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Durchbruch für Babelsberger Industriedenkmal : Hauptzollamt zieht in den Lokschuppen

Das Industriedenkmal in Babelsberg soll nach Abschluss seiner bis Anfang 2023 geplanten Sanierung Sitz des Hauptzollamtes Potsdam mit 500 Mitarbeitern werden. 

Der Ex-Lokschuppen im Gewerbegebiet "Gewerbe im Park" in Babelsberg.
Der Ex-Lokschuppen im Gewerbegebiet "Gewerbe im Park" in Babelsberg.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Wo einst Lokomotiven montiert wurden, wird ab 2023 der Kampf gegen Schwarzarbeit, Geldwäsche und Schmuggelwaren koordiniert: Der sogenannte Lokzirkus in Babelsberg wird zum zentralen Sitz des Potsdamer Hauptzollamts. Mit diesem solventen Mieter im Rücken kann Eigentümer Jürgen Wowra nun die seit Langem angekündigte Sanierung dieses Industriedenkmals in Angriff nehmen. Die Details dieses Durchbruchs stellten der Investor, die künftigen Mieter und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Dienstag der Presse vor.

Mehr als 500 Arbeitsplätze möglich

Der markante Bau, eine sechseckige Halle mit einem Kuppeldach von knapp 50 Metern Spannweite und einer Höhe von 14 Metern, wird demnach für die Bedürfnisse der Bundesbehörde umgebaut. Wowra erklärte, dass die meisten der geplanten Räume an den Seiten der Lokhalle unterkommen und mit Glas verkleidet würden, damit Licht in den Bau einfallen kann. Der Innenbereich ist weitgehend als Begegnungsfläche vorgesehen, darunter sollen weitere Funktionsräume und eine Tiefgarage für 120 Autos entstehen. Die Hauptkuppel könne erhalten werden, sagte er weiter. Für all diese Pläne laufe derzeit das Genehmigungsverfahren. Das Landesdenkmalamt habe bereits seine Zustimmung signalisiert, sagte Wowra. Im nächsten Frühjahr sollen die Arbeiten demnach beginnen. Als Investitionssumme sprach Wowra von einem „stolzen zweistelligen Millionenbetrag“. Als er 2016 den Kauf der bereits 1899 errichteten Halle öffentlich gemacht hatte, war von 45 Millionen Euro die Rede gewesen. 

Das Hauptzollamt will das Gebäude zunächst mit 500 Mitarbeitern beziehen, wie Behördenchef Tim Bretschneider erklärte. „Wir werden hier auf insgesamt 16 000 Quadratmetern optimale Arbeitsbedingungen für uns haben“, sagte er. Bisher sei der Zoll auf verschiedene Standorte in Potsdam verteilte, etwa in der Behlert- und der Rembrandtstraße. Diese könne man nun im Lokschuppen zusammenführen. Auch andere Einrichtungen des Zolls in West-Brandenburg sollen noch hinzukommen. „Aufgrund der vorhandenen Erweiterungsmöglichkeiten der Büroflächen kann sogar eine noch darüberhinausgehende Anzahl von Arbeitsplätzen geschaffen werden“, hieß es in der Mitteilung der Stadt zu dem Vorhaben. Bretschneider sagte, angesichts der wachsender Aufgabenfülle des Zolls gehe er perspektivisch von einer solchen Erweiterung aus. Schubert sagte: „Es ist ein gutes Zeichen für Potsdam, dass die Bundesbehörde mit Hunderten Arbeitsplätzen ihren Sitz hier hat und hier investiert wird.“

Die Halle war Kulisse für eine spektakuläre Schießerei

Ein besonderer Vorteil des Gebäudes im Gewerbepark zwischen Großbeeren- und Wetzlarer Straße sei seine Lage in der Nähe der Autobahn, fügte Bretschneider hinzu. Für die Potsdamer seien Tage der offenen Tür vorstellbar, damit diese das Gebäude erleben könnten, ergänzte er auf PNN-Nachfrage. Der Kontrakt kam auch über Vermittlung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zustande. Laut den Beteiligten wurde seit einem Jahr über den Standort verhandelt. 

Mit der Einigung endet eine jahrelange Suche nach einer Nutzung für das Denkmal. Zwischenzeitlich hatte sogar ein Abriss zur Debatte gestanden, weil sich kein Käufer fand. Nach dem Wowra die Halle erworben hatte, wollte er ursprünglich sein Unternehmen Paranet dort ansiedeln – ein international tätiger Anbieter von Traglufthallen, etwa für Flüchtlingsunterkünfte. Dieser sollte im Lokschuppen zum Beispiel Flächen für Modellbau, Ingenieure und Lager erhalten. Das allerdings hatte sich zerschlagen, ebenso die Nutzung als Hotel. So verfiel der Bau weiter. Laut Wowra mussten zuletzt aus Verkehrssicherheitsgründen sogar Anfragen von Filmemachern abgelehnt werden, die die Halle als Kulisse nutzen wollten. 

International wurde der Bau schon einem Millionenpublikum bekannt gemacht: 2007 war er Schauplatz für eine spektakuläre Schießerei im Politthriller „The International“ von Tom Tykwer: Handwerker von Studio Babelsberg bauten im Lokzirkus damals das New Yorker Guggenheim-Museum nach.

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