• Potsdams Läden ab Mittwoch wieder geöffnet

Die Corona-Lage in Potsdam am Montag : Läden ab Mittwoch wieder offen

Potsdam muss die Notbremse lockern. Auch Museen können wieder Besucher empfangen. Die Stadt verzichtet außerdem auf eine Testpflicht in Geschäften. 

Die Stadt Potsdam wirbt unter anderem in der Brandenburger Straße dafür, sich regelmäßig auf Corona testen zu lassen.
Die Stadt Potsdam wirbt unter anderem in der Brandenburger Straße dafür, sich regelmäßig auf Corona testen zu lassen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Trotz erheblicher Bedenken von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) kann in Potsdam ab Mittwoch der Einzelhandel in eingeschränkter Form wieder öffnen. Das hat das Rathaus am Montagabend bekannt gegeben. Zugleich warb Schubert für eine landesweite Corona-Teststrategie wie in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Eine kommunale Testpflicht für Kunden des Handels, die Potsdam schon eingeführt hatte, wird es aber vorerst nicht erneut geben. Einschränkungen für den Handel gibt es dennoch: So müssen Verkaufsstellen vorher Termine mit Kunden vereinbaren, hieß es in der Erklärung.

Die Mutante hat sich durchgesetzt

Hintergrund der Lockerung sind die nach Ostern deutlich gesunkenen Corona-Zahlen in Potsdam, die allerdings seit einigen Tagen wieder steigen. Laut Stadt sind aktuell 97 Prozent der Infektionen auf Virusvarianten zurückzuführen, dominierend sei dabei die als deutlich ansteckender und gefährlicher geltende B.1.1.7-Mutation. Mit dem Ende der sogenannten Notbremse ist ab Mittwoch auch wieder Sport unter freiem Himmel für dokumentierte Gruppen von bis zu 20 Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr möglich. Auch Museen können wieder öffnen, ebenso Gedenkstätten, Planetarien und öffentliche Bibliotheken.

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Oberbürgermeister Schubert zeigte sich nicht überzeugt, dass die Lockerung der richtige Schritt ist: „Es gibt nach Ostern noch eine unklare Datenlage bei den Neuinfektionen, aber eine klare Vorgabe der Eindämmungsverordnung, dass wir bei drei Tagen unter dem Inzidenzwert von 100 wieder öffnen müssen.“ Noch am Sonntag hatte er diese Lockerungsregelung via Twitter als „Unsinn“ bezeichnet. Sollte Potsdam wieder für drei Tage über die Inzidenz von 100 kommen, würden alle Lockerungen wieder zurückgenommen, hieß es von der Stadt.

Keine Testpflicht

Zugleich warb Schubert dafür, dass Potsdams Bevölkerung das weiter ausgebaute Netz an nun mehr als 20 Teststandorten in der Stadt nutzt. Auf eine Testpflicht für den Handel habe man diesmal verzichtet: Denn anders als noch Ende März könnte man nun in zwei Nachbarlandkreisen auch ohne Schnelltest einkaufen – beim ersten Versuch hatten Läden etwa im Landkreis Potsdam-Mittelmark geschlossen. Damals war aber auch die Potsdamer Testpflicht vom Verwaltungsgericht gekippt worden – die Stadt hatte diese dann zurückgenommen. Schubert warb nun für eine landesweite Lösung: „Dass eine Testpflicht sinnvoll sein kann, zeigen die Bemühungen auf Bundesebene und Regelungen in den Nachbarländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.“

Schubert blitzt mit Idee ab

Unterdessen lehnt die Brandenburger Landesregierung einen Vorschlag von Schubert ab, der sich am Sonntag für eine Art Runden Tisch stark gemacht hatte, an dem ein koordinierter Weg für Öffnungsperspektiven erarbeitet werden könnte. Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte den PNN am Montag: „Die Einrichtung einer zusätzlichen Arbeitsgruppe ist nicht vorgesehen.“ Man habe sich bereits im Zuge der Beratungen mit Bund und Ländern über Rahmenbedingungen für Öffnungsschritte befasst und wolle auch wissenschaftlich begleitete Modellprojekte dafür durchführen – sobald es das Infektionsgeschehen wieder zulassen, hieß es aus der Staatskanzlei. Bestimmend dabei sei die bekannte Notbremse ab Inzidenz 100. Für notwendige Eindämmungsmaßnahmen befinde man sich auch in enger Abstimmung mit den Landkreisen, den kreisfreien Städten sowie Kammern und Verbänden. Schubert wollte die Arbeitsgruppe für abgestimmte landesweite Maßnahmen, Modellversuche und mögliche Lockerungen nutzen, beteiligt sein sollten auch Sport-, Kultur-, Wirtschafts- und Bildungsvertretern.

