• Der Weg aus dem Lockdown: Restaurantbesuch nur für Potsdamer mit negativem Test

Der Weg aus dem Lockdown : Restaurantbesuch nur für Potsdamer mit negativem Test

Wirtschaft und Stadtspitze wollen Lockerungen für Potsdam – mit Hygieneplan, Tests und Terminen.

Noch sind viele Geschäfte in der Potsdamer Innenstadt geschlossen.
Noch sind viele Geschäfte in der Potsdamer Innenstadt geschlossen.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Einfach nur Lockdown ist zu wenig: In einem gemeinsamen Brief haben sich Potsdamer Wirtschaftsvertreter und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) für schrittweise Lockerungen mithilfe von Schnelltests stark gemacht, insbesondere in Kommunen mit niedrigen Inzidenz-Werten. „Es geht dabei um Schritte, die an – auch in der Öffentlichkeit nachvollziehbare – Kriterien gebunden sind“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Dieser berät am Mittwoch beim Bund-Länder-Gipfel zum weiteren Vorgehen in der Coronakrise

Die Erwartungen aus Potsdam an dieses Treffen sind groß. Es sei „im ureigenen Interesse“ aller Beteiligten, „behutsame und möglichst sichere Öffnungsschritte“ zu vollziehen, heißt es in der Erklärung. So sei es möglich, lokale Maßnahmen zu forcieren, um „schrittweise in ein normaleres Leben zurückzukehren, das alle Menschen dringend nötig haben“. 

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bei der Eröffnung des Potsdamer Impfzentrums Anfang Januar.
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bei der Eröffnung des Potsdamer Impfzentrums Anfang Januar.Foto: Andreas Klaer

Wirtschaftliches Leben schrittweise hochfahren

Unterschrieben haben neben Oberbürgermeister Schubert auch die Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Mario Tobias, der Handwerkskammer Potsdam, Ralph Bührig, sowie des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Brandenburg, Olaf Lücke, und der Vize-Chef des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günther Päts. 

Mit dem in Potsdam erreichten Inzidenz-Niveau sei „ein schrittweises Wiederhochfahren des wirtschaftlichen Lebens sowohl erforderlich als auch verantwortlich“, meinen die Unterzeichner. Man halte eine schrittweise Öffnung im stationären Einzelhandel für möglich – beginnend mit dem Verkauf in Einzelberatung nach vorheriger Terminabsprache.


In einer nächsten Stufe könne die Kundenfrequenz sukzessive analog der zur Verfügung stehenden Ladenfläche gesteigert werden. „Die allgemeinen Testmöglichkeiten können diesen Schritt zusätzlich absichern. Der genaue Einsatz der Tests sollte in einer Pilotphase geprüft werden.“ 

Potsdam bezahlt mangels Hilfen von Bund und Land bereits ein kommunales Schnelltestprogramm aus eigener Tasche. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt seit Mitte Februar bei Werten um 35. Die Unterzeichner beschwören einen Dreiklang aus Hygieneregeln, Terminvereinbarungen und Tests – dieses Modell könne in weiteren Bereichen angewendet werden. 

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„Hierzu zählen beispielsweise die körpernahen Dienstleistungen, aber auch Kultur- und Sporteinrichtungen“, heißt es in dem Schreiben. Mehrere Potsdamer Unternehmen, in denen Sport allein oder zu zweit angeboten wird, hätten bereits signalisiert, dass sie ein System aus Test und Terminvergabe durchführen würden. Auch diese Schritte könnten in einer Pilotphase erprobt werden.  

Empfehlung für Gaststättengewerbe

Im Gaststättengewerbe empfiehlt man zunächst eine Öffnung von Restaurants, Cafés und Mittagstischen, bei denen eine vorherige Reservierung verbindlich möglich ist. Um zusätzliche Sicherheit zu schaffen, soll der Besuch von Restaurants vorerst nur Potsdamer:innen erlaubt werden, „die einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen können“. 

Der Kundenkreis könne dann nach und nach auf weitere Gäste aus Kommunen mit niedriger Inzidenz erweitert werden. „Es haben sich bereits mehrere Potsdamer Gastronomen bereit erklärt, dieses Verfahren freiwillig zu testen, um Erfahrungen zu sammeln.“ Ein solches System sei auch anderswo in Brandenburg denkbar, so die Unterzeichner. Sie schreiben auch: „Eine neuerliche Belastungsprobe des Gesundheitswesens muss ebenso vermieden werden wie eine endlose Kette von Öffnungen und Schließungen.“ 

Indirekte Unterstützung kam am Dienstag auch aus der Landespolitik. So warnte beispielsweise die SPD-Fraktion im Landtag, wegen der zunehmend existenzbedrohenden Situation vieler Unternehmen könnten „pauschale Lockdowns“ kaum mehr die adäquate Antwort sein.

Niedrige Inzidenzwerte in Potsdam

In Potsdam ist – nach Tagen leicht ansteigender Corona-Werte – die Sieben-Tage-Inzidenz wieder unter die von der Politik angestrebte Marke von 35 gefallen. Die Stadtverwaltung meldete am Dienstagmorgen sechs Neuinfektionen, was einer aktuellen Inzidenz von 34,9 entspricht. 

Das kommunale Schnelltestprogramm hat an der Entwicklung bisher keinen Anteil: Bei insgesamt 700 Testwilligen habe es bis Montagabend keinen einzigen Fall gegeben, bestätigte eine Stadtsprecherin. Die meisten Testpersonen gab es demnach im Potsdamer Westen. Die Tests sind für Potsdamer kostenlos, finanziert werden sie von der Stadt. 

327 Potsdamer sind unterdessen aktuell in Quarantäne, das sind sechs weniger als am Montag. In den Kliniken befinden sich derzeit insgesamt 29 Covid-Patienten, zwei weniger als am Vortag. Auf den Intensivstationen liegen dabei 12 Menschen, einer weniger als am Vortag. Die Zahl der verstorbenen Potsdamer liegt unverändert bei 226. 

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