. Vertikale Stützen stehen in den Maueröffnungen, in denen sich einst Fenster befanden. Das nackte Mauerwerk trägt keinen Putz mehr. Unterhalb der Dachtraufe kann man von außen ins Gebälk schauen. Immerhin: Eine Dacheindeckung aus roten Ziegeln und anderen Materialien ist vorhanden.

Momentan präsentiert sich das ehemalige Gutshaus von Satzkorn noch in einem bedauernswerten Zustand. Aber bereits in zwei Jahren, so hofft Michael Hoppe, soll das barocke Gebäude fertig saniert sein. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Liudmila Flach will der 53-Jährige das Haus restaurieren. Und hat damit bereits begonnen. Am Tag des offenen Denkmals konnten Besucher erstmals das Gebäude von innen besichtigen.

Michael Hoppe und Liudmila Flach wollen das Gutshaus Satzkorn wieder herrichten. 
Michael Hoppe und Liudmila Flach wollen das Gutshaus Satzkorn wieder herrichten. Foto: Thilo Rückeis

Vom Glanz des einstigen Sitzes der Familie Brandhorst-Satzkorn ist im Innern des Gebäudes im Grunde nichts mehr übriggeblieben. Man geht von Zimmer zu Zimmer und sieht: Wände ohne Putz, die Ziegelsteine sichtbar. Wer im Erdgeschoss stehend nach oben schaut, blickt meist direkt auf die Balken der Zimmerdecken oder aber schaut gleich bis zum Dach hindurch. So marode ist das Haus. Man benötigt durchaus einige Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie die Gutsfamilie hier einst gelebt haben mag. Von der damaligen Zimmereinrichtung keine Spur.

Das Haus als Spekulationsobjekt

Jahrzehntelang war das Gebäude dem Verfall preisgegeben. „Teilweise auf Spekulation beruhender Vandalismus“ nennt dies der Potsdamer Bauhistoriker Thomas Sander, der am gestrigen Sonntag Besucher durch das Haus führte. Eigentümerin Liudmila Flach ist sich sicher, dass das Anwesen, bevor sie es vor zwei Jahren erwerben konnte, von der Voreigentümerin als Spekulationsobjekt angesehen wurde – mit dem Ziel, das denkmalgeschützte Gebäude irgendwann doch abreißen zu dürfen. Glücklicherweise wurde daraus nichts. Und das rund 280 Jahre alte Gebäude bekommt nun die Chance auf ein verlängertes Leben. Flachs Partner Michael Hoppe sagt, im Zuge der Aufräumarbeiten habe man so viel Schutt und Geäst aus dem Haus entfernt, dass dies zehn große Container gefüllt hätte.

Der Blick nach oben zeigt meist offenes Mauerwerk und Balken. 
Der Blick nach oben zeigt meist offenes Mauerwerk und Balken. Foto: Thilo Rückeis

Nach den Plänen von Flach und Hoppe soll das Gebäude künftig wieder bewohnt werden. Auch zwei Gewerbeeinheiten seien geplant, sagt Flach. Im nördlichen Wirtschaftsgebäude auf dem einstigen Gutsgelände bietet das Paar bereits Zimmer für Kurzzeitvermietungen an. Bauarbeiter, die im Raum Potsdam arbeiten, nächtigen hier. Auch Hoppe und Flach wohnen selbst in dem Gebäude. Für das Gutshaus favorisiere man Dauerwohnungen, sagt Flach. Aber wenn sich die Vermietung als zu schwierig erweisen sollte, werde man dort Ferienwohnungen anbieten. „Da sind wir flexibel“, so Flach.

Zwei bis drei Millionen Euro Sanierungskosten

Die Sanierungskosten für das zu DDR-Zeiten landwirtschaftlich genutzte Gebäude veranschlagt Hoppe auf zwei bis drei Millionen Euro. Zur Höhe des Kaufpreises wollten sich er und seine Partnerin am Sonntag nicht äußern. Erfahrung im Umgang mit historischer Bausubstanz sei jedenfalls vorhanden. Ihr Lebenspartner, der eigenem Bekunden nach bereits seit 30 Jahren im Immobiliengeschäft tätig ist, habe schon mehrere Denkmalobjekte saniert, berichtet Flach. Und Hoppe ergänzt: Darunter seien einige Gebäude gewesen, „die auch in noch schlechterem Zustand waren“.

Die Sanierungsarbeiten an dem barocken Gebäude haben schon begonnen. 
Die Sanierungsarbeiten an dem barocken Gebäude haben schon begonnen. Foto: Thilo Rückeis

Für die geplanten Gewerbeeinheiten gibt es bereits Interessenten. Wer das ist, wollte das Paar noch nicht verraten. Es stehe ohnehin bislang nichts fest. Die für das Gutshaus tätige Projektmanagerin Susanna Krüger, die auch Mitglied des Ortsbeirats ist, sagte, es könnten sich auch noch weitere Interessenten für die Gewerbeeinheiten melden.

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Liudmila Flach würde es indes freuen, wenn sich im Gutshaus eine Ärztin oder ein Arzt niederlasse. Im Potsdamer Norden gebe es doch einen gewissen Ärztemangel, merkte Flach an. Und es würde sich so gewissermaßen ein Kreis schließen – bis zum Erbauer des Hauses. Johann Conrad Friedrich Brandhorst, Leibarzt Friedrich Wilhelm I., hatte sich ab 1739 das Anwesen erbauen lassen. Der Mediziner errichtete das Haus auf einem bereits vormals genutzten Bauplatz: Ein Teil des heute noch erhaltenen Kellers stammt aus dem 16. Jahrhundert. Da Brandhorst jedoch bereits 1740 starb, konnte der Arzt den repräsentativen Bau nicht mehr selbst bewohnen.

Operation des Königs

Dass Brandhorst als Bürgerlicher das vormalige Rittergut überhaupt erwerben konnte, hatte er seinen medizinischen Fähigkeiten zu verdanken, wie der Bauhistoriker Thomas Sander am Sonntag zu berichten wusste. Brandhorst sei ursprünglich Feldscher, also Militärarzt, gewesen. Als der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1719 ein Geschwür am Fuß hatte, konnten ihm die herbeigeholten Gelehrten aus Berlin nicht helfen. Doch der im Ansehen viel geringer geschätzte Militärarzt Brandhorst operierte schließlich den Monarchen, was zum Erfolg führte. Brandhorst wurde daraufhin Leibarzt des Königs, der wiederum sich dann später auch dafür einsetzte, dass sein Doktor das Gut in Satzkorn erwerben konnte. Friedrich Wilhelm zahlte sogar einen Teil der Baukosten.

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