Potsdam : Das Geld fehlt noch

Mit mehreren Monaten Verzögerung soll im Frühjahr ein Wettbewerb zur Gestaltung des russisch-orthodoxen Gemeindezentrums starten. Die Finanzierung des Zweckbaus ist noch unsicher

Im Licht: Der reich geschmückte Innenraum der Alexander-Newski-Gedächtniskirche auf dem Kapellenberg bei der vergangenen Neujahrsfeier der Gemeinde. Architektonisch deutlich nüchterner soll das lang geplante Gemeindezentrum in der Nähe ausfallen.
Im Licht: Der reich geschmückte Innenraum der Alexander-Newski-Gedächtniskirche auf dem Kapellenberg bei der vergangenen...Foto: Andreas Klaer

Nauener Vorstadt - Nach jahrelangem Ringen verzögern sich die Pläne für ein russisch-orthodoxes Gemeindezentrum in Potsdam noch einmal um einige Monate. Es stehe noch kein Termin für einen Architekturwettbewerb für das Gebäude fest, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow auf Anfrage der PNN. Eigentlich hatte es zum Jahreswechsel genaue Pläne geben sollen, wie das geplante Gemeindehaus der Russisch-Orthodoxen Kirche am Kapellenberg aussehen wird – das zumindest hatte noch im November Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) vor der Stadtverordnetenversammlung erklärt.

Jahrelang war das Projekt kaum vorangekommen, unter anderem, weil an dem zunächst geplanten Grundstück für das Gemeindezentrum durch den Bau Sichtachsen im Welterbe-Areal gestört worden wären. Aus diesem Grund hatten die Landesdenkmalschützer ihr Veto eingelegt. Der Grund für die neuerliche Verzögerung seien die inzwischen beendeten umfangreichen Abstimmungen zum künftigen Standort des Zentrums zwischen Landesdenkmalamt und den Unesco- Welterbe-Beratern von Icomos gewesen, sagte Stadtsprecher Brunzlow.

Nun aber sei ein Platz gefunden und die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb definiert. Das Baufeld werde sich nördlich dem ehemaligen Königlichen Landhaus neben der dortigen Kapelle, am Abhang des Kapellenberges in Richtung Puschkinallee, befinden. Brunzlow sagte, der Vorgabenkatalog für den Wettbewerb sei derzeit noch in der Abstimmung: „Eines der wesentlichen Kriterien wird die architektonische Wirkung sein, die sich der historischen Architektur in der Umgebung unterordnen muss.“

Insofern sei mit einem modernen Zweckbau statt mit einer architektonischen Konkurrenz zu den denkmalgeschützten Bauten der benachbarten Alexandrowka zu rechnen, heißt es von den Beteiligten. Vor einigen Jahren noch hatte die Gemeinde einen zweistöckigen Bau in traditionellem Stil geplant – dieser Entwurf kann an dem neuen Standort nun nicht mehr umgesetzt werden. Die Juryzusammensetzung für den Architekturwettbewerb stehe laut Brunzlow noch nicht fest. 50 000 Euro solle das Verfahren die Stadt kosten – an den Baukosten beteilige man sich aber nicht.

In der Gemeinde wartet man bereits auf den Verfahrensstart, der nach Zusage der Bauverwaltung spätestens zum Frühjahr erfolgen solle. Das sagte Diakon Daniel Koljada auf PNN-Anfrage: „Ein Architekturbüro bereitet bereits die Wettbewerbsunterlagen vor.“ Das Gebäude soll auf ungefähr 800 Quadratmetern unter anderem einen Taufraum, einen Veranstaltungssaal, eine Gemeindeküche und eine kleine Dienstwohnung beherbergen. Auch ein Kirchenladen ist geplant.

Ob es nach dem Wettbewerb sofort mit dem Bau losgehen kann, ist allerdings unklar. Die Gemeinde habe eine Grenze von circa 1,5 Millionen Euro Gesamtbaukosten festgesetzt, sagte Koljada. Finanziert werde das Zentrum aus Spenden, durch Sponsoren und Gelder der Gemeinde sowie mit einem Kredit. Feste Zusagen habe man für Mittel, die für den Bauantrag und die Genehmigung notwendig sind. „Danach hoffen wir auf Spenden und Sponsoren, die zurzeit wegen der fehlenden Planungssicherheit verständlicherweise die Mittel nicht blind vergeben wollen“, so Koljada. Das Modell für den Bau ähnele der Finanzierung des Wiederaufbaus der Garnisonkirche, der auch auf Spenden angewiesen sei.

Laut Koljada hat die Gemeinde der Russisch-Orthodoxen Kirche des heiligen Alexander Newskij zu Potsdam 1000 registrierte Mitglieder: „Insgesamt kommen aber rund 3000 Gläubige pro Jahr zu uns, von denen sich viele nicht einschreiben wollen.“ Die Kirche der Gemeinde auf dem Kapellenberg wurde auf Anordnung von König Friedrich Wilhelm III. zwischen 1826 und 1829 für die aus Russland stammenden Soldaten des Sängerchors der Russischen Kolonie Alexandrowka errichtet. Der Bau gilt als die älteste russisch-orthodoxe Kirche auf deutschem Boden.

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