• Die Corona-Lage in Potsdam am Sonntag: Bergmann testet auf Corona-Mutationen

Die Corona-Lage in Potsdam am Sonntag : Bergmann testet auf Corona-Mutationen

Ist die hochansteckende Virusmutation B117 längst in Potsdam? Das Klinikum will es herausfinden und schickt am Montag 40 Proben in Labore. Bald will das Bergmann die Sequenzierung selbst übernehmen können.

Medizintechnikerinnen bereiten Proben vor, um sie auf eine hochansteckende Corona-Mutation zu untersuchen.
Medizintechnikerinnen bereiten Proben vor, um sie auf eine hochansteckende Corona-Mutation zu untersuchen.Foto: Daniel Cole/dpa

Potsdam setzt sich bei der Suche nach Coronavirus-Mutationen landesweit an die Spitze: Ab dem heutigen Montag sollen 40 positive Corona-Proben aus dem Potsdamer Klinikum auf alle bislang bekannten Veränderungen des Virus untersucht werden. Diese so genannten Sequenzierungen werden nach Angaben des Klinikums „Ernst von Bergmann“ und der Stadt Potsdam als dessen Gesellschafter zunächst in zwei externen Laboren durchgeführt. In rund einer Woche sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

Ist das mutierte Virus womöglich schon da?

Damit soll klar werden, ob das Coronavirus auch in Potsdam bereits in mutierten Varianten auftritt und sich verbreitet. Dies ist bislang nicht bekannt, da es in Brandenburg nach Angaben der Stadtverwaltung noch kein Referenzlabor für die Virusanalysen gebe. In der näheren Umgebung führe allein die Charité in Berlin Sequenzierungen durch. Dazu kommt: Vorgaben des Landes oder des Robert Koch-Instituts (RKI) für Testungen auf Mutationen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst, also die Gesundheitsämter, gebe es ebenfalls bisher nicht. Somit sind auch keine Analysen auf die Mutationen durchgeführt worden.

Das Klinikum und die Stadt wollen so schnell wie möglich eigene Kapazitäten für Mutationstests aufbauen. Der Grund dafür nach Angaben der Stadtverwaltung: Das Erkennen von Mutationen werde in den kommenden Wochen „von großer Bedeutung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein“.

Große Sorgen wegen der Mutanten-Variante

Vor allem eine Ausbreitung der in Großbritannien nachgewiesenen hochansteckenden Mutation B117 wird befürchtet. Diese führt laut Experten nicht zu schwereren Erkrankungen an Covid-19, das mutierte Virus soll jedoch deutlich leichter übertragbar sein. Damit schnellen die Infektionszahlen in die Höhe wie derzeit in London, wo die Sieben-Tage-Inzidenz auf 100 000 Einwohner zuletzt bei knapp 1000 lag, und überlasten das Gesundheitssystem. Zum Vergleich: Potsdam steht Stand Sonntag bei 230,1.

RKI-Experten und Politiker warnen wegen mehrerer Corona-Mutationen vor einer Verschärfung der Pandemie-Lage in Deutschland. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte am Samstag der „Welt“ gesagt, es würden weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen notwendig sein, „auch aufgrund der Mutation des Virus mit deutlich höheren Ansteckungsquoten“.

Neben der britischen Mutation wird auch aus Südafrika und Japan von neuen Virusvarianten berichtet. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hatte am vergangenen Mittwoch noch erklärt, Corona-Mutationen könnten möglicherweise Anfang Februar im Land nachweisbar sein. Es gebe Gespräche unter anderem mit dem Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus.

Potsdam will Sequenzierungen selber durchführen

So lange will man sich in Potsdam offenkundig nicht gedulden: Wie das Rathaus am Sonntag auf PNN-Anfrage mitteilte, habe Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) in der vergangenen Woche „persönlich in Absprache mit dem Klinikum EvB nach Möglichkeiten gesucht“, Sequenzierungen durchzuführen. Dazu habe er unter anderem Gespräche mit Dagmar Köhler-Repp, Geschäftsführerin des Golmer Unternehmens Ripac Labor GmbH, und der brandenburgischen Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) geführt. Das Ripac-Labor ist nunmehr eines der zwei externen Labor, die Potsdams Corona-Proben analysieren. Schubert dankte Köhler-Repp, 2014 Unternehmerin des Jahres in Brandenburg und führend bei der Infektionsdiagnostik und -prävention in der Veterinärmedizin, für „ihre sofortige Bereitschaft zur Unterstützung“. Das zweite Kooperationslabor ist die IIT Biotech GmbH aus Bielefeld.

