• Bei einer Inzidenz über 300 schließen die Kitas - und erste Impfungen im Bergmann-Klinikum

Die Corona-Lage in Potsdam am Dienstag : Bei einer Inzidenz über 300 schließen die Kitas in Potsdam

Die Potsdamer Stadtverwaltung meldet neue Höchstwerte bei Infektionen. Für den anstehenden Distanzunterricht gehen erste Spendenlaptops ein. Und: Es werden Helfer für Impfzentren gesucht.

Impfstelle für Mitarbeiter. Das Bergmann-Krankenhaus stellte das klinikeigene Impfzentrum vor.
Impfstelle für Mitarbeiter. Das Bergmann-Krankenhaus stellte das klinikeigene Impfzentrum vor.Foto: EvB

Ab einer Inzidenz von 300 Corona-Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche wird die Stadt Potsdam die mehr als 100 Krippen und Kindertagesstätten im Stadtgebiet ab 4. Januar für zunächst eine Woche bis einschließlich zum 8. Januar schließen. Diese Entscheidung von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) teilte ein Stadtsprecher am Dienstagabend auf PNN-Anfrage mit. Es gehe darum, weitere Maßnahmen gegen die steigenden Zahlen zu ergreifen, hieß es zur Begründung. Eine Notbetreuung werde analog zum Grundschulbereich organisiert.

Neuer Höchststand

Am Dienstagmorgen hatte die Stadtverwaltung den nächsten Corona-Höchstwert melden müssen: So kamen innerhalb von 24 Stunden gleich 130 Ansteckungen hinzu. Ein Grund für die hohe Zahl ist nach PNN-Informationen, dass auch Nachmeldungen vom Wochenende in die Statistik eingingen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg damit auf den Rekordwert von 268,4, am Vortag waren es 241,8, eine Woche zuvor 171,9.

Zugleich befänden sich mehr als 1250 Kinder und Jugendliche in Quarantäne, die zuvor Kitas oder Schulen in Potsdam besucht hätten, sagte ein Stadtsprecher. Es handele sich dabei auch um Jungen und Mädchen aus Potsdam-Mittelmark. Allein aus Kitas seien mehr als 500 Kinder betroffen, aus Grundschulen mehr als 320, dazu kommen dutzende Lehrer und Erzieher. Vor diesem Hintergrund wolle die Stadt weitgehendere Regelungen als das Land veranlassen, hieß es. Brandenburg will zwar Schulen und Horte ab dem 4. Januar schließen und auf verpflichtenden Heimunterricht umstellen, anders als viele andere Bundesländer die Kitas aber offen halten – hier gibt es bisher nur Appelle an Eltern, ihre Kinder möglichst selbst zu betreuen. Mittels einer Allgemeinverfügung und nach Rücksprache mit dem Land Brandenburg könnte Potsdam hier allerdings weiter gehen. Vorsorglich hat die Stadtverwaltung bereits Ende vergangener Woche auf ihrer Internetseite Antragsformulare für eine Notbetreuung in Kitas und Horten veröffentlicht – wenn Eltern systemrelevanten Berufen wie zum Beispiel im Gesundheitssystem nachgehen.

Probleme mit dem Distanzunterricht

Noch ungelöst ist allerdings die Frage, ob alle Kinder für den verpflichtenden Digitalunterricht auch Rechner besitzen. Denn ein Laptop-Spendenaufruf der Stadtpolitik zeigt zwar Wirkung, allerdings nur begrenzt. Es seien bereits zwölf Rechner im Büro „Kindermut“ eingegangen, sagte Potsdams Awo-Chefin Angela Schweers den PNN am Dienstag auf Anfrage. Erste Laptops habe man schon bei Familien abgeben können. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr können Geräte in das Awo-Büro am Hauptbahnhof gebracht werden: am 29. und am 30. Dezember jeweils von 13 bis 15 Uhr. Hintergrund ist wie berichtet ein von der Stadt verhängtes Verleihverbot für bereits vorhandene Schulrechner – wegen Sicherheitsbedenken. Allerdings prüft das Rathaus gerade, ob und wie Laptops doch noch ausgegeben werden könnten, nachdem die Landesdatenschutzbeauftragte Dagmar Hartge ihr grundsätzliches Einverständnis für so eine Verleihaktion gegeben hat – wenn auch unter Auflagen. So muss nach PNN-Informationen sichergestellt werden, dass hunderte Rechner bis 4. Januar ohne personalisierte Informationen früherer Nutzer ausgegeben werden. Zudem sind 2300 von der Stadt bestellte iPads bisher wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers noch nicht eingetroffen.

