• Der Sommer fällt aus: Auf diese Events muss Potsdam verzichten

Der Sommer fällt aus : Auf diese Events muss Potsdam verzichten

Wegen der Covid-19-Pandemie werden Großveranstaltungen abgesagt. Große Potsdamer Festivals wie die Musikfestspiele können nicht stattfinden.

Veranstaltungen wie die Musikfestspiele, die auch vor dem Neuen Palais viele Zuschauer anziehen, sind in diesem Sommer verboten.
Veranstaltungen wie die Musikfestspiele, die auch vor dem Neuen Palais viele Zuschauer anziehen, sind in diesem Sommer verboten.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Das „Blumenkinderfest im märkischen Sand“ ist abgesagt. Die traditionsreichen Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, die vom 12. bis 28. Juni hätten stattfinden sollen, fallen in diesem Jahr aus, das Programm auf das nächste Jahr verschoben, erklärten die Veranstalter. Sie beugen sich der neuen Richtlinie hinsichtlich der Eindämmung der Coronapandemie, die Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagen. In der Stadt sorgten zuvor Plakate mit dem alten Fritz im Flower-Power-Stil für Aufsehen. Das Spektrum des Programms sollte in diesem Jahr von mittelalterlicher Musik über Barock- und Romantik-Klänge bis hin zu einem Freejazz-Projekt reichen. 

Doch nun die Verschiebung: Der „Traum von ungezwungener Freiheit und Gemeinschaft passt dieser Tage nicht zum gebotenen Sicherheitsabstand“, teilten die Veranstalter mit. Sie hätten sich „schweren Herzens zu einer Verschiebung des Festspielprogramms auf 2021 entschieden.“ Bereits gekaufte Tickets behielten ihre Gültigkeit. Damit ist es für dieses Jahr auch um die Wiedereröffnungspremiere des Schlosstheaters im Neuen Palais geschehen, die Intendantin Dorothee Oberlinger geleitet hätte.

Waschhaus geht von Absagen aus

Auch im Waschhaus geht man von einer Absage geplanter Open-Air-Konzerte aus. Doch Waschhaus-Geschäftsführer Mathias Paselk kritisiert gleichzeitig: „Was genau ist eigentlich mit dem Begriff Großveranstaltung gemeint?“ Die Landesregierung hat „Großveranstaltungen“ bis 31. August untersagt, aber nicht definiert. Paselk geht aber bislang davon aus, dass Events mit mehr als 1000 Gästen wie das Open-Air-Konzert der Hamburger Band Tocotronic im Juli oder das HavelBeats-Festival Mitte August nicht stattfinden können. „Wir werden den Spielbetrieb erst ab September wieder so durchführen können wie er geplant war“, schätzt Paselk. 

Das Problem sei, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen das finanzielle Rückgrat des Waschhauses darstellten. Das Waschhaus werde zwar vom Land Brandenburg und der Stadt Potsdam gefördert, müsse aber einen Eigenanteil von etwa 73 Prozent des Umsatzes selbst einspielen. „Das können wir nur mit großen Veranstaltungen erwirtschaften“, sagt Paselk. Allerdings entstünden ohne Veranstaltungen auch weniger Kosten. „Wir können relativ unbeschadet durch die Krise kommen“, glaubt Paselk. Die zwölf festen Mitarbeiter seien bis auf Weiteres in Kurzarbeit. Am härtesten seien die bis zu 50 freien Mitarbeiter pro Veranstaltung betroffen.

Blütenfest-Premiere fällt aus

Auch Paul Wolf von der jungen Potsdamer Event-Agentur „Citybounce“ hatte sich den Sommer 2020 anders vorgestellt. Das „Potsdamer Blütenfest“ hätte am 25. April zum ersten Mal im Waschhaus stattfinden sollen. Die Veranstaltung sei aus einer spontanen Idee entstanden, der Ticketverkauf aber viel besser gelaufen als erwartet. „Das ist voll durch die Decke gegangen“, sagt Wolf. Das Konzept der Agentur, die Wolf mit einem Kommilitonen neben dem Studium betreibt: Elektronische Tanzmusik mit viel Show, Konfetti und Feuerwerk für eine junge Zielgruppe unter 25. 

Doch nun werden auch die Veranstaltungen „Potsdam Bounce“ im Mai und „Havelbeats“ im August ins Wasser fallen. Die Agentur, die eigentlich in diesem Jahr richtig durchstarten wollte, musste staatliche Corona-Soforthilfe beantragen. Doch Wolf hat bereits neue Ideen und will nun Livestreams organisieren. Er hofft auf freiwillige Spenden der Zuschauer. Wer mithelfen wolle, lokale Veranstalter in der Krise zu unterstützen, sollte gekaufte Tickets jetzt nicht stornieren, sagt Wolf.

Auch die Schlössernacht, die Potsdamer Erlebnisnacht und die Stadt für eine Nacht fallen in den Verbotszeitraum. Die jeweiligen Veranstalter verwiesen am Donnerstag auf das Rathaus, das die endgültige Entscheidung treffe.

Nicht betroffen ist bislang das Stadtwerkefest. Das fand zwar bisher im Sommer statt. In diesem Jahr sei es aber ohnehin für den 2. Oktober geplant gewesen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Dann soll das 25-jährige Jubiläum der Stadtwerke zusammen mit dem Jahrestag der deutschen Einheit gefeiert werden. Und der Termin steht nach wie vor im Kalender der Stadtwerke. 

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