• Debatte um Schlossparks in Potsdam: Die Schäden der Winterfreuden - und die Sommersorge

Debatte um Schlossparks in Potsdam : Die Schäden der Winterfreuden - und die Sommersorge

Die Rodelschäden des Winters hat die Schlösserstiftung jetzt noch einmal genau aufgelistet - und sie macht klar, dass im Sommer keine Lockerungen zu erwarten sind.

Die Spuren der Rodler am Schloss Babelsberg waren nach dem Schnee nicht zu übersehen
Die Spuren der Rodler am Schloss Babelsberg waren nach dem Schnee nicht zu übersehenFoto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Aufregung in sozialen Netzwerken war groß, als die Schlösserstiftung nach dem Wintereinbruch Mitte Februar eine teure Rechnung für ihre geschützten Welterbeparks in Potsdam präsentierte: Durch Rodeln und Skifahren seien innerhalb weniger Tage Schäden in einer Gesamthöhe von 294.000 Euro entstanden. Seitdem erreichten die PNN zahlreiche Leserfragen, die an der Plausibilität dieser Zahlen zweifelten – zumal die Betreiber des kommunalen Volksparks auf Anfrage erklärten, dass dort „keine nachhaltigen Schäden“ entstanden seien.

Die Schäden im Detail

So hat nun die Stiftung auf PNN-Anfrage die entstandenen Schäden noch einmal im Detail aufgelistet – von Sprecher Frank Kallensee mit dem Hinweis versehen, dass die geschätzte und eher konservative gerechnete Schadenssumme auf der fachlichen Expertise der eigenen Gärtner beruhe und der Volkspark nicht mit einer Welterbeanlage verglichen werden könne. So seien die Wiesenflächen in den Parks Sanssouci und Babelsberg sowie im Neuen Garten die wertvollsten ihrer Art in Brandenburg, gerade in Bezug auf Artenreichtum und Pflanzenzusammensetzung. 

„Laien, die sich mit ihren Picknickdecken und Fahrrädern auf den Wiesen niederlassen, erkennen den Wert dieser Flächen leider oft genauso wenig wie die Rodler auf immer dünner werdenden Schneedecken“, so der Sprecher. Zugleich seien die Grasnarben bereits durch die vergangenen Dürrejahre dünner geworden, gerade in den von Rodlern gern genutzten Hanglagen. Allein für 20.000 Quadratmeter Wiesenfläche hatte die Stiftung 100.000 Euro Schäden geschätzt.

"Rasenkanten zertreten"

Auch für Wege und ihre Kanten wurden 90.000 Euro angegeben. Hier verwies Kallensee auf die wassergebundenen Wege der historischen Parks, die bis zu 50 Jahre und älter seien. Diesen setze gerade der Frost-Tau-Wechsel zu: Sie könnten beim Auftauen nach Frostperioden das Wasser nicht so schnell nach unten ableiten. „Die Wege werden matschig, es entstehen Pfützen, im ungünstigsten Fall steht ein ganzer Abschnitt einige Tage unter Wasser.“ Dann wiederum würden Besucher auf die Wiesen und Ränder ausweichen, „Rasenkanten werden auf vielen 100 Metern zertreten“. Allein im Parterre unterhalb des Schlosses Sanssouci seien rund 1000 Meter wassergebundene Wege, die erst fünf Jahre alt waren, zerstört worden. „Um diese Wege wieder begehbar und barrierefrei zu machen, müssen 25 bis 30 Euro pro Quadratmeter investiert werden“, so Kallensee.

