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Defa in Potsdam : Der „Tonmeister von Babelsberg“ ist gestorben

Der Defa-Tontechnik-Chef Ulrich Illing war für Studio Babelsberg eine Institution. Jetzt ist er überraschend im Alter von 73 Jahren gestorben.

Zum Anfassen. Illing sammelte alte Geräte, wie etwa Filmprojektoren.
Zum Anfassen. Illing sammelte alte Geräte, wie etwa Filmprojektoren.Foto: M. Thomas

Potsdam - Er war wie ein wandelndes Lexikon zum Thema Tontechnik und kannte sich wie kaum ein zweiter mit der Geschichte der Babelsberger Filmstudios aus: Ulrich Illing. Jetzt ist der 73-Jährige überraschend gestorben, wie die PNN am Dienstag aus mehreren Quellen erfuhren. Die Filmstudios verlieren mit Illing eine Institution.

Illing machte Wandel der Defa in Studio Babelsberg mit

1970 hatte Illing bei der Defa in Babelsberg angefangen, zunächst als Wartungsingenieur in der Abteilung Tontechnik, dann im Bereich „Neue Technik“, also in der Forschungsabteilung. Dort fühlte sich der passionierte Bastler wohl, doch die Filmstudios überredeten ihn dazu, Abteilungsleiter Tontechnik zu werden. Das blieb er bis nach der Wende, machte auch noch den Wandel von der Defa zum Studio Babelsberg mit. Doch 1993 wurde seine Abteilung wegrationalisiert, er wurde Technischer Leiter der Tonabteilung, bis zu seiner Pensionierung. Doch sein immenses Wissen über die Vergangenheit der Studios und die Geschichte der Tontechnik war es den Studios wert, ihm einen Beratervertrag zu geben – den er bis zuletzt hatte.

Illing richtete Museum zur Tontechnik ein

2010 hatte Illing begonnen, in einem der Backsteingebäude auf dem Studio-Gelände ein Museum zur Tontechnik einzurichten, ein kleiner Raum voller Kostbarkeiten. Die vielen historischen Ton- und Filmgeräte hatte er größtenteils aus eigener Tasche finanziert – zum Beispiel ein originaler Phonograph von Edison. Er hatte stets den Anspruch, dass all seine Geräte funktionieren – und investierte Stunden um Stunden in die alten Geräte, die er zum Beispiel bei Ebay ersteigerte. Die Reparaturen erledigte er in seiner Werkstatt im selben Haus, viele Tage die Woche war er dort. Besucher konnten sich die Ausstellung auf Anfrage ansehen, mit sichtlichem Vergnügen führte Illing dann seine Filmprojektoren oder Grammophone vor – und ließ seine Zuhörer in die Geschichte des Films eintauchen. Ihnen erzählte er zum Beispiel, was die Bedienung von Edisons Phonograph so brandgefährlich machte, oder wie der Ton ins Kino kam und was diese Revolution damals für die Branche bedeutete. Und zu jeder Anekdote hat er ein passendes Gerät zur Hand – ein funktionierendes.

Wie wird das Studio mit seinem Erbe umgehen?

Auch eine Homepage über sein Museum, die Geschichte des Tonfilms und der Studios hat Illing erstellt – nicht ganz modern, aber ungeheuer informativ.

Wie das Studio mit seinem Erbe umgehen wird, war am Dienstag noch nicht zu erfahren. Erhaltenswert ist es allemal.

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