• "Dieses Mal hatten wir Glück": Die Potsdamer Feuerwehr-Bilanz zum Sturmtief "Sabine"

"Dieses Mal hatten wir Glück" : Die Potsdamer Feuerwehr-Bilanz zum Sturmtief "Sabine"

Der stellvertretende Potsdamer Feuerwehrchef Rainer Schulz zieht Bilanz zu Sturmtief "Sabine" und berichtet, wie die Einsatzkräfte sich auf eine mögliche Ad-Hoc-Alarmierung vorbereitet hatten.

Foto: Sebastian Gabsch

Herr Schulz, bitte ziehen Sie noch einmal für uns Bilanz: Wie heftig hat „Sabine“ aus Sicht der Feuerwehr in Potsdam gewütet?
Wir hatten bis einschließlich Montagnachmittag sieben wetterbedingte Einsätze in Potsdam und einen sogenannten Unterstützungseinsatz in Stahnsdorf, wo ein Baum auf ein Gebäude gefallen ist. In Potsdam mussten wir in einem Fall ein Dachblech lösen, ansonsten handelte es sich ausschließlich um Äste, die entfernt werden mussten.

Verletzte oder Verkehrsbehinderungen gab es aber keine.
„Sabine“ war ja schon seit Tagen angekündigt. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Wir haben die Vorhersagen verfolgt und natürlich die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes. Als klar war, wann das Sturmtief in etwa die Stadt erreichen würde, haben wir die Leitstellenbesetzung hochgefahren und den Führungsstab vorgewarnt – für den Fall, dass es zu einer Ad-Hoc-Alarmierung kommt.

Wann spricht man von einer Ad-Hoc-Alarmierung?
Davon spricht man, wenn innerhalb kürzester Zeit sehr viele Einsätze reinkommen. Beim Starkregen im Juni 2019 hatten wir zum Beispiel 100 Anrufe innerhalb einer halben Stunde, in 24 Stunden waren wir damals 200 Mal im Einsatz.

Rainer Schulz (57) ist stellvertretender Chef der Potsdamer Berufsfeuerwehr, bei der insgesamt 295 Menschen arbeiten. Er ist gebürtiger Potsdam und wohnt in Werder (Havel).
Rainer Schulz (57) ist stellvertretender Chef der Potsdamer Berufsfeuerwehr, bei der insgesamt 295 Menschen arbeiten. Er ist...Foto: Sebastian Gabsch

Auf so ein Szenario waren Sie diesmal also auch vorbereitet?
Zumindest war so viel Personal auf Abruf, dass wir innerhalb von 20 Minuten sehr gut aufgestellt gewesen wären. Wir hatten auch alle 15 Freiwilligen Feuerwehren in Potsdam angerufen und auf die Lage vorbereitet. Wir hätten alle 15 Gerätehäuser besetzen können. Zusammen mit den Kollegen von der Berufsfeuerwehr hätten wir also theoretisch 16 Einsätze gleichzeitig fahren können.

Wie viele Feuerwehrmänner und -frauen standen also insgesamt bereit?
Allein bei den Freiwilligen Feuerwehren gibt es in Potsdam 350 Einsatzkräfte, da sind wir sehr gut aufgestellt. Dann kommen noch die Kollegen von der Berufsfeuerwehr dazu, da haben wir regulär immer 39 Einsatzkräfte im Dienst. Bei dem bereits erwähnten Starkregen 2019 waren insgesamt rund 300 Kräfte im Einsatz. Bei „Sabine“ wäre es dieses Mal von Vorteil gewesen, dass wir ein Wochenende hatten. Im Ernstfall hätten die Einsatzkräfte also nicht erst ihren Arbeitsplatz verlassen und anrücken müssen.

Merken Sie bereits die Häufung extremer Wetterlagen durch den Klimawandel?
Wir haben in Potsdam jedes Jahr unseren Sturm und jedes Jahr unseren Starkregen. Aber abgesehen davon merkt man über die Jahre gesehen schon, dass sich die Zahl der großen Lagen häuft. Dieses Mal hatten wir Glück, womöglich weil die Bäume dank des vergleichsweise vielen Regens nicht allzu trocken waren und so mehr Standfestigkeit hatten.

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