• Dienstag, 31. März 2020: Das ist heute in Potsdam wichtig

Dienstag, 31. März 2020 : Das ist heute in Potsdam wichtig

Heute lernen wir mehr über unseren Corona-Alltag, koordinieren Potsdamer Hilfsangebote, nähen Masken und lassen uns zuhause vorlesen.

Christian Müller
Einige Potsdamer haben sich Gedanken gemacht, wo Hilfe benötigt wird, und fertigen nun selbst Schutzmasken an.
Einige Potsdamer haben sich Gedanken gemacht, wo Hilfe benötigt wird, und fertigen nun selbst Schutzmasken an.Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Potsdam - Wie häufig haben Sie sich gestern die Hände gewaschen? Arbeiten Sie aktuell von zuhause aus? Was haben Sie bei Ihrem letzten Einkauf gekauft? Keine Angst, unsere morgendliche Potsdam-Vorschau artet nicht in eine Befragung aus. So genau wissen wollen es stattdessen die Forscher eines internationalen Gemeinschaftsprojektes zum Alltag in der Coronakrise, an dem unter anderem auch das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in Großbeeren beteiligt ist. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis dafür, "wie Menschen wie Sie diese außergewöhnliche Situation erleben und mit dieser Pandemie umgehen", heißt es auf der Homepage des Projekts. Der Online-Fragebogen der Forscher soll zwischen zehn und 15 Minuten dauern.

Nicht nur viele Potsdamer dürften in diesen Tagen mitunter verwundert innehalten, wie schnell sie sich - bei allen Schwierigkeiten, Unsicherheiten, Herausforderungen - doch mit der Ausnahmesituation arrangiert haben. In unserer PNN-Serie "Krisentagebuch" lassen wir täglich einen Potsdamer oder eine Potsdamerin zu Wort kommen.

Das Kontaktverbot wird verlängert

Wie lange uns die Coronakrise noch begleiten wird, das kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Klar ist seit Montag aber: Das Kontaktverbot und die anderen strengen Einschränkungen bleiben nicht nur bis zum 5. April, sondern bis mindestens 19. April bestehen. Die Landesregierung hat sie um weitere zwei Wochen verlängert. Alle Entwicklungen rund um die Coronakrise in Potsdam lesen Sie wie immer in unserem Newsblog.

#Flattenthecurve bleibt die Devise

"Wir wären auch viel lieber mit Euch im Kino!", schreibt das Babelsberger Kino-Team vom Thalia auf seinem Facebookprofil, und ruft gleichzeitig dazu auf, zuhause zu bleiben, um so die Kurve der Corona-Neuerkrankungen möglichst flach zu halten. #FlattenTheCurve heißt der zugehörige Hashtag, der seit Wochen im Trend ist.

Selbstgenähte Schutzmasken

Da es weit und breit an Schutzmasken mangelt, haben nun einige Potsdamer beschlossen, die Fäden selbst in die Hand zu nehmen und sich ans Werk zu machen. Zum Beispiel der Designer Marco Marcu, der seinen Laden im Holländischen Viertel hat, in der Mittelstraße 37. Normalerweise entwirft der gebürtige Rumäne Abendkleider, etwa für den Abiball, seine Kollektionen präsentiert er auch auf Fashion Weeks. Nun beschäftigt der Designer sich mit Schutzmasken, wie er auf Instagram mitteilte. 

Auch im Hans Otto Theater (HOT) beschäftigt man sich mit dem Thema. 2000 Masken will die hauseigene Schneiderei anfertigen, um diese dann dem städtischen Bergmann-Klinikum zu spenden. Dieses hatte auf seiner Website dazu aufgerufen. "Wir erhalten zunehmend Anfragen von Bürgern und Mitarbeitern, die das Klinikum mit selbst genähten Schutzmasken unterstützen möchten. Wir freuen uns über dieses Angebot und nehmen jede Maske dankend an", heißt es dort. Auch eine Nähanleitung, ursprünglich von der Stadt Essen, wurde auf der Homepage des Potsdamer Klinikums bereitgestellt.

