• Ab Donnerstag droht in Potsdam wieder die Corona-Notbremse

Die Corona-Lage in Potsdam am Montag : Kommt am Donnerstag die Notbremse wieder?

Potsdamer müssen sich wieder auf verschärfte Corona-Regeln einstellen. Viele neue Fälle meldet die Stadt vor allem von Kitas und Schulen - wo nun eine Testpflicht gilt.

Vor der Notbremse: Der Potsdamer Einzelhandel muss ab Donnerstag wieder schließen
Vor der Notbremse: Der Potsdamer Einzelhandel muss ab Donnerstag wieder schließenFoto: dpa

Potsdam - In Potsdam könnte ab Donnerstag wieder die Corona-Notbremse mit geschlossenen Geschäften gezogen werden: In der Stadt ist die Sieben-Tage-Inzidenz über die kritische 100er-Schwelle geklettert. Am Montag lag der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche bei 105,9. Zuletzt lag die Inzidenz für die Stadt am Ostersonntag über 100, weswegen in Potsdam bereits Ende März einmal die Regeln verschärft worden waren. Wenn die Inzidenz an drei Tagen nacheinander über 100 liegt, greift die „Notbremse“. Dann tritt auch die für Brandenburg beschlossene nächtliche Ausgangssperre in Kraft, ebenso würden viele Geschäfte und Museen wieder schließen müssen und die Kontaktbeschränkungen erhöht.

Viele Kitas und Schulen betroffen

Insgesamt meldete das Rathaus am Montag 22 Neuinfektionen. „In den Kitas und Schulen treten vermehrt neue Infektionen auf“, sagte ein Stadtsprecher. Insgesamt seien nun 15 Kinder und Jugendliche sowie zehn Mitarbeitende aus Kitas und Schulen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 264 Kinder und Jugendliche sowie 36 Mitarbeitende aus Kitas und Schulen befänden sich in Quarantäne, hieß es weiter. Zwei Kitas, die „Potsdam Kids“ in der Teltower Vorstadt und „Hasenlaube“ in Potsdam-West, waren aufgrund von jeweils mehreren positiven Fällen in den Einrichtungen bis voraussichtlich 23. April geschlossen worden. Neue Fälle seien auch in der Kita „Pfiffikus“ am Stern, der Kita „Kinderland“ am Schlaatz und der Kita „Bergmännchen“ am Bergmann-Klinikum registriert worden. Weitere Fälle gibt es an der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule sowie der Karl-Foerster-Grundschule im Bornstedter Feld, aber auch am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Babelsberg und am privaten Filmgymnasium in Babelsberg.

Die Lage zeigt sich auch bei den Inzidenzen nach Altersklassen für Potsdam. Diese Angaben macht der Physiker Sebastian Mohr vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen aktuell auf einer interaktive Deutschlandkarte im Internet. Grundlage sind die Daten des Robert-Koch-Instituts. Demnach lag die Inzidenz der Altersklasse zwischen null und vier Jahren in Potsdam bei knapp 180, bei den Vier- bis 15-Jährigen bei 133. Die gute Nachricht: In der Altersklasse 80 Jahre und mehr, wo viele schon geimpft sind, liegt die Inzidenz in Potsdam nur bei rund 30.

Testpflicht an Potsdamer Schulen reibungslos angelaufen

Die seit Montag geltende Testpflicht an Potsdamer Schulen ist weitgehend reibungslos angelaufen: Die Selbsttests waren bereits seit den Ferien in den Schulen vorrätig und konnten rechtzeitig an die Schüler:innen der Abschlussklassen verteilt werden, hieß es etwa vom Einstein-Gymnasium: „Es hat alles gut geklappt, es gab keine Probleme“, so Schulleiterin Irene Krogmann-Weber. Ähnlich sah es am Hannah-Arendt-Gymnasium aus: Dort reichen die Tests, Schüler:innen mit Präsenzunterricht zweimal pro Woche zu Hause machen müssen, bis Ende des Monats aus. „Danach brauchen wir Nachschub“, so Schulleiterin Dörte Schubert. Problemlos lief es auch an der Goethe-Grundschule, nur vereinzelt hatten Kinder keinen Test gemacht. In diesem Fall sieht die Verordnung des Bildungsministeriums (MBJS) vor, dass die betroffenen Schüler:innen zu Hause im Distanzunterricht bleiben müssen. Sanktionen für Testverweiger:innen gibt es nicht, aber: „Die Nicht-Teilnahme am Präsenzunterricht wird dokumentiert, die Lehrkräfte versorgen – wie im Testkonzept ausgewiesen – das Kind mit Aufgaben und kontrollieren die Teilnahme am Distanzunterricht“, heißt es auf der Webseite des MBJS. Die Präsenz-Fehlzeiten werden zwar dokumentiert, kommen aber nicht aufs Zeugnis. Anders sieht dies bei Lehrern und Erzieher:innen aus: Sie müssen bei Testverweigerung mit Disziplinarverfahren rechnen. Dies erklärte die für das Dienstrecht zuständige Abteilungsleiterin im Potsdamer Bildungsministerium, Barbara Obst- Hantel, am Montag in einer Sitzung des Gesundheitsausschusses des Landtags als Antwort auf eine Frage aus der AfD-Fraktion. Zugleich sagte Ministerin Britta Ernst (SPD), dass es auch Meldungen aus Schulen gegeben habe, in denen entweder zu wenig oder zu viele Tests vorhanden seien. Deshalb seien Kurierdienste unterwegs, um Ausgleich zu schaffen.

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Debatte in der Politik

Die Abgeordnete der Linken, Andrea Johlige, monierte derweil im Gesundheitsausschuss des Landtags, dass eine Corona-Testpflicht für die Schüler im Präsenzunterricht und alle Beschäftigten gelte, aber nicht für Unternehmen. Das sei ein „Kuschen“ vor der Wirtschaft. Der Zutritt in die Schulen ist aktuell nur noch Personen gestattet, die an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche jeweils ein negatives Testergebnis vorlegen. Die Testungen sollen grundsätzlich zu Hause vorgenommen werden. Sollten Schüler die Testbescheinigung vergessen haben, können die Tests auch an den Schulen durchgeführt werden. Auch das Personal in den Kitas muss sich testen lassen.
Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) verteidigte das Vorgehen. Im Vordergrund stehe der Schutz der Einrichtung, sagte sie im Gesundheitsausschuss des Landtages. Jetzt müsse ein „guter Pragmatismus“ her. „Wenn alle mithelfen, machen wir die Schulen tatsächlich auch durch diese Testungen zu einem deutlich sichereren Ort“.
Der Kita-Elternbeirat des Landes hatte zuvor die Schließung von Schulen ab einem Inzidenzwert von 200 in Landkreisen kritisiert. Dass das flächendeckende Schließen von Schulen und Kitas immer noch eine Maßnahme der Politik sei, sei „ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen“, hieß es. Viel sinnvoller sei eine flächendeckende Strategie mit regelmäßiger Testung. (mit dpa)

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