Steigenden Zahlen in den Kliniken

Die Zahl der Corona-Patienten in den Potsdamer Kliniken hat sich unterdessen bis Dienstagmorgen auf 95 erhöht – das waren acht mehr als am Vortag, vor einer Woche waren es noch 71. Das teilte die Stadt mit. Im Bergmann-Klinikum und im Alexianer-Krankenhaus St. Josefs müssen demnach insgesamt auch 17 Personen intensivmedizinisch betreut werden. Um die Kapazitäten durch Böllerverletzungen zu Silvester nicht weiter zu strapazieren, will das Rathaus wohl am heutigen Mittwoch ein Verbot zum Abbrennen von Feuerwerken und Böllern für die gesamte Stadt erlassen. Zudem bitten die Kliniken weiterhin um Hilfe bei der Bewältigung der Krise.

Flüchtlingsinitiative fordert bessere Unterbringung

Zugleich berichtete die Flüchtlingsinitiative „Seebrücke“ über den Tod einer 74 Jahre alten Migrantin im Bergmann-Klinikum, die sich zuvor in einer Flüchtlingsunterkunft in Nauen angesteckt habe. Um solche Fälle zu vermeiden, müssten kleinere Wohneinheiten gebildet werden, notfalls könnten Kommunen auch leere Hotels oder Pensionen nutzen. In Potsdam war nach Rathausangaben in den vergangenen Tagen eine weitere Neuinfektion in einem Flüchtlingsheim aufgetreten, eine Einrichtung war zwischendurch auch in Totalquarantäne.

Die Hoffnung liegt nun auf dem Impfstoff gegen Corona. Das Bergmann-Klinikum veröffentlichte bereits Bilder seiner Impfstelle, die ab 29. Dezember zunächst für Mitarbeiter geöffnet wird. Und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sucht bereits Hilfspersonal für die allgemeinen Impfzentren, unter anderem auch in der Potsdamer Metropolishalle. Der ASB soll bei der Registrierung der Impfungen helfen. ASB-Landesgeschäftsführer Dietmar Lippold erklärte: „In schwierigen Zeiten kann dies, zumindest vorübergehend, eine berufliche Perspektive mit attraktiver Vergütung bieten.“

Ab 29. Dezember wird in Potsdam geimpft

Der Zeitplan für die Impfungen gegen das Coronavirus in Potsdam wird konkreter. Wie das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ mitteilte, soll am 29. Dezember die Impfung der Mitarbeiter des größten Krankenhauses in Westbrandenburg starten. Man gehe davon aus, dass dann die ersten 500 Dosen des Impfstoffs vorliegen, der vom deutschen Unternehmen Biontech und dem US-amerikanischen Pharmakonzern Pfizer entwickelt worden ist.
Im Klinikum sollen auch Mitarbeitende des öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie des Rettungsdienstes geimpft werden. Zunächst sollen die Mitarbeitenden in den Hochrisikobereichen, wie der Covid-Stationen, der Zentralen Notaufnahme und weiteren hochsensiblen Bereichen geimpft werden. Dann folgen die patientennahen Bereiche, anschließend alle weiteren, hieß es. „Nach den uns vorliegenden Informationen werden wir ausreichend Impfdosen bekommen, um allen Mitarbeitenden eine Impfung gegen Covid-19 anzubieten und zu ermöglichen“, so Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Klinikums.

Erst Bergmann-Klinikum, dann St. Josefs

Etwas später sind die Mitarbeiter des St. Josefs-Krankenhauses dran, da nach der Impfstrategie des Landes zuerst die sogenannten Schwerpunkt-Krankenhäuser versorgt werden. „Wir gehen vom Start der Impfungen bei uns im Haus etwa Mitte Januar aus“, sagte Sprecher Benjamin Stengl den PNN. „Eine genaue Zeitschiene kann aber noch nicht seriös benannt werden.“ Auch dort soll zunächst nur das Personal geimpft werden. „Ob und wie Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden unterliegt den weiteren Prioritätenvorgaben des Gesetzgebers.“

Start in der Metropolishalle ab 5. Januar

Knapp 20 000 Menschen in Brandenburg könnten schon bald gegen das Coronavirus geimpft werden. Das Land erhält nämlich eine größere Menge an Impfdosen, als zunächst gedacht, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte. „Brandenburg wird nach jetzigem Stand bis Ende des Jahres insgesamt rund 39 000 Impfdosen angeliefert bekommen“, so Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Am 27. Dezember soll wie geplant mit den ersten Impfungen begonnen werden. Los geht es in einem Pflegeheim im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, anschließend sind Heime im Havelland und Cottbus an der Reihe. Dann sollen Krankenhäuser vor allem im stark von dem Coronavirus betroffenen Süden des Landes folgen. Im Januar gehen dann die beiden Impfzentren in Babelsberg und Cottbus an den Start. Mit dem Start des Impfzentrums in der Potsdamer Metropolishalle am 5. Januar sollen dann auch die mobilen Impfteams in die Pflegeeinrichtungen in Potsdam ausrücken, wie Ministeriumssprecher Gabriel Hesse den PNN sagte. In welchen Einrichtungen in Potsdam zuerst geimpft werde, stehe noch nicht fest.

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