• Die Haare wieder schön: Großer Andrang auf Potsdams Friseure

Die Haare wieder schön : Großer Andrang auf Potsdams Friseure

Unter strengen Auflagen öffnen die Friseure der Stadt wieder. Der Andrang war bereits am Montag groß und dürfte es bleiben - trotz der ungewohnten Neuerungen.

Auch im „Friseursalon Geyer“ in Babelsberg hieß es gestern wieder „Waschen, Schneiden, Föhnen“. 
Auch im „Friseursalon Geyer“ in Babelsberg hieß es gestern wieder „Waschen, Schneiden, Föhnen“. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Friseure in Potsdam sind sich einig: Das Haareschneiden ist seit der Wiedereröffnung nach der Corona-Zwangspause umständlicher geworden. „Es ist ungewohnt und aufwendiger, gleichzeitig sind wir aber froh, dass wir nach fünf Wochen wieder öffnen durften“, sagt Franziska Nase, Inhaberin des Babelsberger „Friseursalon Geyer“. Was die 35-Jährige damit meint, wird klar, als eine Kundin den Laden betritt: Noch bevor sie auf dem Wartestuhl Platz nehmen darf, muss sie sich am Ende des Raums die Hände waschen. Danach füllt sie einen Zettel aus, auf dem sowohl Name, Adresse, Telefonnummer, als auch der Zeitraum, in dem sie sich im Laden aufgehalten hat, angibt. „Sollte es zu einem Coronafall kommen, dann kann man nachvollziehen, wer sich mit der Betroffenen Person im Laden befand“, sagt Nase.

Hintergrund

Mehr als 4400 Friseure und Kosmetikgeschäfte waren während der Coronakrise in Brandenburg geschlossen.

Seit gestern ist das Haareschneiden unter strengen Auflagen wieder erlaubt. Zu ihnen zählt unter anderem eine Pflicht zum Waschen der Haare, als auch die Handdesinfektion beim Betreten des Ladens.

Ob und wann neben Friseuren auch andere sogenannte körpernahe Dienstleistungen wieder angeboten werden dürfen, ist derzeit noch völlig unklar. Im Moment müssen beispielsweise Nagelstudios, Tätowierer, Kosmetikstudios, Fußpflegedienste oder Massagesalons, die nur Dienstleistungen erbringen, aber keinen Verkauf tätigen, gemäß der Eindämmungsverordnung vom 17. April geschlossen bleiben, sofern sie keinen Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen Mitarbeiter und Kunde einhalten können. Bei den meisten von ihnen ist dies allerdings unmöglich.

Andere Dienstleister, Handwerker und handwerksähnliche Gewerbe durften während der Coronakrise durchgehend unter strikter Beachtung der Hygienestandards des Robert-Koch-Instituts arbeiten.

Bei der Höhe der Strafe, die bei Verstößen droht, verweist die Landesregierung Brandenburg auf das Infektionsschutzgesetz. Demnach können Verstöße mit Geldbußen bis zu 25 000 Euro geahndet werden. 

Doch auch das Haareschneiden an sich hat sich verändert. Nach der fünfwöchigen Pause dürfen die Läden nur unter besonderen Auflagen die Türen wieder öffnen. Sie zwingen die Friseursalons beispielsweise dazu, vor jedem Schnitt die Haare der Kunden zu waschen, so ist zumindest die „Arbeitsfläche“ frei vom Virus. „Wir machen das mit Handschuhen, anschließend können wir normal weiterarbeiten.“ Normal ist in diesem Fall wohl eher ein beschönigender Begriff, denn wie in allen anderen Geschäften, gilt auch in Friseurläden seit gestern eine Mundschutzpflicht – sowohl für Kunden, als auch für die Mitarbeiter. Problematisch sei, dass man so nur schlecht an den Ohren schneiden könne, meint Nase. Deshalb setzt man im „Friseursalon Geyer“ auf eine Idee, die sich die Inhaberin im Internet abgeschaut hat: „Wir haben ein gebasteltes Gestell, mit dem sich die Kunden die Maske selbst vor den Mund halten können“, erklärt Nase. „Die Ohren bleiben so frei.“