Blindflug beim Impfen

Auch an anderer Stelle werden Wünsche der Stadt wohl nicht zeitnah erfüllt. So hatte Schubert bereits Ende Februar kritisiert, für Kommunen wie Potsdam seien keine genauen Daten bekannt, wie viele Einwohner bisher überhaupt geimpft sind. Seitdem hat sich offenbar wenig verändert – nun ist allerdings das Innenministerium des Landes für die Impfkampagne federführend. Ein Ministeriumssprecher sagte, sobald dazu valide Daten durch das Robert-Koch-Institut zur Verfügung gestellt würden, wolle man diese Daten in geeigneter Form präsentieren. Einen Zeithorizont konnte der Sprecher noch nicht nennen, „die Erhebung der Daten ist ausgesprochen umfangreich und kleinteilig“.

Tests in Schulen vorhanden

Bessere Nachrichten kommen aus dem Schulwesen, wo seit Montag zumindest die Grundschulen wieder im Wechselunterricht geöffnet sind. Ab kommenden Montag gilt zudem eine Testpflicht in den Einrichtungen. Dabei sind laut einer Sprecherin des Bildungsministeriums für die nächsten vier Wochen „genügend Tests in den Schulen – auch in Potsdam – vorhanden“. Weitere Tests seien bis zum Beginn der Sommerferien bestellt, so die Sprecherin. In Kitas und Schulen gelten aktuell in Potsdam sieben Kinder und Jugendliche sowie fünf Mitarbeitende als infiziert. 185 Kinder und Schüler sowie 44 Mitarbeiter aus diesen Bereichen seien in Quarantäne, so das Rathaus – das ist mehr als ein Viertel aller 810 Quarantäne- Fälle in Potsdam. Neu dazu kam ein Fall in der Kita „Potsdam Kids“ im Nuthewinkel.

Inzidenz von 71

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Potsdam ist erneut leicht gestiegen. Fünf am Montag gemeldete Neuinfektionen bedeuteten einen Inzidenzwert von 71 – plus 2,8 im Vergleich zum Vortag. Allerdings hatten über Ostern gerade Labore und Arztpraxen nur eingeschränkt gearbeitet, weswegen man im Rathaus erst Mitte der Woche wieder von validen Zahlen ausgeht.

Lage im Klinikum

Unterdessen beobachtet das Bergmann-Klinikum, dass mit der dritten Corona-Welle die Covid-Intensivpatienten jünger werden und längere Liegezeiten aufweisen. Das hätten erste Auswertungen von Patientendaten ergeben, sagte eine Sprecherin den PNN auf Anfrage. Der Altersschnitt der aktuellen Intensiv-Patienten liege im Mittel bei 63 Jahren. „Dieser Schnitt lag in der zweiten Welle bei knapp 75 Jahren.“ Eine Erklärung sei vermutlich die hohe Durchimpfungsrate bei den hochbetagten Senioren. Die Liegedauer der Intensivpatienten betrage derzeit knapp neun Tage, in der zweiten Welle waren es 7,5 Tage. Derzeit werden 12 Intensiv- und neun Normalpatienten auf der Corona-Station im Klinikum behandelt. Vor zwei Wochen, Ende März, waren die Patientenzahlen ähnlich verteilt, allerdings lag der Anteil der Intensivpatienten noch etwas höher. Für dieses Ungleichgewicht habe man noch keine Erklärung, so die Sprecherin: „Inzwischen gleicht sich unsere Patientenverteilung aber der Verteilung im Bundesschnitt an.“ Zur Sterblichkeit in der dritten Welle gäbe es noch keine repräsentativen Daten, so die die Sprecherin. des Klinikums. Bisher habe man insgesamt 23 Intensivpatienten in der dritten Welle behandelt und teils auch schon wieder entlassen können, sagte sie. Die Bettenauslastung im gesamten Regionalverbund der Krankenhäuser in West- Brandenburg lag am Montag laut der Potsdamer Stadtverwaltung bei rund 66 Prozent – war also stabil. Bei den Intensivbetten in ganz Brandenburg lag die Auslastung jedoch schon bei 78 Prozent.

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