• Dienstag, 5. Mai 2020: Das ist heute in Potsdam wichtig

Dienstag, 5. Mai 2020 : Das ist heute in Potsdam wichtig

Heute radeln wir für das Klima von Potsdam nach Berlin, stählen uns gegen Mobbing und reden über Vorlesungen in Amazon-Hörsälen. 

Schon am 1. Mai gab es eine Klimademo in Potsdam. 
Schon am 1. Mai gab es eine Klimademo in Potsdam. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Wenn es ihn nicht schon gäbe, würde er jetzt garantiert erfunden: Der Internationale Tag der Handhygiene. Die Weltgesundheitsorganisation hat ihn 2009 initiiert und dafür den 5. Mai eines Jahres gewählt - als Eselsbrücke. Denn schließlich haben die Hände, um deren Hygiene es hier geht, jeweils fünf Finger. 

Seit Corona weiß auch jedes Kind, dass man quasi nicht oft und nicht lange genug Händewaschen kann. Gerade jetzt, wo die Regeln langsam gelockert werden und die potenzielle Ansteckungsgefahr steigt, sollte man sich vielleicht erst recht nochmal daran erinnern. 

Das St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam.
Das St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam.Foto: Ottmar Winter PNN

Ob die eben erwähnten Lockerungen sich in Potsdam auch in den Infektionszahlen niederschlagen, wird sich wegen der langen Inkubationszeit erst noch zeigen. Bislang sehen die Zahlen aber weiterhin gut aus. Am gestrigen Montagnachmittag musste das Gesundheitsamt der Stadt lediglich eine neu mit dem Coronavirus infizierte Person innerhalb von 24 Stunden melden - das war der vierte Tag in Folge mit drei oder weniger Neuinfizierten. 

Und noch eine gute Nachricht gab es gestern: Das St. Josefs-Krankenhaus, das seit dem Aufnahmestopp am "Ernst von Bergmann" Potsdams einziges Akutkrankenhaus ist, hat kaum infizierte Mitarbeiter. Von 603 getesteten Mitarbeitern hatten nur sechs ein positives Ergebnis. Diese wiederum waren überwiegend auf der Covid-Intensivstation im Einsatz und deswegen gut mit medizinischer Schutzausrüstung ausgestattet - eine Gefahr für Patienten oder Team waren sie also aus Sicht der Klinik nicht. Alle aktuellen Entwicklungen lesen Sie wie immer in unserem Newsblog

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Mit dem Rad nach Berlin

Weniger Verkehr, stillstehende Bänder in den Autowerken, sinkende Nachfrage: Wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie steckt (auch) die Automobilindustrie in der Krise. Über mögliche staatliche Hilfen etwa in Form einer Art Abwrackprämie soll heute in Berlin bei einem "Autogipfel" gesprochen werden, was wiederum die Klimaschützer auf den Plan ruft. 

Sie wollen um 11 Uhr vor dem Kanzleramt demonstrieren - geplant sind mehrere Kundgebungen mit je den erlaubten maximal 50 Teilnehmern. Sie wollen nach eigener Aussagen nicht akzeptieren, dass der "Status-Quo eines zerstörerischen Systems fortgeschrieben wird". Auch die Initiative "Potsdam Autofrei" beteiligt sich und lädt dazu ein, gemeinsam vom Brandenburger Landtag am Alten Markt die 33 Kilometer zum Kanzleramt in Berlin-Mitte zu radeln. Damit der Tross pünktlich ankommt, geht es heute schon früh los: Treffpunkt ist um 8 Uhr. 

Politik aus dem Freizeittreff

Nachdem im April zahlreiche Ausschusssitzungen wegen der Coronakrise entfallen sind, sollen im Mai fast alle wieder stattfinden. Einige davon wurden in den Treffpunkt Freizeit verlegt, um den nötigen Abstand zwischen den Anwesenden zu ermöglichen. Heute sind es gleich drei Sitzungen, die in der Freizeiteinrichtung stattfinden: Der Ausschuss für Partizipation, Transparenz und Digitalisierung (15 Uhr), der Kulturausschuss (17.30 Uhr) und der Bauausschuss (19.30 Uhr). 

