• Doch noch Beratungsbedarf: Potsdamer Stadtwerkefest: Absage noch nicht final

Doch noch Beratungsbedarf : Potsdamer Stadtwerkefest: Absage noch nicht final

Am Mittwochabend kam eine überraschende Nachricht aus dem Potsdamer Hauptausschuss: Das beliebte Stadtwerkefest soll auch 2021 abgesagt werden. So will es Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Doch gänzlich entschieden ist das noch nicht.

Eines der großen Feste, das in diesem Jahr abgesagt wurde, ist das Stadtwerkefest. 
Eines der großen Feste, das in diesem Jahr abgesagt wurde, ist das Stadtwerkefest. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die geplante Absage des zweiten Stadtwerkefestivals in Folge sorgt für Wirbel. Am Donnerstag stellte jedenfalls die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage klar, dass es sich derzeit zunächst nur um einen Vorschlag von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) handelt, der wie berichtet am Mittwochabend aus dem nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschusses durchgesickert war. Auch die Stadtwerke erklärten, man prüfe die Absage zunächst nur. „Eine entsprechende Vorlage wurde an den Aufsichtsrat der Stadtwerke versandt“, teilte der kommunale Konzern mit. Dessen Chefin Sophia Eltrop sagte: „Eine Entscheidung ist uns wichtig, da die nicht kalkulierbaren wirtschaftlichen Risiken bei der Planung als auch die noch nicht absehbaren Auflagen im Rahmen einer solchen Großveranstaltung einer frühzeitigen Richtungsentscheidung bedürfen.“

Wirtschaftliche Risiken

Schuberts Überlegung: Soll das kostenlose Open Air im nächsten Sommer stattfinden, müsste spätestens jetzt mit der Planung begonnen werden, die auch Kosten verursachen würde. Das sei angesichts der Pandemie mit einem wirtschaftlichen Risiko behaftet. Schuberts Vorschlag: Das durch die Absage des Stadtwerkefests gesparte Geld den Vereinen im Kultur- und Sportbereich zugute kommen zu lassen. Vor einer endgültigen Entscheidung des Gesellschafters – also von Schubert selbst – werde aber noch in den Aufsichtsräten des Konzerns beraten, sagte Rathaussprecher Jan Brunzlow. Das Thema sei als Vorabverständigung mit den Stadtverordneten nicht-öffentlich behandelt worden, hieß es. Linke-Stadtverordnete Hans-Jürgen Scharfenberg sagte auf PNN-Anfrage, vor allem müsse noch debattiert werden, wie man bei einer Absage mit dem Fest in den Folgejahren umgehen wolle: „Mit so einer Tradition muss behutsam umgegangen werden“, befand Scharfenberg.

Es geht auch um das Sponsoring für Vereine

Hintergrund für die Überlegungen sind nach PNN-Informationen auch andere Folgen der Coronakrise. So dürfen kommunale Unternehmen nach den geltenden Richtlinien maximal 0,5 Prozent der jährlichen Umsatzerlöse als Sponsoring ausgeben. Da auch die Stadtwerke durch die Krise mit Mindereinnahmen rechnen müssen, wäre auch der Sponsoringtopf kleiner – mit allen Folgen, gerade auch für Sportvereine.

Daher könnte das gesparte Partygeld auch so helfen. Denn die Richtlinie lassen sich umgehen – wenn der Aufsichtsrat gesonderte Abweichungen beschließt. So obliege dem Gremium jetzt auch, „ob es die vom vom Oberbürgermeister angeregte gesonderte Unterstützung der Potsdamer Vereine mitträgt oder ein Stadtwerkefest mit den benannten Risiken planen will“, sagte Rathaussprecher Brunzlow.

Gianna Nannini war 2007 beim Stadtwerkefest.
Gianna Nannini war 2007 beim Stadtwerkefest.Foto: Manfred Thomas

Schon viele Stars traten auf

Das Stadtwerkefest ist das größte kostenlose Open Air der Landeshauptstadt, bei dem schon zahlreiche Stars wie ZZ Top oder Joe Cocker aufgetreten sind. In den vergangenen Jahren und unter der neuen Führung der Stadtwerke war das Festival verkleinert worden. Man setzte vor allem auf nationale Musikberühmtheiten – gleichwohl kamen stets zehntausende Potsdamer zu dem Großevent im Lustgarten. In diesem Jahr sollte das Fest ursprünglich parallel zu den Feiern zum 30. Tag der Deutschen Einheit stattfinden, wegen der Corona-Lage musste aber auch diese Feier abgesagt werden. Über Sinn und Unsinn des generell kostenfreien Fests hatte es mehrfach politische Debatten gegeben.

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