Potsdam : Denkmals Tag des offenen

Am Sonntag sind zahlreiche geschichtsträchtige Bauwerke in Potsdam und der Mittelmark geöffnet. Ein Überblick zum Mitnehmen – und ein Ausblick: Was aus der einstigen Jutespinnerei in Babelsberg einmal werden soll

Mareike-Vic Schreiber
Keine Spinnerei. Aus der historischen Jutespinnerei werden bald Wohnungen.
Keine Spinnerei. Aus der historischen Jutespinnerei werden bald Wohnungen.

Babelsberg - Die alte Fabrik im Zentrum des rund 14 000 Quadratmeter großen Areals an der Lotte-Pulewka-Straße in Babelsberg erscheint düster und verlassen. Graffitibemalte Wände und zugenagelte Fenster lassen zunächst nicht erahnen, dass in der zweigeschossigen Werkshalle noch bis zur Wende Tausende Meter Baumwolle und Garn hergestellt wurden. Sabine Ambrosius, Denkmalpflegerin bei der Unteren Denkmalschutzbehörde in Potsdam, kennt die Geschichte des Gebäudes.

Es ist die 1863 gegründete Jutespinnerei und Weberei Meißen, die durch den Fabrikanten Arntz als erste Fabrik in Neuendorf errichtet wurde. Sozialgeschichtlich war der Standort vor allem für die Weberkolonie Nowawes von großer Bedeutung. Erstmals holte man die Weber weg von der Heimarbeit und bot ihnen Arbeit in der Fabrik an. Nach einem Brand 1881 übernahm die Deutsche Jutespinnerei und Weberei Meißen das Werk 1883 und baute den Betrieb ein Jahr später aus. Die Fabrikanlage einschließlich der Fabrikantenvilla gilt bis heute als wichtiges Zeugnis für die Entwicklung der Orte Neuendorf und Nowawes von landwirtschaftlich geprägten Dörfen hin zu wichtigen Industriestandorten.

Der Anblick des unscheinbaren Baus verbirgt jedoch ein weiteres Geheimnis: Aus dem Industriedenkmal soll schon bald eine Eigentumswohnanlage mit insgesamt 29 Wohungen auf zwei Etagen werden, so die aktuellen Pläne der Eigentümerin Jutespinnerei Potsdam, Vermögensverwaltungs GmbH & Co KG. „Das ist das Schöne an unserem Beruf: Man muss Fantasie haben“, sagt Geschäftsführer Alexander Gottschald. Die Spinnerei ist für ihn Baustein einer größeren Entwicklungsmaßnahme des Geländes zum „Jutekiez“. Für alle künftigen Planungen werde die Fabrik der Kern, um den sich die neuen Gebäude gruppieren. Bereits Ende des Jahres 2016 sollen hier vor allem junge Paare in die zwischen 56 und 110 Quadratmeter großen Loftwohnungen einziehen können.

Wegen ihres hohen Wiedererkennungswertes soll die Zweiturmfassade – trotz Sanierung und Neubebauung – auch in Zukunft noch erkennbar sein. Deshalb hat sich Architekt Peter Schube gegen Balkone an der Außenfassade entschieden. Stattdessen sollen Bewohner der zweiten Etage von einer Dachterrasse aus auf die Nuthe blicken können. Die Maisonettewohnungen im ersten Stock erhalten einen kleinen Vorgarten. Auch die Innenstruktur der Fabrik bleibe erhalten. „Die Herausforderung an unserem Projekt ist, dass wir individuelles Wohnen mit dem Denkmalschutz vereinen und daher auch viele Kompromisse eingehen müssen“, erklärt Gottschald. Auf eine gute Zusammenarbeit mit der Denkmalpflegerin Ambrosius lege er daher besonderenWert.

Wer selbst einen Blick in die alte Fabrik werfen möchte, hat am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals Gelegenheit dazu. Zwischen 14 und 18 Uhr erhalten Interessenten in der Lotte-Pulewka-Straße 41-43 Einblick in die Geschichte und Zukunft der alten Spinnerei und des angrenzenden Geländes.

Der Tag des offenen Denkmals findet europaweit immer am zweiten Sonntag im September statt. An diesem Tag werden sonst nicht oder nur schwer zugängliche Denkmäler der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit 1994 findet der Tag des offenen Denkmals unter einem jährlich wechselnden Motto auch in Potsdam statt. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema „Farbe“, vorgegeben durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Im vergangenen Jahr kamen rund 13 000 Besucher, um die mehr als 40 geöffneten Denkmale der Stadt zu erkunden. Der Tag des offenen Denkmals soll auch das Interesse der Bürger für die Belange der Denkmalpflege wecken.

Alle geöffneten Denkmäler unter unter www.potsdam.de/content/tag-des-offenen-denkmals-2014 und unter http://tag-des-offenen-denkmals.de