• Neumann Erntegarten verschenkt Pflaumen an soziale Einrichtungen

Dreifache des normalen Ertrages : Erntegarten verschenkt Pflaumen

In Neumanns Erntegarten gibt es so viele Pflaumen, dass die Besitzer auf eine gute Idee kamen: Kostenloses Pflücken für soziale Einrichtungen.

Stefanie Schuster
Übervoll. Gerhard Neumanns Pflaumenbäume tragen reiche Ernte.
Übervoll. Gerhard Neumanns Pflaumenbäume tragen reiche Ernte.Foto: Stefanie Schuster

Potsdam - Die Zweige der Pflaumenbäume biegen sich unter der Last der Früchte in Neumanns Erntegarten. „Die werden wir niemals alle allein abnehmen können“, sagt der Besitzer Gerhard Neumann. Auch nicht mit Hilfe derer, die zur Selbsternte kommen und dann im Laden bezahlen. Daher hat er sich entschlossen, auch in diesem Jahr soziale Einrichtungen zur kostenlosen Selbsternte auf die 4,5 Hektar mit Pflaumenbäumen einzuladen.

Im vergangenen Jahr hat er damit gute Erfahrungen gemacht. „Eine Dame kam aus Brandenburg, um für die Insassen der Haftanstalt ein bisschen Abwechslung auf den Tisch zu bringen. Die waren begeistert.“ Eine andere Einrichtung, in der Menschen mit geistigen Behinderungen leben, kam mit Bewohnern und erntete. „Für die war das ein Fest“, sagt der 80-Jährige. Auch Mitarbeiter der Potsdamer Arche kamen mit einem Bus voller Kinder, um mit ihnen auf dem Acker Kisten und Körbchen zu füllen. Die Arche-Kinder waren fleißig: Waschkörbeweise fuhren sie die Ernte zu ihren Räumen in der Oskar-Meßter-Straße und kochten dort mit Hilfe der Ehrenamtlichen Pflaumenmus. Der Freundeskreis der Arche hatte Gläser, Einmachzucker und kostbare Vanille gespendet. Für viele der Kinder war es das erste Mal, dass sie Marmelade selber machten.

Dem studierten Landwirt Gerhard Neumann, einst LPG-Leiter an selber Stelle, geht es vor allem darum, das gute Obst nicht wegwerfen zu müssen. „Wir haben das Dreifache des normalen Ertrages in diesem Jahr“, betont er. „Und zwar 14 Tage früher als sonst.“ Er führt das auf die Hitze und Trockenheit dieses Jahres zurück. „Einen solchen Sommer habe ich noch nicht erlebt, obwohl 1946 und 1947 auch heiß waren. In der Summe waren die letzten drei Jahre extrem.“ In den kommenden Jahren müsse man also damit rechnen, dass die Ernte nur noch halb so groß sei, weil dann die Bäume erst einmal die Schäden dieses Jahres kompensieren müssten – wenn alles gut laufe und wieder mehr Regen falle. Wer Pflaumenmus selbst kochen wolle, der müsse sich jetzt an die Arbeit machen.

Pflücken kann man in Neumanns Erntegarten, Am Heineberg 2, täglich mittwochs bis sonntags zwischen 9 und 18 Uhr, bis 17 Uhr ist Einlass. Vertreter sozialer Einrichtungen, die kostenlos ernten wollen, müssen sich im Laden ausweisen und ihre Körbe selbst mitbringen. Für alle anderen kostet das Kilo Pflaumen 1,50 Euro, ab 10 Kilo nur noch 80 Cent.