• Demonstration im Park Babelsberg: Vorerst kein Strandbad-Abriss

Demonstration im Park Babelsberg : Vorerst kein Strandbad-Abriss

Vor dem Strandbad Babelsberg fand eine unangemeldete Demonstration gegen die befürchteten Baumaßnahmen der Schlösserstiftung statt. Sie verlief weitgehend friedlich.

Wie angekündigt protestierten am Dienstag Gegner des Abrisses der Strandbadgebäude im Park Babelsberg. 
Wie angekündigt protestierten am Dienstag Gegner des Abrisses der Strandbadgebäude im Park Babelsberg. Foto: Ottmar Winter

Babelsberg - Rund 60 Personen hatten sich am Dienstag um zwölf Uhr im Park Babelsberg versammelt, um gegen das Vorhaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) zu protestieren, das Strandbad um rund 4000 Quadratmeter zu verkleinern. Dazu kam es jedoch nicht: Es wurde kein Bauzaun errichtet und auch Baufahrzeuge waren nicht vor Ort, wie von der Initiative „Stadt für alle“ befürchtet worden war.

Anlass für den Protest war der für den Dienstag angesetzte Abriss-Beginn – zumindest nach dem bisherigen Zeitplan, der durch die Coronakrise jedoch verzögert wurde. Teil des Zeitplans war auch, dass es vor Beginn der Bauarbeiten einen Vor-Ort-Termin mit Stadtverordneten sowie eine Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung geben solle. Beides hat bislang nicht stattgefunden. Die Abriss-Gegner zweifelten daran, dass die Stiftung diese Ereignisse abwarten würde.

Weitgehend friedlicher Protest

„Es war kein Abriss geplant“, sagte SPSG-Sprecher Frank Kallensee. Die Bauarbeiten sollen erst nach dem Vor-Ort-Termin und dem Beschluss der Stadtverordneten starten. Auch einen Bauzaun werde es bis dahin nicht geben, Kallensee betonte jedoch, dass die Stiftung das Recht habe, einen Bauzaun aufzustellen, da ein Teil des Grundstücks ihr gehöre. Vorerst werde alles an Bauvorbereitungen getan, was schon möglich sei, etwa Anlieferungen von Baumaterial, so Kallensee.

Ein Großteil der Protestierenden hatte sich friedlich und weitestgehend unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes am Eingang des Strandbades versammelt und dort Schilder und Transparente an den Zaun gehängt. „Mein Sommer heißt Strandbad“, „Badespaß für alle statt Preußenwahn für wenige“ oder „Millionen pflastern ihren Weg“, war zu lesen.

Die Polizei war mit Einsatzkräften vor Ort. 
Die Polizei war mit Einsatzkräften vor Ort. Foto: Ottmar Winter

Forderung: „Stadt für alle“

Damit nahmen die Demonstrierenden Bezug auf das Vorhaben der SPSG, auf einem Teil des Strandbad-Geländes einen 200 Meter langen historischen Rundweg zu rekonstruieren. Dafür soll das von den Stadtwerken betriebene Strandbad in Richtung Humboldtbrücke umziehen, wo sich der Seesportclub befindet. Geplant ist ein gemeinsamer Neubau für Strandbad und Seesportclub, der 2023 fertig gestellt sein soll. Die Stadt und die SPSG hatten sich dazu wie berichtet 2019 auf einen Flächentausch geeinigt. Für das Vorhaben wollen die Stadtwerke rund vier Millionen Euro aufwenden, die Stiftung beteiligt sich mit weiteren 450 000 Euro, der Bund gibt einen Zuschuss von 1,6 Millionen Euro.

Die Protestierenden kritisieren die Einschränkung von Freiräumen in der Stadt, während gleichzeitig offizielle und wilde Badestellen im Park Babelsberg und im Neuen Garten von der Stiftung in Frage gestellt würden. Es sei nicht geklärt, „wo Potsdamer in einer wachsenden Stadt baden sollen“, heißt es in einer Pressemitteilung von „Stadt für alle“.

Polizei nahm Personalien auf

Da der Protest nicht angemeldet war und zudem die zulässige Zahl von 20 Personen überstieg, war die Polizei mit rund zwei Dutzend Einsatzkräften vor Ort. Die Versammlung löste sich nach etwa einer halben Stunde freiwillig auf, die Polizei nahm von 32 Anwesenden die Personalien auf und notierte mehrere Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz. Parallel dazu hatte es auch am Eingang des Seesportclubs eine spontan angemeldete Kundgebung unter Auflagen gegeben, an der etwa 20 Personen teilgenommen hatten.

Ein Mitglied des Seesportclubs äußerte sich kritisch zu dem Protest: „Wir wollen, dass unser neues Gebäude bald steht“, sagte er zu Anwesenden. Die Wassersportler sollen während der Bauarbeiten in Container umziehen, diese können jedoch bislang nicht aufgestellt werden, da eine Baugenehmigung von der Stadt fehlt. Der Linken-Fraktionsgeschäftsführer und Stadtverordnete Sascha Krämer kritisierte dies: „Der Verein hat bereits Container gekauft, die Materialien des Vereins lagern in der Halle, ein Normalbetrieb ist so gut wie nicht möglich.“ Die Linke wolle das Thema im heutigen Hauptausschuss behandeln. 


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