• Debatte um Plädoyer für FH-Erhalt: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Der FH-Abriss ist ein Fehler

Debatte um Plädoyer für FH-Erhalt : Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Der FH-Abriss ist ein Fehler

Zwei namhafte Autoren kritisieren den FH-Abriss in einem Beitrag "Make Potsdam great again" der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung scharf. Der stößt auf Kritik - und viel Beifall.

Das FH-Gebäude soll im Herbst 2017 abgerissen werden.
Das FH-Gebäude soll im Herbst 2017 abgerissen werden.Foto: A. Klaer

Potsdam - Die Gegner des vom Stadtparlament mehrfach beschlossenen Abrisses der alten Fachhochschule (FH) im Potsdamer Zentrum haben am Sonntag überraschende Unterstützung erhalten. In einem langen Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) kritisieren die Autoren Niklas Maak und Claudius Seidl den FH-Abriss scharf.

Die FH sei ein wirklich historischer Bau - ganz im Gegensatz zum Barberini

Der Abriss sei ein Fehler, meinen Maak und Seidl, und sparen an Polemik nicht. Die Wahrnehmung des „Städtchens“ Potsdam sei vom „extrem populären Missverständnis“ geprägt, die „preußische mit der deutschen Geschichte“ zu verwechseln. Und weiter: Der Palast Barberini, erbaut nach historischem Vorbild von Mäzen Hasso Plattner, wirke „neu und abwaschbar“, dazu „geschmackswidrig und fake“. Die FH dagegen sei ein wirklich historischer Bau, „so leicht und heiter, so modern und optimistisch!“. Man könne es nicht fassen, dass er jetzt abgerissen werden solle. Schließlich sei auch die FH ein Nachbau – Vorbild sei ein Werk Mies van der Rohes in Des Moines in Iowa. Die „komplette Auslöschung all dessen, was zu Zeiten der DDR gebaut wurde“, wollten vor allem „der aus Westdeutschland stammende Bürgermeister (gemeint ist Oberbürgermeister Jann Jakobs, d. Red.) und ein paar sehr wohlhabende, ebenfalls aus dem Westen zugezogene Neu-Potsdamer“.

Sie würden nun „ihre Vorstellung von einem preußischen Arkadien durchkämpfen, die ihre Wurzeln im biederen westdeutschen Wendehammer-Dasein hat (…)“. Dort werde keine „Störung der eigenen Geschmacksvorlieben geduldet“. Und später wird erneut festgestellt: Der Auftritt des „dekoseligen Wessis in Potsdam ist ein besonders heftiges Beispiel von innerdeutschem Neokolonialismus“. Der Beitrag, der den Titel „Make Potsdam great again“ trägt, hört sich möglicherweise nicht für jeden wie Kritik von herausgehobener Stelle an. Die Autoren sind jedoch namhaft: Seidl ist seit 2001 Feuilletonchef der FAS, Maak leitet das Kunstressort der FAZ, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Architektur und lehrte Architekturgeschichte und -theorie.

Stadt Potsdam: Autoren würden es "mit Fakten nicht allzu genau nehmen"

Im sozialen Netzwerk Facebook gab es viel verbalen Beifall für Maak und Seidl. Potsdams Stadtspitze reagierte auf PNN-Anfrage auf deren Beitrag. Zwar könne „gerade ein frischer Blick von außen aus einer größeren Entfernung manchmal hilfreich sein“, so Stefan Schulz, Sprecher von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Manchmal fördere er auch „überraschende Erkenntnisse“. In diesem Falle jedoch hätten die Autoren „ihre Ansichten über die Fachhochschule ziemlich exklusiv“.

Zudem würden sie es „mit den Fakten leider nicht allzu genau“ nehmen. Die städtebauliche Entwicklung sei „samt und sonders demokratisch legitimiert“. Sie basiere auf Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung, die nach vielen Diskussionen mit Bürgern sowie Workshops angesehener Architekten und Städteplaner getroffen worden sein. Die wichtigste Entscheidung habe es 1990 gegeben, als das erste frei gewählte Stadtparlament die „behutsame Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss“ beschloss.

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