• Das Paradies liegt in Brandenburg Die Eisenbergers und die Obstbausiedlung „Eden“

Potsdam : Das Paradies liegt in Brandenburg Die Eisenbergers und die Obstbausiedlung „Eden“

Anja SokolowD
Gesund leben. Waltraud und Dieter Eisenberger haben in ihrem Garten in der Obstbausiedlung „Eden“ Äpfel geerntet.
Gesund leben. Waltraud und Dieter Eisenberger haben in ihrem Garten in der Obstbausiedlung „Eden“ Äpfel geerntet.Foto: Patrick Pleul/lbn

Eden - Aromatische Äpfel längst vergessener Sorten reifen im Garten von Waltraud und Dieter Eisenberger. Die beiden können von sich behaupten, seit mehr als 40 Jahren im Paradies zu leben und das nicht nur, weil die Bäume verlockende Früchte tragen. Das Paar wohnt in der 120 Hektar großen Obstbausiedlung „Eden“ bei Oranienburg (Oberhavel). „Vor 115 Jahren wollten sich 18 Lebensreformer aus Berlin ihr Paradies schon zu Lebzeiten schaffen. Sie kauften Land, machten es urbar und teilten es in Heimstätten auf, die an die Siedlungsgenossen in Erbpacht übergeben wurden“, erklärt Dieter Eisenberger den Ursprung der Siedlung.

„Die Vegetarier strebten ein großstadtfernes, ökologisches Leben an“, sagt der Leiter der Eden-Ausstellung, die in der Siedlung zu besichtigen ist. Neben Einfamilienhäusern errichteten die Gründer auch Wirtschaftsgebäude. 1898 begann man mit der Herstellung von Säften, Marmeladen und Fruchtmusen, die später über die von Eden gegründeten Reformhäuser in ganz Deutschland vertrieben wurden. Die Einlagerung der Säfte in Großtanks von 1912 an war eine Edener Neuentwicklung. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde ein Neuaufbau versucht. Die politischen Verhältnisse ließen jedoch ein Anknüpfen an bewährte Konzepte nicht zu.

1972 wurde der Obstverwertungsbetrieb verstaatlicht. „Der Genossenschaft wurde somit eine wirtschaftliche Grundlage entzogen“ sagt Barbara Schubert-Zeuske. Sie ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen Obstbau-Siedlung mit ihren heute rund 1500 Einwohnern, die sich heute vor allem aus den Einnahmen der Erbpacht finanziert.

Seit der Wende suchen die Edener nach neuen Wegen. Sie beantragten die Rückgabe des Obstverwertungsbetriebs sowie der in staatlicher Verwaltung befindlichen Häuser und Grundstücke. Arbeitsgruppen wurden ins Leben gerufen, die neue Konzepte für die Umsetzung der Eden-Idee erarbeiten sollen.

In der Siedlung entstanden unter anderem ein Reformhaus, eine Bücherei, das Eden-Archiv, ein Senioren-Wohngarten und ein Kindergartengebäude in ökologischer Bauweise. Die Kita sowie andere Gebäude werden durch eine ökologische Holzhackschnitzel-Anlage beheizt. Die Obstverwertung wird in Eden jetzt durch eine private Mosterei betrieben. Edener Apfelsaft ist heute nur noch in der Kolonie erhältlich. Die Edener Heimstätten sind nach wie vor begehrt.

Interessenten, die in die Siedlung ziehen wollen, müssen Wartezeiten hinnehmen. Wer sich für Ökologie, Obst- und Gartenbau interessiert, aber nicht gleich nach Eden ziehen möchte, kann an Seminaren teilnehmen.

Im nächsten Jahr erwarten die Edener vermehrt Besucher. Eden gehört zu den Schauplätzen der Landesgartenschau, die am 25. April 2009 in Oranienburg eröffnet. Anja Sokolow

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