Mehr als 36.000 Euro Schäden hatte die Stiftung auch bei Beeten registriert – diese seien, anders als im Volkspark, in der Regel mit Buchsbaum eingefasst und mit Blumenzwiebeln bepflanzt. „Das winterliche Treiben ging quer über alle Beete“, sagte Kallensee. Der Boden sei dabei trotz strengem Frost unter der Schneedecke kaum gefroren gewesen. „Entsprechend wurden Schäden verursacht.“ 

Allein die Buchsbaumkantenlänge im Parterre unterhalb des Schlosses Sanssouci betrage rund 1,2 Kilometer mit rund 10 Pflanzen je Meter. Diese würden etwa fünf bis zehn Jahre benötigen, um die gewünschte Dichte zu erreichen. In den Beeten dort seien im Herbst erst rund 12.500 Blumenzwiebeln im Wert von 10.000 Euro gesteckt worden. „Diese Hecken und Beete wurden mit Schlitten, Bobschlitten und Langlaufskiern großflächig zerstört“, sagte Kallensee.

Spuren des Winters am Schloss Babelsberg
Spuren des Winters am Schloss BabelsbergFoto: Andreas Klaer

Schäden auf den Eierbergen

Auch die sogenannten Eierberge nannte der Stiftungssprecher als Beispiel – diese würden von fünfreihigen Lindenrampen flankiert und seien bestückt mit Tausenden Primelarten und Winterlingen, zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten und wichtige Bienennektarquellen. Das hätten Rodler und Skifahrer ebenfalls schwer geschädigt, sagte Kallensee.

Auch beim Volkspark wies ein Sprecher darauf hin, dass die Anlage dort kaum mit den Parks der Stiftung zu vergleichen sei. So sei im Volkspark die Rasenfläche ein zentraler Bestandteil des Nutzungskonzeptes, sagte ein Sprecher der von der kommunalen Pro Potsdam betriebenen Anlage: „Sie werden intensiv gepflegt, weisen einen hohen Pflanzendeckungsgrad auf und leiden daher weniger stark unter mechanischer Beanspruchung, als dies bei den möglicherweise empfindlicheren Vegetationsdecken historischer Parkanlagen der Fall sein kann.“ Zudem verfüge der Volkspark nur über kürzere Rodelstrecken, so der Sprecher.

Debatte über Nutzung der Parks

Die Schadensliste der Stiftung dürfte auch die aktuelle Debatte über die Nutzung ihrer Parks befeuern - zuletzt hatten die Stadtverordneten auf Antrag von SPD und Grünen beschlossen, dass das Rathaus möglichst mehr Draußen-Treffpunkte für junge Menschen in Potsdam schaffen soll. Eingeschlossen ist dabei auch ein Auftrag aus dem Jugendhilfeausschuss, wonach mit der Schlösserstiftung darüber verhandelt werden soll, wie sich in deren Parks junge Menschen auch in den Abendstunden aufhalten können. So sollten in den denkmalgeschützten Welterbeanlagen eben mehr Mülleimer aufgestellt werden, so ein Vorschlag der Kommunalpolitiker. Dabei hatte die Schlösserstiftung zuletzt angekündigt, dass sie zum Schutz ihrer Parks im Sommer mehr Wachpersonal einsetzen wolle.

Spuren des Winters - hier am Ruinenberg
Spuren des Winters - hier am RuinenbergFoto: Andreas Klaer

Bei der Schlösserstiftung ist man zwar gesprächsbereit. Derzeit werde noch einen Termin für einen Austausch mit Potsdams Jugendbeigeordneter Noosha Aubel (parteilos) gesucht, so Kallensee. "Wenn wir etwas beitragen könne, sind wir dazu bereit." Allzu viel Spielraum dürfte es dabei aber nicht geben. Denn die Schlösserparks werden nicht ohne Grund bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen. Sie seien nämlich nicht beleuchtet. "Wir haben eine Verkehrssicherungspflicht." Außerdem hätten auch die Schlösserparks Anwohner. "Wir können keine Lizenz zum Lärmen erteilen."

Kallensee erinnerte daran, dass die Schlösserstiftung im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 ihre Parks ausnahmslos offen gehalten habe, während kommunale Grünanlagen wie der Volkspark und die Freundschaftsinsel abgesperrt worden seien. Auch derzeit wird die Freundschaftsinsel bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen. Der - kostenpflichtige - Volkspark schließt um 23 Uhr seine Pforten. So gesehen hätte die Stadt auch selbst Handlungsspielraum.

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