Potsdam : Die Stadt knickt ein

Fachhochschule muss nicht doppelt umziehen

M. Zschieck

Innenstadt - Der öffentliche Druck war zu groß: Der geplante Umzug der Fachhochschule (FH) in ein Interimsquartier ist vom Tisch. Wie die Potsdamer Stadtverwaltung und das brandenburgische Wissenschaftsministerium am Donnerstag mitteilten, habe es in dem Streit darum eine Einigung gegeben. Im Oktober 2017 soll die FH das bisher von ihr genutzte Gebäude am Alten Markt verlassen haben. „Das Land sichert die Übergabe an die Landeshauptstadt zu diesem Zeitpunkt zu“, so die Stadtverwaltung. Dann soll der Annex II genannte Neubau auf dem Campus der FH an der Pappelallee fertig sein. Damit das gelingt, soll die Stadtverwaltung die Planung und den Bau des Annex II gemeinsam mit dem Land überwachen, „damit die Einhaltung des Termins nicht gefährdet wird“.

Als Teilerfolg wertete Stadtsprecher Stefan Schulz den Kompromiss gegenüber den PNN: „Wir haben aber nicht ganz erreicht, was wir wollten.“ Die Einigung bedeutet, dass der grüne Baubeigeordnete Matthias Klipp seine Pläne zu einem früheren Abriss des FH-Gebäudes am Alten Markt aufgeben muss. Demnach hätte die FH zum Wintersemester 2015/2016 in das dann leer stehende Verwaltungsgebäude des Rechenzentrums in der Breiten Straße umziehen sollen. Für den Umbau des DDR-Bürohauses und den Umzug wollte die Stadt einen mittleren sechsstelligen Betrag ausgeben. Über die Pläne war es zu einer Kontroverse mit FH-Präsident Eckehard Binas gekommen, der die Interimspläne als unzumutbar und das Gebäude als ungeeignet ablehnte. Auch Stadtpolitiker hatten die Pläne kritisiert – und wie sie Dezernent Klipp kommunizierte. „Der Baubeigeordnete benimmt sich mal wieder wie der Elefant im Porzellanladen“, erklärte etwa SPD-Chef Mike Schubert.

Hintergrund des Streits waren Verzögerungen beim eigentlich schon 2012 geplanten Auszug der FH am Alten Markt. Die Stadt macht Druck, weil durch das FH-Gebäude private Investitionen in der Mitte blockiert würden – anstelle des DDR-Baus sollen Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. Nach Schätzung der Stadtverwaltung würden sich 7,7 Millionen Euro Einnahmen aus der Vermarktung der Grundstücke in bester Lage verschieben. Zudem drohe durch die Verzögerung der Verfall von mehr als 13 Millionen Euro Fördermitteln, argumentierte Klipp. Später räumte die Stadtverwaltung ein, dass es sich eher um acht Millionen Euro handelt.

Auch über das Gebäude des Rechenzentrums in der Dortustraße haben Stadt und Land gesprochen. Dort ist die gesamte Servertechnik der Landesbehörden untergebracht. Das Haus gehört dem städtischen Sanierungsträger, der es ebenfalls abreißen lassen will. Nun soll eine befristete Weiternutzung vereinbart werden. Der letzte Mietvertrag war Ende 2013 ausgelaufen. „Im Moment dulden wir die Nutzung nur“, so Schulz. Klipp war kürzlich deutlicher: „Das Land hat das Haus besetzt.“ Wie lange der neue Vertrag laufen soll, sei noch offen, hieß es. M. Zschieck