Potsdam : Die Rückkehr eines legendären Baums

Am Schloss steht wieder eine Bittschriftenlinde. An der historischen Überlieferung aber gibt es Zweifel

Sie ist wieder da. Die Bittschriftenlinde wurde neben das Schloss gepflanzt. F.: Klaer
Sie ist wieder da. Die Bittschriftenlinde wurde neben das Schloss gepflanzt. F.: Klaer

Innenstadt - Ist es nun Wahrheit oder Mythos? Jedenfalls ist die Geschichte von Potsdams wohl berühmtestem Baum sattsam bekannt: Eine Linde, die neben dem Stadtschloss stand, soll während der Regierungszeit Friedrichs II. dessen Untertanen als Anlaufpunkt gedient haben, um Beschwerden oder Gesuche an den König zu richten. Im Volksmund hieß der Baum folgerichtig Bittschriftenlinde.

Hannes Wittenberg, Vizechef des Potsdam Museums hält die Geschichte indes für eine Legende. Dafür, dass an dem Baum je Bittschriften angebracht worden seien oder der König dort Gesuche entgegennehmen ließ, gebe es keinen schriftlichen Beweis, sagte er den PNN. Wittenberg beruft sich dabei auf die „Geschichte der Stadt Potsdam“, die der Stadthistoriker Julius Haeckel 1912 herausgegeben hat. Tatsächlich bleibt der Autor in dem Buch vage: „Angeblich“, heißt es dort, habe der König die Bitten seiner Untertanen an der Bittschriftenlinde entgegengenommen.

Selbst wenn sie nicht stimmt, „ist es doch aber eine schöne Geschichte“, hält Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) dagegen. Der Rathauschef feierte am gestrigen Montag gemeinsam mit Landtagspräsidentin Britta Stark (Linke), Horst Müller-Zinsius, Chef des für die Mitte zuständigen Sanierungsträgers, und mehr als 100 Schaulustigen die Rückkehr der Bittschriftenlinde an ihren historischen Ort auf dem heutigen Otto-Braun-Platz.

Der originale Baum war 1949 auf Geheiß der SED mit Stumpf und Stiel gerodet worden – eine symbolische Aktion, war doch alles verhasst, was an Preußen erinnerte. Zur 1000-Jahr-Feier Potsdams hatte die Baumschule Lorberg in Ketzin der Stadt eine neue Linde spendiert. 15 Jahre gedieh sie am angestammten Platz, bevor sie 2008 wegen des Verkehrsumbaus in der Potsdamer Mitte und der Errichtung des Landtagsschlosses in eine Baumschule in Nuthetal umquartiert werden musste. Inzwischen ist der Baum – wie das Original eine Kaiserlinde – etwa 40 Jahre alt und rund elf Meter hoch. Bei guter Pflege könne die Linde durchaus gut 200 Jahre alt werden, sagte der Spender, Dieter Lorberg, den PNN. Wichtig sei aber, dass der Baum vor allem bei großer Trockenheit regelmäßig gegossen werde – Jakobs versprach es ihm.

Auf Anregung des CDU-Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann, der als Vorsitzender des Petitionsausschusses Adressat von Beschwerden und Anliegen von Brandenburger Bürgern an das Parlament ist, soll an der Bittschriftenlinde eine Tafel aufgestellt werden, die auf die Geschichte des Baums verweist, auf der aber auch die Kontaktdaten des Petitionsausschusses stehen. „Das kriegen wir hin“, sagte Müller-Zinsius. pee

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