Endlich kann an dieser Stelle auch wieder auf die Tagesordnungen verwiesen werden, die nach monatelangem Shutdown wegen eines Cyberangriffs offline waren. Allerdings steht bei zwei der drei Gremien nur eines auf der Agenda: die Haushaltssatzung. Diese soll wie berichtet im Eilverfahren beschlossen werden, um handlungsfähig durch die Coronakrise zu kommen. Nur der Kulturausschuss hat noch einige andere Themen zu besprechen.                                          

Genial oder brachial? 

Die einen feiern Carsten Stahl für seine erfolgreichen Anti-Mobbing-Trainings an deutschen Schulen, die anderen finden die Methoden des Neuköllners brachial und seine Einstellung anti-demokratisch. Die Mitglieder der Brandenburger Freie-Wähler-Fraktion scheinen jedenfalls zu den Bewunderern des ehemaligen Serien-Schauspielers zu gehören, zumindest  haben sie ihn zu ihrer heutigen Fraktionssitzung eingeladen. Im Livestream wollen sie heute ab 14 Uhr mit mit ihm über das Thema Mobbing sprechen und darüber, was die Politik dagegen tun kann. Interessierte können auch Fragen stellen - hier der Link zu der Veranstaltung. 

Carsten Stahl.
Carsten Stahl.Foto: Thilo Rückeis

Einmal bitte alle in den Kaufland-Hörsaal

Und, heute schon ein Zoom-Date geplant? Oder eine Konferenz mit Microsoft Teams? Unternehmen erobern gerade jetzt, wo wir auf digitale Kommunikationsplattformen angewiesen sind, unser privates und berufliches Umfeld. Doch inwiefern nehmen sie auch Einfluss auf die staatlichen Universitäten? Gibt es vielleicht bald einen Kaufland- oder einen Amazonhörsaal? Die Ökonomisierung von Bildung ist Thema einer Online Panel-Diskussion, die heute von 16.30 bis 18 Uhr im Netz stattfindet. Organisiert wird sie von der Bildungsgewerkschaft GEW und der Partei Die Linke. Diskutieren wollen Martina Schmerr (GEW), Isabelle Vandre (Die Linke), Sahra Damus (Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Füller (Bildungsjournalist). Für die Teilnahme an der Veranstaltung bitte hier entlang. 

Intellektuelles aus der Sauna

Fans des Formats werden es bemerkt haben: die für gestern Abend geplante Lesung des Literaturladens Wist musste ausfallen. Eigentlich sollte die Potsdamerin Cia Rinne in der Reihe "Brandenburger Autor*innen in der Sauna" ihren Auftritt haben, doch laut Wist gab es "technische Virusinterferenzen". Das Ganze findet daher erst heute Abend um 19 Uhr statt, die Lesung trägt den Titel: "DUALOG Dialoge zum Dualismus (als Ursache der ökologischen Katastrophe, nach Hans Jonas). Eine Tragödie in 9 Szenen." Aber Achtung: selbst die Veranstalter sprechen von einer intellektuellen Herausforderung. Wer sich trotzdem traut: hier wird die Lesung veröffentlicht. 

Heute vor Gericht

Eine völlig analoge Vor-Corona-Tat wird heute Vormittag am Amtsgericht Potsdam verhandelt. Drei Berliner im Alter von 24, 34 und 36 Jahren sollen am 5. März in die Seniorenresidenz Havelhöhe eingebrochen sein und dort aus Schränken und Tresoren insgesamt 2599 Euro gestohlen haben. Besonders geschickt stellten sie sich dabei aber offenbar nicht an, denn kurz nach der Tat wurden sie von der Polizei gestellt. Der Prozess beginnt um 9.30 Uhr in Saal 20. 

Zum Schluss das Wetter

Das Gute zuerst: Der Tag beginnt und endet freundlich mit einem Mix aus Sonne und Wolken. Am Nachmittag soll es aber immer wieder regnen. Und besonders warm wird es den ganzen Tag über auch nicht: maximal zwölf Grad werden vorhergesagt. 

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