• Die Lage in Potsdam am Montag: Deutlich mehr Corona-Patienten

Die Lage in Potsdam am Montag : Deutlich mehr Corona-Patienten

In den Potsdamer Kliniken werden 61 Menschen mit Covid-19-Erkrankungen behandelt. Die Zahl der Toten steigt. Bei der Kitanotbetreuung gelten neue Regeln.

Dorothea Fischer, die medizinische Geschäftsführerin des Bergmann-Klinikums, mit Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).
Dorothea Fischer, die medizinische Geschäftsführerin des Bergmann-Klinikums, mit Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).Foto: Andreas Klaer

Die Lage in Potsdams Krankenhäusern hat sich erneut zugespitzt. Sechs Menschen sind bislang nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben, davon zwei aus Potsdam-Mittelmark. Zehn Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung kämpfen derzeit um ihr Leben. Sie werden intensivmedizinisch betreut und beatmet. 61 Menschen werden in beiden Krankenhäusern der Stadt wegen Covid-19 behandelt. Ein Überblick zur Lage am Montag.

Weiter steigende Fall- und Todeszahlen

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) musste die Pressekonferenz am Montagnachmittag mit einer traurigen Nachricht beginnen: Im Klinikum ist ein weiterer Patient gestorben, er war 98 Jahre alt – damit sind nun vier Potsdamer Senioren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag waren ein 88- und ein 80-jähriger Infizierter gestorben, in der Nacht zum Samstag ein 78-Jähriger. Alle Verstorbenen litten laut Stadtverwaltung an Vorerkrankungen. Wie es aus Rathauskreisen hieß, seien wegen des Gesundheitszustands einiger Erkrankten weitere Todesfälle zu befürchten. Am Abend wurden zudem zwei Todesfälle aus dem St. Josefs-Krankenhaus gemeldet: Eine Frau Jahrgang 1934 und ein Mann Jahrgang 1939 aus dem Umland von Potsdam.

Amtsärztin Kristina Böhm verwies auf Nachfrage angesichts der bereits hohen Zahl der Corona-Toten auf den großen Anteil älterer Menschen in Potsdam, die als besonders gefährdet gelten: In Potsdam sind knapp 15 Prozent der 180.000 Einwohner älter als 70 Jahre, laut Statistik sind das mehr als 26.000 Menschen.

Bergmann-Klinikum testet alle Patienten

Das Bergmann-Klinikum testet alle Patienten und auch Mitarbeiter vorsorglich auf eine Corona-Infektion.
Das Bergmann-Klinikum testet alle Patienten und auch Mitarbeiter vorsorglich auf eine Corona-Infektion.Foto: Andreas Klaer

Auch die Zahl der Corona-Infizierten steigt stetig. Laut Rathauschef Schubert zählt das Gesundheitsamt aktuell 139 Infizierte, 30 mehr als noch am Sonntag. Damit hat sich die Zahl seit Montag innerhalb von fünf Tagen mehr als verdoppelt. Ein Grund für den starken Anstieg ist, dass das Bergmann-Klinikum am Samstag alle Patienten, auch ohne Symptome, hat testen lassen - allein dabei seien 33 neue Covid-19-Fälle gefunden worden, erklärte Dorothea Fischer, die medizinische Geschäftsführerin des Klinikums. Sie werden nun isoliert behandelt. Ferner befinden sich mehr als 600 Potsdamer als Verdachtsfälle in häuslicher Quarantäne, das Gesundheitsamt prüft täglich ihren Zustand. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, unter anderem auch, weil Laborergebnisse teils erst mit mehrtägiger Verzögerung vorliegen.

79 Beatmungsplätze in Potsdam - rein rechnerisch

Aktuell reichen die Beatmungsgeräte in Potsdam noch aus. Allerdings steigen die Patientenzahlen recht zügig. Wie Oberbürgermeister Schubert sagte, seien aktuell 61 Patienten im Bergmann-Klinikum und im Josefs-Krankenhaus in Behandlung. Am Sonntagmittag waren es noch 28, vier Tage zuvor noch 14. Aktuell werden zehn Menschen künstlich beatmet.

Am kommunalen Bergmann-Klinikum stehen dafür – auch dank einer neuen Corona-Station am Hauptstandort – 58 Geräte zur Verfügung, sagte Klinikumscefin Fischer. Das St. Josefs Krankenhaus hat bereits sein Haupthaus für die Behandlung von Covid-19-Patienten frei gemacht. Damit stünden dort 21 Beatmungsplätze in einer insgesamt 43 Plätze umfassenden Isolierstation zur Verfügung.

Rein rechnerisch sind in Potsdam damit 79 Geräte vorhanden. Sie werden aber auch zum Teil für andere Patienten benötigt, wie Amtsärztin Kristina Böhm erklärte. Man sei aber gerade dabei, weitere Geräte zu beschaffen. „Da erwarten wir einen deutlichen Anstieg der Gerätezahlen.“ Allerdings gestalte sich die Beschaffung „etwas zäh“.

Kliniken wollen bei Patientenansturm zusammenarbeiten

Auf Nachfrage ergänzte Fischer, im Moment sei das Klinikum bei der Zahl der Geräte „gut aufgestellt“. Es gebe aber auch „überörtliche Überlegungen“, was passiert, wenn zu viele Patienten gleichzeitig behandelt werden müssten. „Da ist eine Zusammenarbeit selbstverständlich.“ Noch unklar ist, wann im Klinikum zwei Covid-19-Patienten aus Italien ankommen, hieß es bei der Pressekonferenz weiter – es handelt sich um ein Hilfsangebot aus Brandenburg an das von der Coronakrise besonders betroffene Land. In den kommenden zwei Tagen wird dazu eine Rückmeldung von der deutschen Botschaft in Italien erwartet.

