• Die Biosphäre kostet die Stadt Potsdam jedes Jahr Millionenbeträge

Defizitäre Tropenhalle Biosphäre : Mehr als 17 Millionen Euro Kosten seit 2008

In den vergangenen Jahren gab es zur defizitären Biosphäre in Potsdam und ihrer Verwendung immer wieder neue Vorschläge. Nun hat das Rathaus Kosten dafür aufgelistet.

Hinweisschild auf der Autobahn zur Biosphäre Potsdam.
Hinweisschild auf der Autobahn zur Biosphäre Potsdam.Foto: Hajo von Cölln

Potsdam - Seit 2008 hat die kommunal betriebene Tropenhalle Biosphäre den Haushalt der Stadt Potsdam mit mehr als 17 Millionen Euro belastet. Die Kosten hat die Stadtverwaltung jetzt auf Anfrage der Stadtverordneten Carmen Klockow (Bürgerbündnis) aufgelistet.

So hat allein der jährliche Betrieb zwischen 1,1 Millionen Euro im Jahr 2009 und 1,9 Millionen in den vergangenen beiden Jahren verschlungen. Gründe für die Unterschiede werden in der Tabelle nicht genannt, allerdings gilt die Tropenhalle im Bornstedter Feld als in die Jahre gekommen. Der Bund der Steuerzahler hat die Biosphäre schon mehrfach als Beispiel für Verschwendung von Steuermitteln gebrandmarkt.


Erhebliche Planungsmittel

Deswegen hatte es immer wieder auch Anläufe gegeben, die Halle nach der Insolvenz des ersten Betreibers 2007 wieder zu privatisieren oder anderweitig zu nutzen, etwa als Schule oder Krokodilfarm. Dafür hat allein die kommunale Bauholding Pro Potsdam seit 2012 acht Aufträge für Gutachter und Planungsbüros vergeben, die sich laut der Aufstellung auf 507.000 Euro summieren. Für rechtliche, betriebswirtschaftliche und touristische Gutachterleistungen in Zusammenhang mit der Biosphäre hat die Stadt Potsdam seit 2008 sogar genau 592.960,11 Euro bezahlt. Das geht aus der Antwort hervor. Über Jahre hatte man überlegt, was aus dem einst etwa 31 Millionen Euro teuren Glas-Stahlbetonbau werden soll, der zur Bundesgartenschau 2001 errichtet worden war.

Die Debatte soll bald weitergehen

In diesem Monat könnte zumindest feststehen, wie es weitergeht. Denn im vergangenen April hatten die Stadtverordneten einen Grundsatzbeschluss gefasst, das Tropenhaus zu einer Art Freizeit- und Wissenschafts-Center umzubauen und dafür noch im Januar 2020 ein Umsetzungskonzept vorzulegen. Nach ersten Schätzungen würde das wie berichtet auch 17 Millionen Euro kosten. Geplant ist auch ein Wellnesszentrum neben der Halle, das für die Gäste des dort geplanten Tagungshotels gedacht ist – aber auch für die Öffentlichkeit. Das Hotel soll helfen, die Besucherzahlen in der Biosphäre zu erhöhen. Inhaltlich will man, auch mit Hilfe von Potsdamer Wissenschaftseinrichtungen, in der Halle künftig Klimazonen wie die Wüste und die Arktis oder Lebensräume wie die Ozeane für die Besucher erlebbar machen. Die für dieses Konzept zuständige und auf Eventarchitektur spezialisierte Agentur Dan Pearlman hat laut der Liste knapp 152.000 Euro erhalten.  

Die Biosphäre in Potsdam.
Die Biosphäre in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Laut dem Konzept soll - inklusive der per Kredit zu finanzierenden Investitionen und möglicher Fördermittel - der aktuelle städtische Zuschussbedarf auf rund 455.000 Euro pro Jahr mehr als halbiert werden. Zur Bilanzverbesserung wird mit einem Besucherstrom von 260.000 Gästen pro Jahr kalkuliert, jetzt sind es rund 110.000 weniger.

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