• Die Lage am Donnerstag: Zahl der Infizierten in Potsdam erneut fast verdoppelt

Die Lage am Donnerstag : Zahl der Infizierten in Potsdam erneut fast verdoppelt

Das Coronavirus breitet sich in Potsdam weiter aus: 30 Erkrankte zählt das Rathaus am Donnerstag, am Freitag soll ein zweites Screening-Zentrum am Stern öffnen, dafür schließen Volkspark und ein Teil der Freundschaftsinsel.

Sozialbeigeordnete Brigitte Meier und Oberbürgermeister Mike Schubert informieren zur Corona-Situation in der Stadt.
Sozialbeigeordnete Brigitte Meier und Oberbürgermeister Mike Schubert informieren zur Corona-Situation in der Stadt.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Zahl der Infizierten in Potsdam hat sich erneut nahezu verdoppelt. Stand Donnerstagnachmittag waren 30 Potsdamer an Covid-19 erkrankt, am Mittwoch waren es noch 17. Das teilte der Corona-Krisenstab im Potsdamer Rathaus mit. Ein Infizierter wird im Bergmann-Klinikum in einer isolierten Station behandelt, muss aber nach Angaben des Krankenhauses derzeit nicht beatmet werden. Zudem dürfte die Dunkelziffer bei den Covid-19-Fallzahlen höher liegen. Die Labore im Land befänden sich an ihren Kapazitätsgrenzen bei der Auswertung der Tests, der Rückstau betrage schon vier bis fünf Tage, sagte Potsdams Amtsärztin Kristina Böhm. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sagte, er verbreite keine Panik, aber „wir rechnen damit, dass sich die Zahlen alle drei Tage verdoppeln.“

Ab Freitag gesperrt: Die Wiese auf der Freundschaftsinsel. 
Ab Freitag gesperrt: Die Wiese auf der Freundschaftsinsel. Foto: Andreas Klaer

Angesichts der „dynamischen Entwicklung“ verfügte OB Schubert am Donnerstag weitere Einschränkungen. So wurden die Wiesen der Freundschaftsinsel und der Volkspark im Bornstedter Feld für die Öffentlichkeit gesperrt.

Zweites Screening-Zentrum für Tests ab Freitag am Stern

Damit mehr Coronatests möglich werden, soll am Freitag ein zweites Screening-Zentrum in der Landeshauptstadt eröffnen, teilte Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) mit. In einer früheren Kita des Deutschen Roten Kreuzes in der Pietschkerstraße haben Rathausmitarbeiter die Räume für ein Abstrichzentrum vorbereitet, das ab Freitag, 9 Uhr, bei begründeten Verdachtsfällen genutzt werden kann. Ein weiteres Screening-Center befindet sich auf dem Gelände des St. Josefs-Krankenhauses.

Eigene Corona-Station im Bergmann-Klinikum ab April

Das Bergmann-Klinikum richtet derweil eine eigene Corona-Station ein. Diese solle spätestens Anfang April an den Start gehen können, sagte der Ärztliche Direktor, Thomas Weinke. Geplant sei ein separater Teil innerhalb des Hauptstandorts in der Innenstadt, in dem man sich einzig auf schwerkranke Corona-Patienten fokussiere. Unmissverständlich sagte er: „Die große Welle in Potsdam kommt erst noch!“

Das St. Josefs-Krankenhaus und das Bergmann-Klinikum suchen Verstärkung mit pflegerischen oder medizinischen Vorkenntnissen.
Das St. Josefs-Krankenhaus und das Bergmann-Klinikum suchen Verstärkung mit pflegerischen oder medizinischen Vorkenntnissen.Foto: promo/St. Josefs

Um auch personell die Versorgung in Krisenzeiten dauerhaft stemmen zu können, suchen sowohl Bergmann- als auch Josefs-Klinikum dringend weitere Mitarbeiter. Gesucht würden Helfer mit „medizinischem oder pflegerischem Hintergrund“, teilte etwa die kommunale Klinik auf Instagram mit. Helfer könnten sich per Email an [email protected] oder telefonisch unter Tel: (0331) 241 44315 melden, heißt es. Klinik-Direktor Weinke sagte, solche Helfer würden aber nicht auf der Corona-Station eingesetzt, sondern zur Entlastung anderer Bereiche.

Weniger Coronaparties in Potsdam

Die Polizei in Potsdam hat am Donnerstag immerhin schon weniger Partys von Jugendlichen registriert als noch am Vortag. Das sagte eine Polizeisprecherin. Auch die Zahl der Teilnehmer sank demnach. Doch gab es immer noch Einsätze wegen größerer Treffen von Jugendlichen, so auf der Freundschaftsinsel oder in einer Gartenanlage in Potsdam-West.

Verunsicherung auch bei Potsdams Händlern und Gastronomen wegen der Schließungsverordnung.
Verunsicherung auch bei Potsdams Händlern und Gastronomen wegen der Schließungsverordnung.Foto: Andreas Klaer

Unsicherheit aufgrund der Schließungen in Potsdam herrschten hingegen bei Händler und Gastronomen. So ließen die Regelungen teils Fragen offen, außerdem würden ohne behördliche Anordnung nicht die angekündigten staatlichen Hilfen und individuellen Versicherungen greifen, ist die Kritik. Potsdams Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs räumte ein: „Die aktuelle Verordnung kann in der gebotenen Übersicht nicht alle Detailfragen klären. Es gibt viele Fragen bei allen Gewerbetreibenden, das Telefon unserer Hotline (0331) 289 28 88  steht nicht still.“ Er warb bei Händlern und Gastronomen darum, „nicht nach Gründen zu suchen, warum Sie nicht von der Verordnung betroffen sind“. OB Schubert appellierte dabei auch an Land und Bund: „Geben Sie Menschen einen Anspruch auf Entschädigung, dass diese Häuser schließen können. Wir brauchen klare Botschaften mit Datum, wann etwas an Hilfen kommt“, um denen Sicherheit zu geben, die überlegen, ob sie morgen ihre Läden noch offenhalten, so der Rathauschef.

Zwei geheilte Patienten aus Klinikum entlassen

Immerhin gab es am Donnerstag auch eine kleine gute Nachricht aus dem Bergmann-Klinikum: Man habe zwei Patienten geheilt entlassen können, teilte das Klinikum mit.

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