Potsdam : Ein Bier am Malawi-See

Beate Gernhuber wanderte nach Afrika aus – und eröffnete eine Strandbar in Malawi

Nach sechzehn Jahren ist Beate Gernhuber zurück gekommen in ihre Heimatstadt. Sie sei „ein bisschen ausgestiegen“, fasst die 38-Jährige ihre zehnjährige Abenteurer-Existenz in Afrika heute zusammen. Als Selbstständige vermittelt sie jetzt übers Internet „Abenteuerreisen“ in Afrika. Neben klassischen Safarireisen durch Nationalparks kann man bei ihr zum Beispiel auch Fahrten mit einem Tierarzt buchen. Die Reiseführer kennt Gernhuber persönlich, viele Touren hat sie selbst mitgemacht.

Die Spuren des Weltreisens sind in ihrer Babelsberger Dachgeschosswohung deutlich sichtbar: Eine Holzmaske aus Tansania hängt an der Wohnungstür, im Flur finden sich skurrile Dekorationsstücke wie ein Chamäleon aus grünen Perlen, neben dem Couchtisch steht – als Sitzgelegenheit – eine geflochtene Kiste aus der Strandbar in Malawi. Das Zebrafell auf dem grünen Sofa ist allerdings aus Plüsch. Ein Geschenk ihrer Mutter, erzählt Gernhuber, gekauft im Stern-Center.

Als Gernhuber Potsdam verließ, gab es das Stern-Center noch gar nicht. Es gab auch den Euro nicht, mit dem sie manchmal noch Rechenschwierigkeiten hat. Damals gab es in Potsdam nicht einmal die D-Mark. Dafür aber Feststellungen wie „nicht zum Studium delegiert“. Beate Gernhuber hatte in der DDR zu oft „naive Fragen“ gestellt, erinnert sie sich, deshalb platzte ihr Traum vom Studium nach dem Zeitungsvolontariat. Die damals 21-Jährige verschwand im Juni 1989 in den Westen.

Es sollte nicht ihre letzte Reise bleiben: Fünf Jahre arbeitete sie in West-Berlin als Journalistin. Dann bekam sie „einen Rappel“ und wollte „sehen, wie groß die Welt wirklich ist“. Es fing an mit „Drei-Monats-Trips“, zum Beispiel nach Simbabwe. Eine Zeit lang pendelte Gernhuber zwischen deutschem Arbeitsleben und Urlaubsexistenz in Afrika. Dort lernte sie immer mehr Menschen kennen und „dann war man am Haken“.

1996 brach sie ihre Zelte in Berlin ab. Zusammen mit einem Freund gründete sie die Strandbar „Indaba“ am Malawi-See im Staat Malawi. Kein Strom, 400 Kilometer bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit: Das klingt nicht nach optimalen Bedingungen für eine Kneipe, in der man am Abend ein Bier trinkt. Aber die Bar wurde ein Renner unter den Touristen an Afrikas drittgrößtem Binnensee. Das Strohhaus existiert heute noch und wird vom Reiseführer „Lonely Planet“ empfohlen, erzählt Gernhuber.

Die Malaria trieb sie schließlich vom Malawi-See: Regelmäßig bekam die Potsdamerin die lebensgefährliche Krankheit, hatte Fieber über 40 Grad und Schüttelkrämpfe. Also zog sie 1998 mit dem Rucksack weiter: nach Ägypten und in die südafrikanischen Drakensberge. In Pretoria arbeitete sie bei einem Reisevermittler. „Das war die Lehre für diesen Job hier“, sagt Gernhuber und blickt in Richtung ihres Computers. Seit Juni ist ihre Reise-Seite im Netz. Das Geschäft laufe gut, sagt Gernhuber. Sie habe sogar schon Reisen an Engländer vermittelt.

Warum sie überhaupt nach Potsdam zurückgekommen ist? Mit 38 sei es Zeit zum Erwachsenwerden, sagt Gernhuber. Deutschland habe sie während der Jahre in Afrika „nicht unbedingt vermisst“, erinnert sie sich. Als ihre Mutter die Tochter in Südafrika besuchte, fuhren sie trotzdem gemeinsam nach Potsdam. So heißt dort ein Dorf mit ein paar hundert Einwohnern, erzählt die Globetrotterin. Das südafrikanische Potsdam liegt zwischen Hügeln, nahe der Hafenstadt East London. Eine Schule steht da und ein paar Häuser – das war“s.