Helfen ist jetzt wichtig

Bei allen Fragen wird eines im Moment deutlicher denn je: Ohne gegenseitiges Helfen geht es nicht. Gerade während dieser schwierigen Corona-Zeit muss man sich gegenseitig unterstützen. Das hat der Hamburger Pastor Bernd Siggelkow, der vor rund 25 Jahren in Berlin-Hellersdorf das evangelikale Hilfswerk Arche gründete, am Samstag in einer Videobotschaft deutlich gemacht.

Dabei gibt es jedoch ein Problem – oft weiß man gar nicht so genau, was denn nun eigentlich besonders gefragt ist, wo man anpacken kann. Der SC Potsdam, größter Sportverein im Land Brandenburg, möchte dieser Lücke entgegenwirken und hat eine Helfer-Börse eingerichtet. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit – Menschen zusammen zu bringen, die sich gegenseitig unterstützen können und wollen", teilte der Verband bei Instagram mit. Wer also helfen möchte, schreibt eine E-Mail an [email protected], der Betreff der E-Mail muss dabei lauten "Ich möchte helfen". In der E-Mail sollte beschrieben werden, welche Art der Hilfe angeboten werden kann, beispielsweise ein Einkauf, wo die Hilfe angeboten werden kann, beispielsweise im Kirchsteigfeld, und wie die Kontaktdaten lauten. 

Wer hingegen Hilfe benötigt, kann sich an dieselbe E-Mail-Adresse wenden, sollte im Betreff aber "Ich benötige Hilfe" angeben und in der E-Mail schreiben, worin der Bedarf besteht, wo der Bedarf besteht und wie die eigenen Kontaktdaten lauten, eine Telefonnummer ist neben der E-Mail-Adresse sicherlich hilfreich.

Die Potsdamer Tierrettung hat ihre Hilfe bereits vor zwei Wochen bei Facebook angeboten: "Egal ob Tiernahrung oder Katzenstreu kaufen, Gassi gehen oder eure Lieblinge betreuen."

Fit und gesund bleiben

Der Potsdamer Kanute Jan Vandrey liefert seine Unterstützung nach Hause, indem er sportliche Übungen über Instagram veröffentlicht. Denn aktuell fit zu bleiben, ist schließlich gar nicht so einfach – vor allem dann nicht, wenn man seinen Bürojob zu Hause erledigt und der Weg zur Arbeit komplett wegfällt. Vandreys Übungen sind aber nicht nur einfach nachzumachen, sondern auch lustig für Ihre Kleinen. Probieren Sie es doch einfach einmal aus.

Yoga lässt sich ebenfalls ganz gut daheim erproben. Online-Kurse bietet zum Beispiel Angelique Eichenseher von "Yoga in Potsdam" an. "Wenn ihr nicht zu mir kommen könnt, komme ich eben zu euch" schreibt die Potsdamerin auf ihrer Website. Im Kurs am morgigen 1. April sind noch Plätze frei, sieben Euro kostet die einmalige Teilnahme.

Was machen eigentlich Potsdams Schüler?

Wer sich diese Frage stellt, findet Antworten im Quarantäne-Tagebuch des Hannah-Arendt-Gymnasiums. Dort berichten Schüler aus ihrem Alltag daheim. Tim hat den Anfang gemacht: "Der Kleine kommt um 7 Uhr und langweilt sich. Die älteren Mädchen schlafen wie besinnungslos", schreibt er. Oder: "Als am Abend der systemrelevant arbeitende Vater nach Hause kommt, will ihn niemand begrüßen, bis er sich sehr gründlich die Hände gewaschen hat." Ein anderer Schüler beschreibt den Geburtstag allein zu Hause und die Enttäuschung darüber, dass die geplante Feier ausfallen muss. Und wieder eine andere Schülerin ärgert sich darüber, dass eine Ausstellung, an der sie mitgearbeitet hat, im Moment nicht stattfinden kann.