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Es gelten strenge Hygienevorschriften

Ansonsten sind einige Stühle im „Friseursalon Geyer“ abgesperrt, damit der Mindestabstand eingehalten wird. Getränke und Zeitschriften gibt es vorerst nicht mehr, Wimpernfärben, Rasieren oder Bartpflege sind nicht erlaubt und auch die normalen Umhänge für die Kunden sind im Moment tabu. Als Ersatz gibt es durchsichtige Einwegumhänge aus Plastik. Die würden zwar funktionieren, doch wie lange der Vorrat reicht, sei laut Nase nicht klar. „Ich habe noch welche bestellt, die sind bis heute nicht angekommen. Da werden wir, glaube ich, noch Probleme bekommen.“ Nach dem Schneiden gelten ebenfalls strenge Hygienevorschriften, damit der nächste Kunde geschützt ist. Werkzeug wie Scheren oder Kämme werden gereinigt, die Stühle desinfiziert.

Auch wenn die Vorschriften streng sind, sei Nase trotzdem mit der Situation zufrieden. „Wir können die Vorschriften alle gut umsetzten und sind froh darüber, wieder zu öffnen, da nehmen wir die Regeln gerne in Kauf.“ Etwas unglücklich sei nur die Kommunikation der Behörden zu den Auflagen und der Eröffnung gewesen. So habe man bereits das Datum der Wiedereröffnung gewusst und konnte darauf basierend die Termine ausmachen. Eine Information zu den Auflagen gab es jedoch erst später. „Das hat natürlich unsere Planung durcheinandergebracht. Wir konnten nicht ahnen, wie streng die Auflagen sind. Das Schneiden dauert jetzt ja länger, alleine weil wir jedem die Haare waschen müssen“, so Nase.

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"Besser als gar nicht zum Friseur gehen"

Die Kunden scheinen die Veränderungen jedoch nicht sonderlich zu stören: „Das ist doch besser als gar nicht zum Friseur gehen. Es gab in meinem Leben schon Schlimmeres als nur eine Maske aufzusetzen“, sagt beispielsweise Christiane Müller, 80. Wie auch viele andere Kunden hat sie bereits weit vor der Wiedereröffnung einen Termin vereinbart. Die Nachfrage sei auch weiterhin ungebremst. „Das Telefon hat den ganzen Tag bisher geklingelt“, so Inhaberin Nase.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Katja Trowe gemacht. Sie leitet den Friseursalon „Haarphilosophie“ in der Innenstadt. „Das Telefon hat eineinhalb Stunden ununterbrochen geklingelt. Ich habe mir extra eine Rezeptionistin besorgt“, so die 52-Jährige. „Wir sind den kompletten Mai ausgebucht.“ Die strengen Regelungen seien für sie „nicht nervig, aber anders“. Man müsse sich erst dran gewöhnen. Auch gehe es beim Friseurbesuch, so Trowe, um Wellness und darum sich verwöhnen zu lassen. „Das geht jetzt natürlich nicht mehr so gut.“ Gleichzeitig könne man aufgrund der Auflagen weniger Kunden betreuen und es sei mehr Zeit sei für das Haareschneiden nötig. Manfred Kalle, Betriebsberater der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam rechnet aus diesem Grund damit, dass weiterhin Umsatzdefizite drohen. Bereits in den vergangenen Wochen sei die Situation für die Friseure „sehr angespannt“ gewesen. Mitarbeiter seien in Kurzarbeit geschickt, andere wiederum sogar entlassen worden. „Ich gehe davon aus, dass es auch Pleiten gab“, so Kalle.

Insgesamt würden die meisten Läden, so der Betriebsberater, verantwortungsvoll mit den Auflagen umgehen. „Bei der Gesundheit ist man da sehr sensibel, oft mehr als bei anderen Handwerksbetrieben.“ Auch sonst seien die Friseure „im Großen und Ganzen zuversichtlich und pragmatisch bei der Umsetzung der Regeln“. 


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