• Die Corona-Lage in Potsdam am Freitag: Potsdams Corona-Werte steigen erneut auf Rekordniveau

Die Corona-Lage in Potsdam am Freitag : Potsdams Corona-Werte steigen erneut auf Rekordniveau

Potsdams Gesundheitsamt kämpft gegen die anhaltende Virus-Ausbreitung. Allerdings sollen Musikschule und Bibliothek teilweise wieder öffnen. Die Krankenhäuser der Stadt benötigen mehr Hilfe

In Potsdam gilt auch in Babelsberg teilweise eine Maskenpflicht
In Potsdam gilt auch in Babelsberg teilweise eine MaskenpflichtFoto: Ottmar Winter

Potsdam - 60 neue Infektionen innerhalb von 24 Stunden: Trotz aller Corona-Beschränkungen hat die Zahl der neuen Infektionen in Potsdam den zweiten Tag in Folge ein Rekordniveau erreicht. Aktuell liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 153,6 – vor einer Woche waren das noch bei 83,7. „Die Fälle von Infizierten und Kontaktpersonen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet“, erklärte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Freitag. Das Ausbruchsgeschehen sei „diffus“ – was es bekanntlich gerade für das Gesundheitsamt schwierig macht, Infektionsketten zu erkennen und zu durchbrechen. Dennoch sei man dazu noch in der Lage, sagte Brunzlow den PNN auf Anfrage.

Betretungsverbot für eine Jahrgangsstufe

Im Kampf gegen Corona greift die kommunale Behörde nun auch zu drastischeren Maßnahmen – auch gegen die Meinung von Landesämtern. So hat Gesundheitsamtschefin Kristina Böhm erstmals ein Betretungsverbot für Schüler einer gesamten Jahrgangsstufe an einer städtischen Schule ausgesprochen, teilte das Rathaus am Freitagnachmittag mit. Es gehe um die Schilfhof-Gesamtschule am Schlaatz, dort seien in den vergangenen drei Wochen insgesamt neun Infektionen in den achten Klassen nachgewiesen worden, teilte die Stadtverwaltung mit. „Zur Beruhigung des Infektionsgeschehens wurde für die Schüler des achten Jahrgangs ein Betretungsverbot bis einschließlich 11. Dezember ausgesprochen“, so Böhm. Zuvor habe das für Potsdam zuständige Schulamt des Landes eine Empfehlung für Distanzunterricht an der Schule abgelehnt, kritisierte sie. Die Landesbehörde hatte nach PNN-Informationen ihr Vorgehen damit begründet, dass für die Anordnung von Distanzunterricht die gesetzliche Grundlage fehle – das sei nur im Quarantäne-Fall oder ab einem Inzidenzwert von 200 möglich. Zudem seien schon etliche Achtklässler an der Schule ohnehin in Quarantäne, hieß es.

Neue Fälle an Schulen

Insgesamt hatte die Stadtverwaltung diese Woche von 23 Potsdamer Schulen mit Infektionsfällen gesprochen. Neue Fälle meldete das Rathaus am Freitag aus der Grundschule am Jungfernsee, dem Suttner-Gymnasium in Babelsberg, der Internationalen Schule „Alfred Nobel“ in der Waldstadt und erneut auch aus der Grundschule Bornim. Bei den Kitas sind etwa sechs Einrichtungen aktuell betroffen, so Brunzlow: „Bei vielen endet die Quarantänezeit der Betroffenen spätestens am Montag.“ Am Freitag befanden sich 945 Potsdamer in Quarantäne.
Das Gesundheitsamt hat neben den diffusen Neuinfektionen auch mit Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen zu kämpfen. Brunzlow zählte auf, aktuell gebe es vier Einrichtungen mit einzelnen Infektionen. Dazu kommt ein bereits am Donnerstag bekannt gewordener Ausbruch im Seniorenpflegeheim St. Franziskus im Bornstedter Feld. Bisher war das Virus bei 16 von 132 Bewohnern und drei von 75 Mitarbeitern nachgewiesen worden, weitere Testergebnisse werden nächste Woche erwartet. Ferner habe man aktuell einzelne Infektionen in fünf Flüchtlingsheimen registriert, hieß es aus dem Rathaus. Eine weitere Gemeinschaftsunterkunft in der Innenstadt steht nach 18 Infektionen wie berichtet komplett unter Quarantäne. Aktuell würden vom Gesundheitsamt 309 Corona-Erkrankte betreut, sagte Brunzlow – vor 14 Tagen waren das noch 258, am 10. November 188. Die gemeldeten 60 neuen Infektionen waren der höchste Wert, der seit Beginn der Pandemie an einem Freitag aus Potsdam gemeldet wurde.

Ab einer Inzidenz von 200 ist die Musikschule wieder geschlossen

Unklar ist noch, wie es angesichts der steigenden Zahlen mit der geschlossenen kommunalen Musikschule sowie der Stadt- und Landesbibliothek weitergeht. Die "teilweise" Öffnung „unter strengen Hygieneauflagen“ sei in der kommenden Woche geplant, sagte Sprecher Brunzlow. Der Corona-Krisenstab im Rathaus entscheide abschließend am Montag – ab einer Inzidenz von 200 müssten beide Einrichtungen aber schließen, sagte er. Gerade an der Schließung der Musikschule hatte es zuletzt viel Kritik gegeben.

