• Die Corona-Lage in Potsdam : Im Blindflug durch die Impfkampagne

Die Corona-Lage in Potsdam : Im Blindflug durch die Impfkampagne

In Kommunen - auch in Potsdam - ist unbekannt, wie viele Bewohner schon einen Corona-Schutz erhalten haben. Unterdessen breiten sich in der Landeshauptstadt mutierte Virusvarianten aus.

Corona-Impfdosen (Symbolbild)
Corona-Impfdosen (Symbolbild)Foto: Klinikum Ernst von Bergmann

Potsdam - Es ist die Konsequenz des wochenlangen Impfstoffmangels gegen das Coronavirus: Erst Ende März, also einen Monat später als geplant, werden alle 24 vollstationären Pflegeeinrichtungen in Potsdam durchgeimpft sein. Zugleich haben PNN-Recherchen ergeben, dass auch zwei Monate nach Start der Corona- Schutzimpfungen keine genauen Daten bekannt sind, wie viele Potsdamer, gerade auch Senioren, bisher überhaupt geimpft sind.

Der Reihe nach: Noch Anfang Februar hatte sich das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit seinen mobilen Impfteams zuversichtlich gezeigt, bis Ende diesen Monats alle 24 Einrichtungen die zwei nötigen Besuche für die Impfungen abstatten zu können. Dann kamen die Lieferschwierigkeiten bei den Vakzin-Herstellern. Daher musste man drei Wochen lang – bis zum 21. Februar – bei einigen Einrichtungen die Termine für die geplante Zweitimpfung in den März verschieben, sagte DRK-Sprecher Fabian Lamster den PNN am Freitag auf Anfrage. Bisher seien in den Heimen schon 2200 Menschen zweimal geimpft worden, noch 400 Zweitimpfungen seien offen. Keine Angaben konnte Lamster allerdings zur Impfquote in den Einrichtungen machen – also wie viel Prozent der Senioren und Mitarbeiter in den Potsdamer Einrichtungen sich tatsächlich auch haben impfen lassen. Das DRK erhalte diese Daten nicht, sagte der Sprecher.

Statistiken? Fehlanzeige

Fehlende Zahlen zu den Impfbemühungen in Kommunen scheinen ein generelles Problem zu sein. So liegen der Stadtverwaltung keinerlei genauen Daten vor, wie viele Potsdamer tatsächlich geimpft sind. Darüber zeigte sich Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bereits am Mittwochabend im Hauptausschuss irritiert. Dabei sei das durchaus wichtig, auch für eine Risikoabschätzung, inwiefern Lockerungen möglich seien – zum Beispiel bei den derzeit strengen Hygiene- und Besuchsvorschriften in den Pflegeeinrichtungen.

Kennen könnte die Daten die Kassenärztliche Vereinigung des Landes (KVBB), die zum Beispiel das Impfzentrum in der Metropolishalle am Filmpark betreibt und auch das Management für die in dieser Woche knapp 3200 vereinbarten Termine verantwortet. Doch detaillierte Zahlen zu Kommunen wie Potsdam habe man nicht, sagte KVBB-Sprecher Christian Wehry auf Anfrage: „Wir impfen im gesamten Land Brandenburg. Deshalb fokussieren wir auf das gesamte Land und nicht auf einzelne Städte.“ Die Impfzahlen würden anonymisiert an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet – was zumindest täglich die Impfzahlen für das Land darstellt. Weiter sagte der KVBB-Sprecher: „Wir haben keine Kapazitäten, weitergehende Auswertungen, die nur dem Interesse und der Statistik dienen, zu erarbeiten.“

"Wir haben keine Kapazitäten"

Vom RKI wiederum teilte eine Sprecherin mit: „Leider können wir noch nicht weiterhelfen, die Angaben zu Kreisen sind derzeit noch nicht verfügbar, wir bekommen immer noch einen nennenswerten Teil der Impfzahlen in aggregierter Form auf Landesebene. Vielleicht kann die Stadt oder das Bundesland weiterhelfen.“ Ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums sagte den PNN, die Impfdaten zu Städten würden perspektivisch wohl vom RKI dargestellt. Kurz: Bis wann Daten zur Verfügung stehen, bleibt unklar.

Entwarnung aus dem Klinikum

Die mutierten Corona-Varianten breiten sich unterdessen stetig in Potsdam aus. Von 60 Infektionen seit dem Freitag vor einer Woche seien neun Fälle von mutierten Viren verursacht worden, teilte die Stadt nach entsprechenden Untersuchungen am frühen Freitagabend mit. Das sei ein Anteil von 15 Prozent. Gerade im Bergmann- Klinikum waren in dieser Woche bei zwölf Patient:innen und drei Mitarbeitenden das mutierte britische Virus B.1.1.7 nachgewiesen worden – vier dieser Patienten kamen schon erkrankt im Klinikum an, die anderen waren wegen anderer Beschwerden dort, ihre Infektionen wurden bei Routinetests entdeckt. Weitere Fälle seien nicht dazu gekommen, teilte Infektiologie-Oberarzt Tillmann Schumacher am Freitag der Presse mit. Man habe die Infektionen im Haus erfreulicherweise zu einem frühen Zeitpunkt entdeckt, machte er deutlich – und so eine weitere Ausbreitung begrenzen können. Aus Gründen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten der Mitarbeiter machte das Klinikum keine Angaben dazu, ob die infizierten Angestellten geimpft waren oder nicht. Von den betroffenen Patienten waren zwei aus der Urologie und sechs aus der Neurologie, sagte Schumacher – ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut. Sequenzierungen hätten ergeben, dass es in der Urologie keinen Zusammenhang zwischen den Fällen des dort infizierten Angestellten und den zwei Patienten gebe, aber diese sich untereinander ansteckten. In der Neurologie sei ein identischer Virustyp, mit einer Verwandtschaft zu der Variante in der Urologie aufgetreten – ob es sich um den gleichen Typ handelt, soll nächste Woche feststehen. Das Wichtigste aus Sicht von Schumacher war ohnehin: Die anderen Patienten in den Stationen seien bei Tests alle negativ geblieben. Generell meldete die Stadt am Freitag neun Infektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz sank leicht auf 29,9. Unter den neuen Fällen sei eine Schülerin aus einer Grundschule im Zentrum-Ost. Zwölf Kinder sind deswegen nun in Quarantäne.

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