• Die Corona-Lage in Potsdam am Montag: Das Rathaus plant dauerhaftes Impfzentrum

Die Corona-Lage in Potsdam am Montag : Das Rathaus plant dauerhaftes Impfzentrum

Die gestiegenen Infektionszahlen haben Folgen: Das Bergmann-Klinikum muss Covid-Kapazitäten aufstocken. Bei Corona-Kontrollen werden derweil von Ordnungsamt und Verkehrsbetrieben kaum Verstöße festgestellt.

Für kommende Wellen. Für künftige Auffrischungsimpfungen plant das Rathaus ein dauerhaftes Impfzentrum – um nicht nur auf mobile Angebote angewiesen zu sein, wie hier am vergangenen Wochenende bei einer Vakzin-Aktion im Waschhaus.
Für kommende Wellen. Für künftige Auffrischungsimpfungen plant das Rathaus ein dauerhaftes Impfzentrum – um nicht nur auf mobile...Foto: Chr. Gateau/ dpa

Potsdam - Der Corona-Ausbruch im Bergmann-Klinikum und weitere Probleme in Krankenhäusern: Die Pandemie setzt die medizinische Versorgung in Potsdam unter Dauerdruck. Als eine Gegenmaßnahme plant die Stadtverwaltung nun ein dauerhaftes Impfzentrum, um Vakzine schneller verabreichen zu können. Die PNN geben einen Überblick zur Lage.

Ist eine kommunale Impfoffensive geplant?

Ja. Zunächst sollen dafür in der Woche ab dem 6. Dezember zwei Impfzentren in der Babelsberger Metropolis- und der Schinkelhalle in der Schiffbauergasse eröffnet werden – und zwar „schrittweise“. So müssten unter anderem nötige Umbaumaßnahmen, Personalfragen und die Beschaffung von Vakzinen für bis zu 19 Impfstraßen geklärt werden, erklärte Stadtsprecherin Juliane Güldner den PNN auf Anfrage. Im Zuge der Impfungen im Frühsommer hatte die Verwaltung dafür auch schon ein Online-Terminsystem gestartet. Bis dahin setzt die Stadt weiter auf mobile Impfaktionen, bei denen der Andrang sehr groß ist. In der vergangenen Woche habe die Stadt so 783 Impfungen durchgeführt – darunter 518 Erst-Impfungen. Das sei ein deutlicher Anstieg, sagte die Sprecherin.

Um künftig Vorlaufzeiten zum Aufbau von Impfzentren zu vermeiden – die Metropolishalle hatte bekanntlich bis Ende September bereits als Impfzentrum gedient – plant Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) nun auch eine langfristige Lösung. So kündigte die Sprecherin einen Dringlichkeitsantrag für die Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch an, wonach „dauerhaft eine Impflogistik und Testkapazitäten“ aufgebaut werden sollen. Wo dieses Impf- und Testzentrum entstehen soll, ließ sie offen. Auch zu Kosten wurden noch keine Angaben gemacht. Bisher hat das Rathaus in einer alten Turnhalle auf dem Verwaltungscampus in der Hegelallee bereits ein eigenes Test- und Impfzentrum geschaffen.

Zugleich bestätigte Stadtsprecherin Güldner, dass auch kurzfristig mit einer Planung für eine Kinderimpfstraße begonnen werden könnte, was zum Beispiel auch in Berlin-Tegel angedacht ist. Dort sei das Deutsche Rote Kreuz der Partner – wie auch in Potsdam, so die Sprecherin. Impfungen für Kinder sollen in Deutschland noch vor Weihnachten möglich sein. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat bereits grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren gegeben, die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland will noch dieses Jahr nachzuziehen.

Das Haus E des Klinikums "Ernst von Bergmann"
Das Haus E des Klinikums "Ernst von Bergmann"Foto: Ottmar Winter

Wie ist die Lage im Klinikum?

Angespannt. Das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ muss die Kapazitäten für Corona-Patienten aufstocken. Man bereite dies für Mitte der Woche vor, bestätigte das Unternehmen – demnach soll wie in der zweiten Welle Platz im Bettenhaus E geschaffen werden. „Wir versuchen, parallel so viele andere Patienten wie möglich zu behandeln“, erklärte Konzerngeschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt den PNN. Man bereite sich auch mit den anderen Kliniken in West-Brandenburg „gut wie möglich auf die Bedrohungslage vor“.

Wie berichtet hat das Klinikum aktuell mit einem Corona-Ausbruch auf der Urologie zu kämpfen, für diese besteht ein Aufnahmestopp. Dabei ist die Zahl der betroffenen Mitarbeiter und Patienten nach eigenen Angaben auf 17 gestiegen – am Freitag war noch von elf Fällen die Rede. Solche „nachlaufenden Infektionen“ seien durch die durchschnittliche Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen oder auch länger möglich, sagte eine Sprecherin des Hauses. Ein betroffener Patient sei inzwischen an seiner Grunderkrankung verstorben – „dieser hatte keinerlei Covid-Symptome entwickelt“. 

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Vier andere Patienten, die jetzt auf der Covid-Station liegen, hätten milde Verläufe. Zur Ursache des Ausbruchs konnte das Klinikum noch keine Erklärung geben. Wichtig sei, dass man sofort Gegenmaßnahmen ergriffen habe. Gleichwohl seien solche Vorfälle leider Teil des „neuen Alltags in Krankenhäusern“, hieß es vom Klinikum. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums bestätigte den PNN, dass es in Brandenburg fast täglich Meldungen von kleineren Ausbrüchen in Kliniken gebe – aktuell zum Beispiel im Landkreis Oberhavel und in der Uckermark. Das Potsdamer Klinikum steht allerdings nach einem Corona-Ausbruch mit mehr als 40 Toten im Frühjahr 2020 unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit.