Babelsberg 03 gibt Malbuch heraus 

Für jene, die sich langweilen: Der SV Babelsberg 03 hat einen überraschenden Vorschlag. Am Montag präsentierte der Fußball-Regionalligist sein "blauweissbuntes Malbuch", das auf der Internetseite des Kiezklubs zum Herunterladen bereitsteht. Das Malbuch sei ein willkommener Zeitvertreib – "ob im Kampf gegen den drohenden Lagerkoller, als schnelle Unterstützung für alle Home-Animateure oder als abwechslungsreiche Beschäftigung für alle jungen und jüngeren Nulldreier". Zehn Motive von Spielern wie Tom Nattermann, Petar Lela und Daniel Frahn stehen zur Verfügung. Der Verein rief auch dazu auf, ausgemalte Werke über soziale Netzwerke wie Facebook an ihn zu senden. 

Literatur für die Quarantäne

Eigentlich hätte am heutigen Dienstag eine Lesung mit dem Wilhelmshorster Schriftsteller Lutz Seiler in der Villa Quandt stattgefunden, organisiert vom Brandenburgischen Literaturbüro. Gerade erst wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Die Veranstaltung fällt wie erwartet coronabedingt aus. Aber dies kann nicht davon abhalten, sich selbst einen Eindruck von Seilers jüngstem Werk, dem Roman "Stern 111", zu verschaffen. Im RBB Kulturradio liest Seiler sein Buch seit letzter Woche selbst. Dazu kann man montags bis freitags 14.30 Uhr oder 23.04 Uhr einschalten - oder die Folgen auf der RBB-Webseite per Podcast nachhören.

Bücher bestellen, Buchläden unterstützen

Einige Potsdamer Buchhandlungen bieten mittlerweile auch Beratungen per Telefon oder online an, und liefern die literarischen Fundstücke nach Hause. Der Literaturladen Wist in der Dortustraße ist zwar für Besucher geschlossen, bestellen kann man aber trotzdem. "Als Zeitungskiosk wurde der Literaturladen nun stationär geschlossen. Aber unsere Bücherboten dürfen weiter durch die Stadt. Also lest und ordert", heißt es auf der Facebookseite des Literaturladens. Bornstedts kleine Bücherstube in der Potsdamer Straße 175 bietet einen Lieferservice an. Von montags bis freitags von 11 bis 16 Uhr kann telefonisch unter (0331) 5057085 oder via E-Mail an [email protected] sowie per SMS an 0173 6163128 bestellt werden. Geliefert werden die Bücher dann nach Terminabsprache. Die Bestellung im Online-Shop mit Versand an eine Wunschadresse ist aktuell weiterhin möglich. Persönliche Beratung wird ebenfalls angeboten, telefonisch oder per Mail. Auch "Das internationale Buch" in der Innenstadt und der Viktoriagarten in Potsdam-West liefern Bücher frei Haus.

Online-Lesung mit Potsdams Theaterschauspielern

Literatur gibt es seit Montag auch auf der Website des Hans Otto Theaters. Jeden Abend um 19.30 Uhr ist eine neue Lesung für Groß und Klein angekündigt, unter dem Motto "Backstage Hans Otto". Der HOT-Schauspieler Guido Lambrecht hat mit "Lenz" von Georg Büchner den Anfang gemacht.

Entspannung am Abend

Angesichts der Sorgen, die sich viele Potsdamer rund um die Coronakrise machen werden, können ein paar Entspannungsübungen helfen, die  HOT-Schauspielerin Nadine Nollau parat hat. Einmal kurz hinsetzen, Augen schließen und tief durchatmen kann schon ein bisschen Licht in den Alltag bringen. 

Zum Schluss das Wetter

Heute ist es teils bewölkt, aber es können am Nachmittag – nach einem frostigen Morgen –immerhin 7 Grad werden. Das fühlt sich nach dem Schnee von gestern doch gut an. 

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