Angespannte Lage in den Krankenhäusern

Als schwierig sehen die Krankenhäuser die Lage. Schon jetzt sind zum Beispiel laut dem Rathaus im Bergmann-Klinikum 29 Covid-Patienten auf der Normal- und 15 auf der Intensivstation. Damit wären noch sieben Betten im Normal- und eines im Intensivbereich frei. Ab Montag wolle man vier weitere Intensivbetten in Betrieb nehmen, sagte eine Sprecherin des Hauses auf PNN-Anfrage. Die Personalsituation vor Ort sei angespannt, sagte sie. Genaue Zahlen zu aktuell infizierten Mitarbeitern nannte das Klinikum aus Datenschutzgründen jedoch nicht. Der generelle Krankenstand sei in einzelnen Bereichen aber etwas erhöht, so die Sprecherin.

Die zwei Krankenhäuser der Landeshauptstadt fordern wegen der Corona-Pandemie auch mehr Hilfen. „Wir sehen die Politik in der Pflicht, die Krankenhäuser verstärkt finanziell zu unterstützen“, sagte der Chef des kommunalen Bergmann-Klinikums, Hans-Ulrich Schmidt, am Freitag auf PNN-Anfrage. Wenn Behandlungen zurückgestellt werden müssten, weil das verfügbare Pflegepersonal Corona-Infizierte versorgt, habe das Folgen für die Zahlungsfähigkeit des Krankenhauses, sagte ein Sprecher des Potsdamer Alexianer St. Josefs, weil dann auch mehr Pflegepersonal benötigt werde und andere Behandlungen zurückgestellt werden müssten. Mediziner und Pflegekräfte stünden unter hoher Belastung, „Erkrankungs-, Quarantäne- sowie psychische Erschöpfungssituationen“ nähmen zu, so der Sprecher.
Die Krankenhäuser in Westbrandenburg, die gemeinsam die Verteilung von Covid-Patienten koordinieren, seien „in einer absoluten Ausnahmesituation“, so das St. Josefs. Auch das Krankenhaus will nächste Woche die Zahl seiner Corona-Betten bei Bedarf erhöhen - um bis zu drei Plätze für Covid-Normalpatienten.

Standorte für Impfzentren

Am Freitag gab das Landesgesundheitsministerium derweil die Standorte für die ersten elf Corona-Impfzentren in Brandenburg bekannt. Nach Zentren in Potsdam und Cottbus, die bis Mitte Dezember errichtet sein sollen, seien zwischen Januar und März 2021 zunächst acht weitere geplant. In Potsdam soll die Metropolishalle in Babelsberg ein Impfzentrum sein. Die Impfungen können laut Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft möglicherweise schon Anfang 2021 starten. „Wir hoffen, dass wir Anfang Januar in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen beginnen“, sagte Ranft der „Märkischen Oderzeitung“. Wenn genügend Impfstoff da sei, solle auch in den regionalen Impfzentren begonnen werden. Vorrangig geimpft werden sollten außerdem Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr. „Darüber hinaus geht es um vulnerable Gruppen – bestimmte Altersklassen und Menschen mit Vorerkrankungen.“ Angepeilt wird eine Impfung von 70 Prozent der Bevölkerung – das wären für Brandenburg 1,75 Millionen Menschen. „Meine Hoffnung ist, dass wir spätestens im Herbst/Winter 2021 eine Herdenimmunität erreicht haben und nicht länger auf Eindämmungsmaßnahmen zurückgreifen müssen“, so Ranft.

Das St. Josefs Krankenhaus
Das St. Josefs KrankenhausFoto: Ottmar Winter

Trotz schärferer Beschränkungen ist die Zahl der neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus in Brandenburg weiter hoch. Von Donnerstag bis Freitag seien 796 neue Infektionen gemeldet worden, wegen einer Datenkorrektur habe der Landkreis Märkisch-Oderland aber 166 Fälle aus den vergangenen Wochen nachgemeldet, so dass es

dort am Freitag nur 25 neue Fälle statt 191 seien, teilte das
Gesundheitsministerium am Freitag mit. Damit liegt die Zahl neuer Infektionen landesweit bei 630 innerhalb von 24 Stunden. 533 Corona-Patienten sind in Krankenhäusern. 23 Todesfälle im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit kamen hinzu. Derweil befinden sich Kliniken im Süden Brandeburgs an der Belastungsgrenze. Im größten Krankenhaus der Region, dem Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum, müssen wegen der problematischen Personalsituation mit 50 infizierten Mitarbeitern planbare Operationen oder Eingriffe bis auf Weiteres ausgesetzt werden. Für die Versorgung der pflegeintensiven Covid-Patienten wird aufgrund von Schutzmaßnahmen dreimal so viel Personal wie für die normale Patientenversorgung benötigt. Im nahen Landkreis Oberspreewald-Lausitz gelten ab nächsten Montag schärfere Maßnahmen, um die steigenden Infektionszahlen einzudämmen. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 381,3.


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