Zugleich hat das Klinikum ein Personalproblem: Die Abwesenheitsquote auf Grund von „Kind-Krank-Tagen“ sei höher als in den vergangenen Jahren, bestätigte die Sprecherin. Das Rathaus hatte bereits vergangene Woche gewarnt, dass die Akut- und Notfallversorgung sehr angespannt sei. Daher hatte man an die Bevölkerung appelliert, sich bei Gesundheitsbeschwerden, die nicht zwingend in der Notaufnahme versorgt werden müssen, zunächst an niedergelassene Ärzte zu wenden. Denn auch das katholische St. Josefs-Krankenhaus steht zunehmend unter Druck. Man habe die drei OP-Säle bereits auf zwei reduzieren müssen, sagte ein Sprecher des Hauses. Auch habe man damit begonnen, nicht dringliche Operationen zu verschieben. „Hierzu gehören beispielsweise gynäkologische oder gefäßchirurgische Eingriffe, aber zum Teil auch OPs von Tumor-Erkrankungen im frühen Stadium.“ Alles in allem sei dieser Zustand nicht zufriedenstellend, betonte der Sprecher.

Wie entwickeln sich die Corona-Werte?

Die Corona-Werte in Potsdam waren in der vergangenen Woche stark gestiegen – von einer Sieben-Tage-Inzidenz von 361 auf jetzt 493. Das ist ein Plus von 36 Prozent – und damit erstmals seit Wochen auch ein stärkerer Anstieg als im Landesschnitt. Hier war am Montag ein Wert von 725 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche erreicht worden – 27 Prozent mehr als in der Vorwoche. Die mit Abstand größte Zahl von Neuinfektionen meldete der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 274 Fällen, was nun eine Inzidenz von 607 bedeutet. Die Inzidenz bei der vom Virus besonders bedrohten Altersgruppe ab 60 plus liegt in Potsdam bei Werten um die 190, in der Mittelmark bei über 300.

Das Ordnungsamt kontrolliert Corona-Regeln in Potsdam
Das Ordnungsamt kontrolliert Corona-Regeln in PotsdamFoto: Andreas Klaer

Wie laufen die 2G- und 3G-Kontrollen ab?

Bisher ohne größere Zwischenfälle. Das Rathaus teilte mit, das Ordnungsamt habe vergangene Woche 133 Gastronomen und Gewerbebetriebe darauf kontrolliert, ob dort zum Beispiel Impfnachweise abgefragt werden. „Ein sehr hoher Anteil hält sich an die Vorgaben. Es wurden nur zwei schriftliche Anzeigen ausgestellt“, so das Rathaus weiter. Der Verkehrsbetrieb (ViP) wiederum teilte mit, man habe bis Sonntag 950 Fahrgäste kontrolliert, ob diese geimpft, genesen oder getestet seien (3G) – nur so ist derzeit die Nutzung von Bussen und Bahnen erlaubt. Die Fahrgäste seien sehr kooperativ gewesen, sagte ein ViP-Sprecher. In keinem Fall habe man Mitfahrende von der Beförderung ausschließen müssen.

Wie ist die Lage in den Schulen?

Die seit Montag in einigen Jahrgangsstufen ausgesetzte Präsenzpflicht in den Schulen wird offenbar nur von wenigen Eltern genutzt. Das teilten Bildungsministerium und Landeselternrat unabhängig voneinander mit. „Nach unserer Einschätzung haben nur einige Eltern von dem Recht Gebrauch gemacht, ihre Kinder zuhause zu lassen“, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld am Montag. Bei den vier Schulämtern seien dazu nicht viele Anfragen eingegangen. „Das zeigt, es ist kein großes Aufregerthema und die Abläufe funktionieren“, meinte Grönefeld. Auch der Vorsitzende des Landeselternrats, René Mertens, sprach von einer klaren Entscheidung der meisten Eltern. Abfragen bei einigen Schulen hätten ergeben, dass jeweils nur eine Handvoll Schüler zuhause geblieben sei. „Die Eltern wollen ihre Kinder in der Schule haben, denn zuhause lernen sie nichts“, sagte Mertens. Das Land Brandenburg habe seit eineinhalb Jahren gezeigt, dass es Distanzunterricht nicht kann. „Daher muss man die Schulen mit täglichen Tests, Luftfiltern und dem ganzen Programm zu sicheren Orten zu machen“, forderte Mertens.

Zugleich konnte das Rathaus leicht sinkende Infektionszahlen in den Schulen vermelden. Insgesamt beträgt die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Kitas und Schulen laut Rathaus aktuell bei 241 – vor einer Woche waren es 309. Mehr als die Hälfte der Kinder waren dabei aus Grundschulen. In Quarantäne befinden sich derzeit 815 Kinder und Jugendliche – vor einer Woche waren es 822.

Wird in Potsdam schon Omikron gesucht?

Ja. Zum Beispiel im Bergmann-Klinikum. Dort wurden in der Vorwoche 113 Virusproben sequenziert – dabei wurde nach Klinikumangaben durchgehend die Delta-Variante festgestellt. Die neue Omikron-Mutante war jüngst in Südafrika entdeckt worden, sie gilt als deutlich ansteckender als Delta. (mit dpa)

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