Das Potsdamer Klinikum "Ernst von Bergmann".
Das Potsdamer Klinikum "Ernst von Bergmann".Foto: Ottmar Winter

Ziel ist es laut Dr. Evangelos Tsekos, dem medizinischen Geschäftsführer der Diagnostik "Ernst von Bergmann", jedoch weiterhin, „schnellstmöglich eigene Sequenzierungsmöglichkeiten aufzubauen“. Laut Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Klinikums "Ernst von Bergmann", würden verschiedene technische Varianten derzeit geprüft. Er wolle schnellstmöglich eine Potsdamer Lösung für die Virusanalysen finden – über Kooperationen oder eigene Kapazitäten. Dies sei „keine Frage von Profilierung, sondern von schnellen Lösungen für die Gesellschaft“.

Weniger Neuinfektionen als noch vor einer Woche

Unterdessen hat sich die Dynamik bei den Neuinfektionen in Potsdam scheinbar leicht abgeschwächt. Seit vergangenem Dienstag sinkt der Sieben-Tage-Inzidenzwert von 270 auf nun 230. So wurden am Wochenende 79 neue Corona-Fälle registriert, im Vorwochenzeitraum waren es noch 130. Auch die Zahl der Covid-Patienten in den Kliniken ist etwas niedriger: Aktuell sind es 90, davon 18 auf der Intensivstation. Vor einer Woche wurden noch mehr als 100 Patienten gemeldet. Die Zahl der Potsdamer in Quarantäne liegt konstant bei 675.

Träger eines Seniorenheims bestreitet hohe Todeszahlen

Allerdings musste das Rathaus auch zwei weitere Todesfälle melden, insgesamt 144 Potsdamer sind mit oder an Corona gestorben – zuletzt besonders in Pflegeheimen. So hatte die „Märkische Allgemeine“ am Wochenende berichtet, im 112 Pflegeplätze umfassenden „Haus Katharina“ des Trägers Fontiva in der Leiblstraße seien im Zuge eines Corona-Ausbruchs 16 Bewohner verstorben.

Diese Zahl bestritt Fontiva-Sprecherin Anita Kühl am Sonntag auf PNN-Anfrage: „Zwar sind einzelne unserer Bewohner im Verlauf seit Mitte Dezember positiv getestet worden und es hat auch einzelne Todesfälle gegeben.“ Aber das sei leider eine Lage wie in vielen anderen Pflegeheimen. „Ob Covid die Ursache für das Ableben eines Bewohners ist, lässt sich in aller Regel nicht wirklich feststellen.“ Zum Ableben komme es „in solchen Situationen, wenn der Bewohner ohnehin multimorbid erkrankt ist oder bereits in präfinaler Phase war“, so Kühl. Man habe das Infektionsgeschehen schnell eindämmen können, täglich führe man bei Mitarbeiter Schnelltests, durch während für PCR-Tests eigene Hausärzte beauftragt seien. Und weiter sagte Kühl: „Am 25. Januar und 16. Februar wird unser Haus vom mobilen Impfteam besucht.“

Das Seniorenzentrum "Hasenheyer-Stift" in Potsdam.
Das Seniorenzentrum "Hasenheyer-Stift" in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Wie berichtet waren zuletzt nach einem Corona-Ausbruch im Hasenheyer-Stift in der Brandenburger Vorstadt laut Rathaus „fast alle“ der rund 50 Bewohner mit dem Virus infiziert worden. Eine Anfrage, wie viele davon nun im Krankenhaus liegen und wie viele Menschen gestorben sind, ließ der Träger – die Lafim-Diakonie – am Wochenende unbeantwortet.

Patienten im Klinikum

Das Bergmann-Klinikum hat derweil seine Bilanz der Corona-Pandemie am Wochenende weiter fortgeschrieben. Demnach hätten Covid-Patienten durchschnittlich zwölf Tage im Krankenhaus verbracht. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Verweildauer der anderen Patienten liegt bei sechs Tagen. Weiter hieß es, Intensivpatienten mit Covid-19 hätten durchschnittlich sogar 13 Tage beatmet werden müssen. Seit einigen Tagen veröffentlicht das Klinikum solche Statistiken. Demnach lag das Durchschnittsalter der Corona-Patienten bisher bei über 71 Jahren. Die Sterblichkeit bei den Patienten betrug rund 20 Prozent, von den künstlich beatmeten Personen starben sogar 49 Prozent. Letzterer Wert liege unter dem Bundesschnitt von 53 Prozent, so das Klinikum.

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