Potsdam : Der König und der hallesche Pfarrer

Neue Ausstellung zur Geschichte des Großen Militärwaisenhauses eröffnet

20 Tafeln für Francke. Das Wirken des Pfarrers für Arme war beispielhaft.
20 Tafeln für Francke. Das Wirken des Pfarrers für Arme war beispielhaft.Foto: A. Klaer

Der Geburtstag von August Hermann Francke, der 1698 den Grundstein für die Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale legte, jährt sich 2013 zum 350. Male, das Thronjubiläum des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. zum 300. Mal. Weniger bekannt dürfte jedoch sein, dass beide Persönlichkeiten engen Kontakt hielten und dass der Preußenkönig sein 1724 gegründetes „Königliches Potsdamsches Waysenhaus“ nach halleschem Muster ausrichtete. Lehrkräfte oder Präzeptoren – wie sie damals hießen – wurden aus Halle geholt und die Reglementarien an den Schulen glichen sich auffallend. Aus diesem Grunde hat Potsdam auch als erste Stadt die Wanderausstellung bekommen, die sich mit dem Wirken Franckes beschäftigt. Gestern wurde sie im Barocktreppenhaus des Großen Militärwaisenhauses eröffnet.

Claus Veltmann, Kustos der Franckeschen Stiftungen zu Halle, und René Schreiter, Historiker am Großen Waisenhaus, erzählten, was diese Verbindung so wichtig und lebendig gemacht hat. 20 Tafeln geben dazu bis 26. April einen Einblick in das Wirken des pietistischen Pfarrers Francke. 1992 erhielten die neu gegründeten Franckeschen Stiftungen ihren alten Besitz zurück und sanierten ihn. 34 Gebäude gehören in Halle zum Stiftungskomplex. Viele werden von der Martin-Luther-Universität genutzt, es gibt drei Kindergärten und einen Schulhort. In einem Museum können die Entwicklung des Waisenhauses und eine barocke Wunderkammer mit präparierten Pflanzen und Tieren und anderem geschichtsträchtigen Lehrmaterial besichtigt werden.

Das Potsdamer Waisenhaus gibt sich da erheblich bescheidener. Es verfügt noch über sechs Gebäude. Wo jetzt die Voltaire-Schule steht, wohnten einst die Waisenmädchen und in der Schopenhauerstraße gab es ein Kinderhaus und eine Turnhalle. Gelernt wird in den Waisenhausräumen nur noch in der Awo-Akademie für angehende Erzieher. Ab 10. April wird es aber auch in Potsdam ein Waisenhausmuseum geben. Es entsteht im Gewölbekeller des ehemaligen Musikerhauses.

Das Militärwaisenhaus wurde im 18. Jahrhundert für Soldatenkinder gegründet. Im März 1725 reiste August Hermann Francke sogar persönlich an, um an der Potsdamer Anstaltsordnung mitzuwirken. Mit 179 Zöglingen begann die Arbeit, während der Schlesischen Kriege, die Friedrich II. führte, bot es über 1500 Kindern Unterschlupf. Da war der Einfluss aus Halle aber schon geschrumpft. dif

Ausstellung im Treppenhaus, Lindenstraße 34a, geöffnet Mo - Fr 8 bis 17 Uhr, Eintritt frei