Wie ist die neue Corona-Station im Klinikum angelegt?

Laut Klinikchefin Fischer ist die neue Station so abgetrennt, dass sich Covid-19-Patienten und andere Erkrankte nicht begegnen können – also keine erhöhte Infektionsgefahr besteht. Ähnlich handhabt es auch das St. Josefs: Alle Personen, die dort wegen anderer Krankheiten operiert oder gepflegt werden, sind in Partnereinrichtungen des Hauses untergebracht – also in der Oberlinklinik und im Evangelischen Zentrum für Altersmedizin.

Mehr Schutzausrüstung für das Klinikum nötig

Unterdessen appellierte Oberbürgermeister Mike Schubert erneut an den Bund, dafür zu sorgen, dass Kommunen ausreichend mit Schutzkleidung versorgt werden. Zwar bestellten auch die Stadt und das Klinikum selbst, doch ein größerer Player habe angesichts der Materialknappheit auch die größeren Chancen bei der Bestellung. „Wir sind in der glücklichen Situation, noch über ausreichend Schutzkleidung zu verfügen“, sagte Fischer. Auch von einer Nachschublieferung mit unter anderem 188.000 Schutzmasken, die das Land am Sonntag erhalten hat, habe das Klinikum etwas abbekommen, ergänzte Schubert. Allerdings würden die Mengen auf alle Kommunen und Landkreise verteilt, sodass die Mengen für jeden sehr gering seien. So habe das Klinikum nur 63 Kittel erhalten, was längst nicht ausreichend sei.

Klinikum will weiter alle neuen Patienten testen

Patienten, die stationär im Klinikum aufgenommen würden, sollen zuvor getestet werden, sagte Fischer. Bei Notfällen werde der Abstrich in der Notaufnahme gemacht. Bis zum Vorliegen eines Testergebnisses bleiben diese Patienten auf einer Isolierstation. Man sei von dem Ansturm am vergangenen Wochenende, als die neue Praxis eingeführt wurde, überrascht worden, räumte Fischer ein. Obwohl das Personal sehr effizient gearbeitet habe, sei es zu Wartezeiten gekommen. Wie berichtet hatten sich am Wochenende lange Schlangen gebildet, auch Hochschwangere mussten teils stundenlang warten. Man habe aus der Situation gelernt, so Fischer. Künftig würden Patienten und Mitarbeiter zu bestimmten Zeitfenstern bestellt, um den Test durchzuführen.

Allerdings verteidigte sie die Praxis auch mit einem zentralen Argument: Man hätte 32 Corona-Infektionen bei Patienten des Hauses sonst nicht entdeckt. Die Pro-Forma-Tests gehen über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hinaus. Auch die Mitarbeiter seien getestet worden, sagte Fischer. Ergebnisse dazu stehen noch aus. „Aktuell haben wir aber ausreichend Personal.“

Debatten um Bezahlung am Klinikum geht weiter

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen im kommunalen Klinikum „Ernst von Bergmann“ fordern angesichts der besonderen Belastungen für das dortige Personal in Zeiten der Coronakrise eine sofortige Umsetzung ihrer Forderungen. Nötig sei die sofortige Rückkehr zum Tarif des öffentlichen Dienstes (TVöD) für alle Beschäftigen des Hauses – und zwar für alle, „die am Bett die Pflege leisten, die in den Laboren die Tests auswerten, die Patienten mit Essen versorgen, die Fahrdienste abhalten, die für Sauberkeit auf den Stationen sorgen“, hieß es in einer Mitteilung der Initiatoren vom Montag. Das Bürgerbegehren, unterschrieben von mehr als 15.000 Potsdamern, wird gerade von der Kommunalaufsicht auf seine Rechtmäßigkeit geprüft – wann das abgeschlossen sein wird, ist unklar. Das zuständige Innenministerium teilte dazu am Montag mit: „Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich die Bearbeitung aufgrund der Pandemielage verzögern könnte.“ Die Stadt hatte vor der Coronakrise eine sofortige komplette Rückkehr zum TVöD aus finanziellen Gründen abgelehnt und stattdessen eine stufenweise Lohnsteigerung angekündigt.

Kitanotbetreuung erweitert: 150 neue Anträge

Unterdessen ist seit Montag auch die Kita-Notbetreuung erweitert worden. Wie berichtet hatte das Land am Wochenende entsprechende Änderungen beschlossen, nachdem in bestimmten Berufsgruppen, unter anderem im medizinischen Bereich, eine Notbetreuung für ihre Kinder auch dann in Anspruch nehmen können, wenn nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet. In Potsdam sind nach Rathausangaben bis Montag 150 neue Anträge auf Notbetreuung eingegangen, 100 davon könnten positiv beschieden werden, hieß es auf PNN-Anfrage.

Hunderte Filmschaffende verlieren ihre Arbeit

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise machen auch vor der Filmbranche nicht halt. Wie am Montag bekannt wurde, hat Studio Babelsberg rund 800 freien Mitarbeitern gekündigt. Sie hatten für die beiden Hollywood-Großprojekte "Matrix 4" und "Uncharted" arbeiten sollen. Die Dreharbeiten sind wegen der Coronakrise auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Filmschaffenden wollen nun zumindest ein Ausfallhonorar vom Studio erstreiten.

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