• Depot der Schlösserstiftung: 28 000 Kunstschätze beziehen neues Gebäude

Depot der Schlösserstiftung : 28 000 Kunstschätze beziehen neues Gebäude

Das neue Kunstgutdepot der Schlösserstiftung ist fertig – ein Hochsicherheitstrakt für historische Schätze. Auf den Umzug bereitete sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zehn Jahre vor.

Potsdam - Fast einen Meter dicke Außenwände, wenige Fenster, rundherum Kameras: Potsdam hat ein neues Hochsicherheitsgebäude. Der große metallene Eingangsbereich, in denen sogar Lastwagen hineinfahren können, wirkt abweisend, der Zutritt ist für die Öffentlichkeit verboten. Und das Sicherheitskonzept? Natürlich weitgehend geheim, wie ein Mitarbeiter des Bauherrn sagt. 

Um ein Gefängnis handelt es sich allerdings nicht. Wenngleich der Bau künftig „20 Zellen mit mehreren 10.000 Insassen“ haben wird, wie Hartmut Dorgerloh, Chef der Schlösserstiftung, am Mittwoch schmunzelnd sagte. Bei dem offenkundig gut gesicherten Haus in der Friedrich-Engels-Straße 78 auf dem Gelände des früheren Reichsbahn-Ausbesserungswerks (RAW) handelt es sich um das neue Zentrale Kunstgutdepot der Schlösserstiftung. 

Kommoden, Schränke, Spiegel

Am Mittwoch wurde das vom Berliner Büro Staab Architekten entworfene Gebäude symbolisch in Betrieb genommen. Gemeinsam mit Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) durchschnitt Dorgerloh das obligatorische rote Band. Die ersten kostbaren Gegenstände sind seit Kurzem schon im neuen, zweigeschossigen Depot eingelagert, unter anderem Kommoden, Schränke, Spiegel und Tische. Bei einem Rundgang anlässlich der Inbetriebnahme war in einigen der 20 Zellen – so bezeichnet man die einzelnen feuertechnisch voneinander abgeschirmten Lagerräume – schon so manches Möbelstück zu sehen, darunter Schränke, die früher einmal im Schloss Babelsberg standen.

„Wir sind noch nicht einmal mit einem Zehntel der Stücke hier im Haus“, sagte Dorgerloh. Die Sammlungsstücke, die hier künftig deponiert werden sollen, seien bislang in diversen Häusern teils „unter ganz unzureichenden Bedingungen“ eingelagert. Bis sich das neue Gebäude komplett gefüllt hat, werden noch einige Monate vergehen. Nicht nur Möbel, sondern auch Porzellan und Gemälde will man in den mit großen Regalsystemen ausgestatteten Lagerräumen künftig deponieren. Bis zu 28.000 Kunstgütern soll das Haus Platz bieten. Voraussichtlich erst Ende November werde die Anlieferung der musealen Stücke abgeschlossen sein, so Dorgerloh. Aber auch später wird es im Depot immer wieder Bewegung geben, etwa wenn Sammlungsstücke für eine Ausstellung herausgeholt werden. Oder das Schloss Babelsberg nach der anstehenden Innensanierung mit Möbeln auszustatten sein wird. 

80 Zentimeter dicke Außenwände

Das neue Depotgebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 5800 Quadratmetern ist ein Stahlbetonskelettbau mit teils mehr als 80 Zentimeter dicken Außenwänden, die aus vier Schichten bestehen: Auf eine gut 50 Zentimeter dicke Betonschicht im Inneren folgt eine Dämmung, danach eine Luftschicht und außen ein heller Klinker. Auf der Südseite mit dem Eingangsbereich ist eine Metallfassade vorgeblendet. Mit dem sägezahnförmigen Dach, einem sogenannten Sheddach, haben die Architekten Anleihe beim benachbarten historischen RAW-Gebäude genommen. Auffällig sind die vielen langgezogenen Entrauchungsklappen an den Längsfassaden des Hauses, die ein wenig wie Fenster mit Jalousien wirken. 

Das neue Gebäude hat nach Angaben der Schlösserstiftung zwölf Millionen Euro gekostet, finanziert aus dem vor zehn Jahren vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg für die Stiftung aufgelegten ersten Sonderinvestitionsprogramm. Mit seinen dicken Wänden wird das Haus hauptsächlich über seine Baumasse temperiert. Dabei werden etwaige Abweichungen von den Klimasollwerten zunächst über eine Temperatursteuerung geregelt – wenn beispielsweise die Luftfeuchtigkeit steigt, kann die Temperatur erhöht werden, denn warme Luft nimmt mehr Wasserdampf auf als kühlere. Sollte diese Steuerung nicht ausreichen, etwa bei extremen Wetterlagen, ist eine Vollklimatisierung möglich. Die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte in den einzelnen Depotzellen können auf die jeweiligen Kunstgüter abgestimmt werden. 

Außer den eigentlichen Lagerräumen gibt es im neuen Haus auch einen Quarantäne- und einen Akklimatisierungsraum, zudem Bürofläche. Tierischen Schädlingen in Kunstgütern will man künftig in einer eigens eingerichteten Stickstoffkammer den Garaus machen.