Potsdam : Deutschland in Farbe

Wissenschaftler, Erfinder, Tausendsassa: Potsdam-Museum will Foto-Pionier Adolf Miethe ehren

Gekauft. Im Internet stießen Museumsmitarbeiter auf das Objektiv (großes Bild) nach dem Patent von Adolf Miethe (l.). Museumschefin Jutta Goetzmann und Markus Wicke vom Förderverein mit dem Sammelalbum (M.), rechts eine Detailaufnahme. Fotos/Repro: Andreas KlaerAlle Bilder anzeigen
12.04.2012 21:40Gekauft. Im Internet stießen Museumsmitarbeiter auf das Objektiv (großes Bild) nach dem Patent von Adolf Miethe (l.)....

Nach seinem Patent wurden die ersten Farbfotos Deutschlands gemacht, er entwickelte eines der ersten Teleobjektive, mit seiner fotografischen Sternwarte gelang ihm 1911 die erste Farbaufnahme des Mondes, er reiste mit Graf Zeppelin nach Spitzbergen, schrieb insgesamt fast 200 Aufsätze und Bücher – der Potsdamer Adolf Miethe war seinerzeit weltbekannt. Heute ist der Name des Foto-Pioniers nur noch Insidern ein Begriff. Mit der neuen Dauerausstellung im Potsdam-Museum soll sich das ändern: Dort wird Miethe als einer der bedeutendsten Wissenschaftler und Erfinder aus Potsdam vorgestellt, wie Museumsleiterin Jutta Goetzmann am Donnerstag vor Journalisten sagte. Miethe soll unter anderem neben Alexander von Humboldt, Hermann von Helmholtz oder dem Ohropax-Erfinder Max Negwer im Ausstellungsmodul „Die innovative Stadt“ vertreten sein.

Zwei Neuankäufe für die Schau konnte die Museumsleiterin gestern gemeinsam mit Markus Wicke, dem Vorsitzenden des Fördervereins des Potsdam-Museums, zeigen: Mit Geldern des Fördervereins wurden ein historisches Teleobjektiv nach Miethes Patent und ein Schokoladen-Sammelalbum mit Potsdam-Aufnahmen nach der von Miethe entwickelten Dreifarbenfotografie gekauft – beide Objekte entdeckten Museumsmitarbeiter bei der gezielten Suche auf der Internetplattform Ebay, wie Jutta Goetzmann berichtete. Zum Preis für die Ankäufe wollten Wicke und Goetzmann nichts sagen.

Wenige Tage vor Miethes Geburtstag, der sich am 27. April zum 150. Mal jährt, freut sich die Museumschefin umso mehr über die Neuerwerbungen: Denn gerade die Technik- und die Fotosammlung des Museums weise noch erhebliche Lücken auf. Für die Dauerausstellung sei man daher auch auf Leihgaben aus anderen Museen angewiesen, sagte Goetzmann. Ein Exemplar der von Miethe entwickelten Dreifarben-Kamera etwa gibt es im Deutschen Museum in München.

Seine Vorliebe für Fotografie und Astronomie entwickelte Adolf Miethe schon als Schüler, wie der Potsdamer Historiker Klaus Arlt von der Studiengemeinschaft Sanssouci berichtet. Arlt schrieb einen Kommentar zu den demnächst erstmals erscheinenden Lebenserinnerungen Miethes – auf das Typoskript war der Miethe-Kenner Helmut Seibt in einem Verlagsarchiv gestoßen.

Geboren wurde Adolf Miethe 1862 Am Schloß 1, in der heutigen Humboldtstraße. Dort, vis-à-vis des Stadtschlosses, hatten seine Eltern eine Schokoladenfabrik, die nach der Pleite später dem Neubau des Palasthotels weichen musste. Schon als Jugendlicher habe Adolf Miethe das Baugeschehen auf dem Telegrafenberg interessiert verfolgt, sagt Arlt, der den Foto-Pionier als vielseitig interessierten und politisch liberal eingestellten Tausendsassa beschreibt: „Er war kein typischer Potsdamer.“

Nach dem Studium der Physik, Astronomie und Mathematik begann Miethe 1887 mit der Arbeit am Astrophysikalischen Institut Potsdam, wo er unter anderem eine Magnesiumblitzlampe erfand. Sein Erfindungsreichtum machte ihn zum gefragten Mann in der Wirtschaft: 1889 wurde Miethe Mitarbeiter in der seinerzeit renommierten Mikroskopfirma von Edmund Hartnack in der Dortustraße, später arbeitete er bei Optikfirmen in Rathenow und Braunschweig. 1899 wurde Miethe zum Professor an die Technische Hochschule Charlottenburg, dem Vorgänger der heutigen Technischen Universität Berlin, berufen. Professor blieb er bis zu seinem Tod am 5. Mai 1927. Mit seiner Farbfotografie-Kamera war er zudem als Fotograf bei Expeditionen unter anderem nach Ägypten und Norwegen dabei, hielt Diavorträge und schrieb Bücher über die Reisen.

Das jetzt für das Potsdam-Museum gekaufte 40-Millimeter-Objektiv – eine Gravur verweist auf Miethes Patent – stammt von einem Sammler aus den USA, erzählte Markus Wicke. Wann und wo genau es gefertigt wurde, sei aber noch unklar: „Da gibt es Forschungsbedarf.“ Das Stollwerck-Buch mit den Sammelbildern von 1904/05 enthält insgesamt 216 Fotografien „Aus Deutschlands Gauen“ – erstmals in Farbe fotografiert und nicht, wie vorher üblich, nachkoloriert. Miethe erläuterte im Vorwort die damals brandneue Dreifarbenfotografie. Seiner Heimatstadt Potsdam ist in dem Buch gleich eine Doppelseite mit zwölf Aufnahmen gewidmet – München und Dresden müssen sich dagegen eine Seite teilen.

Die Studiengemeinschaft Sanssouci lädt am 18. April zum Vortrag über Adolf Miethe ins Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Kutschstall am Neuen Markt ein. Referent ist Helmut Seibt, Herausgeber der Miethe-Memoiren. Beginn 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.