Potsdam : Das unbefleckte Regiment

Siegfried Gebsers zweiter Film über das IR 9 im ehemaligen Offizierskasino aufgeführt

Erhart Hohenstein

Siegfried Gebsers zweiter Film über das IR 9 im ehemaligen Offizierskasino aufgeführt Seit zehn Jahren beschäftigt sich Siegfried Gebser mit dem Potsdamer Infanterie-Regiment 9 (IR 9), er hat in insgesamt 68 Stunden Interviews mit 30 Offizieren und Soldaten geführt, von denen die meisten inzwischen verstorben sind. Dabei ist es dem erfahrenen Filmdokumentaristen gelungen, das Vertrauen seiner Partner zu gewinnen und sie zu ausführlichen und offenen Berichten zu bewegen. Einem ersten, in den 90er Jahren fertig gestellten Videofilm über das IR 9 folgte jetzt eine von FilmArt Potsdam produzierte Fortsetzung, die am Dienstagabend, wenige Wochen vor dem 60. Jahrestag des Attentates auf Hitler, uraufgeführt wurde. Als Ort war das Offizierskasino des IR 9 Am Kanal gewählt worden, das vom e.dis-Konzern als jetzigen Hausherren des Geländes im Vorjahr wiederhergestellt worden ist. Zu der Veranstaltung hatte der Förderverein Militärmuseum Brandenburg-Preußen eingeladen. Im Film „Das Regiment II“ kommen neben führend am militärischen Widerstand beteiligten Offizieren –wie Ewald Heinrich von Kleist, der selbst zur Uraufführung erschienen war – Regimentsangehörige zu Wort – darunter Altbundespräsident Richard von Weizsäcker -, die nicht in die Aktionen einbezogen war. Ihre Aussagen und Dokumentaraufnahmen bestätigen, dass auch bei dieser großen Mehrheit des IR 9 „rechtsstaatliches Denken, Liberalität, Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein, Humanität“ (Kurt Finker) stärker ausgeprägt waren als in anderen Einheiten und sie keine Verbrechen an der Zivilbevölkerung begingen. Allerdings war die ursprüngliche Struktur des von Adeligen dominierten Regiments „Graf 9“ schon Ende 1941 zerschlagen, da die meisten Offiziere und Soldaten im Russlandfeldzug fielen und verwundet worden waren. Das Regiment führte dennoch den Krieg mit aller Härte. Vielleicht wird dieser Aspekt im Gebsers Film nicht klar genug herausgestellt und Politiker und Historiker, die zwischen Wehrmacht und Verbrechen ein Gleichheitszeichen setzen, zum Widerspruch herausfordern. Aber selbst eine solche Diskussion wäre ja geeignet, verkrustete Vorstellungen aufzubrechen. Vor der Filmpremiere hatte e.dis-Vorstandsvorsitzender Rainer Peters bekräftigt, dass der große Stromerzeuger sich der geschichtlichen Tradition seines Sitzes bewusst ist und das im September wieder eingeweihte Gebäude des ehemaligen Offizierscasinos, in dem die Widerständler gegen Hitler wichtige Gespräche führten, als Kommunikationszentrum für vielfältige Veranstaltungen nutzen wird. Die Videokassette „Das Regiment II“ ist unter anderem in der Buchhandlung „Das Internationale Buch“ und im TMB-Tourismusbüro Neuer Markt erhältlich. Sie kann auch bei FilmArt, Bertha-von-Suttner-Straße 1, 14469 Potsdam, Tel. 2800788, bestellt werden. Erhart Hohenstein

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