• Potsdams Geschäfte wieder offen – Corona-Inzidenz steigend

Die Corona-Lage in Potsdam am Mittwoch : Geschäfte wieder offen, Corona-Inzidenz steigt

In Potsdam gibt es erneut mehr Corona-Infektionen, eine Kita ist besonders betroffen. Die Luca-App einsatzbereit und die Stadt eröffnet ein weiteres Testzentrum.

Vor dem Karstadt-Kaufhaus in der Brandenburger Straße standen am Mittwoch Menschen Schlange.
Vor dem Karstadt-Kaufhaus in der Brandenburger Straße standen am Mittwoch Menschen Schlange.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - In Potsdam können Einwohner und Gäste seit Mittwoch wieder in allen Geschäften des Einzelhandels einkaufen – zugleich nähert sich die Sieben-Tage-Inzidenz wieder der bedrohlichen Marke von 100. Am Mittwochmorgen meldete die Stadt 39 Neuinfektionen, was eine Inzidenz von 86,5 bedeutet. Am Dienstag lag der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche noch bei knapp 70.

Würde die 100er-Marke wieder an drei Tagen überschritten, müssten gemäß Landesverordnung die Geschäfte erneut schließen – das gilt angesichts der ansteckenderen Virusvarianten als wahrscheinlich. Insofern nutzten viele Potsdamer die Lockerung, unter anderem vor dem Karstadt-Warenhaus bildete sich morgens eine Schlange. Wie berichtet gelten für den Handel gleichwohl noch Einschränkungen. So müssen Kunden vorher Termine vereinbaren, damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig in den Geschäften aufhalten. Auf eine Testpflicht vor dem Einkaufen, wie Ende März versucht, hatte die Stadt diesmal verzichtet. Neue Fälle meldete die Stadt am Abend aus der Kita „Potsdam Kids“ am Nuthewinkel, laut einem Bericht der „Märkischen Allgemeinen“ gilt dort ab sofort ein Betretungsverbot bis zum 26. April.

Die Luca-App funktioniert nun in Potsdam

Unterdessen ist das städtische Gesundheitsamt nun technisch an das Luca-System angeschlossen. Das bestätigte ein Stadtsprecher auf PNN-Anfrage: „Die App kann selbstverständlich gerne genutzt werden. Seitens der Stadt ist alles vorbereitet, dass das Gesundheitsamt die Daten zur Kontaktverfolgung nutzen kann, sollte dies notwendig sein.“ Die App dürfte aber in den kommenden Tagen kaum eine Rolle spielen. Weder Einzelhändlerverbände noch die großen Einkaufszentren in Potsdam erwarten eine große Nachfrage, teilten sie zuletzt übereinstimmend den PNN mit. Sowohl Kunden als auch Unternehmen zeigen demnach bisher wenig Interesse.

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Die Luca-App soll die Kontaktverfolgung erleichtern und damit die Rückkehr in einen normaleren Alltag ebnen. Der Rapper Smudo machte sie mit Medienauftritten bekannt. Die Regierungen von 13 Bundesländern setzen große Hoffnung in die Software. Dem Online-Magazin Netzpolitik zufolge investierten sie zusammen über 20 Millionen Euro. Davon steuerte Brandenburg demnach 990 000 Euro bei. Dieses Geld wird den Angaben zufolge für die Entwicklung der App, die Anbindung der Gesundheitsämter sowie den SMS-Service zur Validierung der Telefonnummern der Anwender verwendet. Allerdings ist die App in die Kritik geraten, vor allem aufgrund von Datenschutzbedenken. Die europäische Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) hat inzwischen gefordert, keine Steuermittel mehr für die App zur Corona-Kontaktnachverfolgung auszugeben. Club-Sprecher Linus Neumann verwies am Mittwoch auf eine „nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen“ bei dem Luca-System.

Mehr Testzentren in der Stadt

Ausgebaut wird in Potsdam die Zahl der Testzentren. In der Sporthalle auf dem Campus der Stadtverwaltung an der Hegelallee hat Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwochmorgen das 24. Corona-Testzentrum in der Stadt eröffnet. Kurz nach 9 Uhr ließ sich Schubert selbst testen – mit negativem Ergebnis. Die neue Teststelle soll Bediensteten der Stadtverwaltung und Mitarbeiter:innen der kommunalen Unternehmen, aber auch Bürgern die Möglichkeit geben, sich zweimal wöchentlich einem kostenlosen Schnelltest zu unterziehen. Von der nächsten Woche an müssen Arbeitgeber diese Tests bundesweit bereitstellen: Schubert wies darauf hin, die Landeshauptstadt wolle mit gutem Beispiel vorangehen. Nach ein paar Tagen Einarbeitungszeit können in der Sporthalle an der Jägerallee wöchentlich 2000 Tests vorgenommen werden.

Schubert selbst lässt sich regelmäßig testen. Vor ein paar Tagen unterzog er sich am Morgen noch vor Dienstbeginn einem PCR-Test, weil er leichte Hals-Symptome hatte. Das Ergebnis war negativ. Der Rathauschef warb für die Schnelltests: Infektionsketten könnten schneller durchbrochen werden. Seit Anfang März seien 50 Personen, die symptomfrei waren und beim Schnelltest ein positives Ergebnis erhielten, auch im PCR-Test positiv auf das Coronavirus getestet worden, erklärte das Rathaus auf Anfrage. Pro Woche seien zuletzt etwa 18 000 Tests in den Potsdamer Teststellen durchgeführt worden, dazu noch die Selbsttests zu Hause. Wie berichtet sollen in den kommenden Tagen weitere Testzentren in Potsdam entstehen.

6000 Potsdamer auf der Impfwarteliste der Stadt

Einen positiven Zwischenstand konnte das Rathaus auch in Sachen Impfen vermelden. Die von der Stadt ins Leben gerufene Impfwarteliste hat inzwischen bundesweit als vorbildliches Modell Schlagzeilen gemacht, um weggeworfene Impfdosen zu vermeiden. Momentan seien mehr als 6060 Potsdamer auf der Liste registriert. „3800 Personen haben bereits Termine von uns bekommen.“ Die meisten davon seien im Bergmann-Klinikum geimpft worden. Bis zu 500 Personen hätten aber auch die Termine wieder abgesagt, „weil sie bereits anderweitig Impfangebote hatten“. (mit dpa)

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