• Coronavirus in Potsdam: Pflegeheime weitgehend infektionsfrei

Coronavirus in Potsdam : Pflegeheime weitgehend infektionsfrei

Die befürchtete Einschleppung des Virus in Potsdams Seniorenheime hat bislang offenbar kaum stattgefunden. Auf Hermannswerder ist die Lage stabil.

In der Seniorenpflegestätte von Hoffbauerstiftung und Ernst von Bergmann Klinik auf Herrmannswerder ist fast die Hälfte der Bewohner infiziert.
In der Seniorenpflegestätte von Hoffbauerstiftung und Ernst von Bergmann Klinik auf Herrmannswerder ist fast die Hälfte der...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Abgesehen von dem Corona-Ausbruch in der Seniorenpflege auf Hermannswerder scheint sich die befürchtete Ausbreitung des Virus in den 19 Pflegeheimen der Stadt bislang noch in Grenzen zu halten. Das ergibt zumindest eine PNN-Umfrage unter den größeren Trägern von Pflegeeinrichtungen. So berichten fast alle Einrichtungen, dass es derzeit keine Verdachtsfälle gebe beziehungsweise dass Patienten, die nach einer Behandlung aus dem Bergmann-Klinikum zurückgekehrt waren, negativ getestet wurden.

Bislang keine Coronafälle sind in den zwei stationären Pflegeeinrichtungen und der Kurzzeitpflege der Christlichen Altenhilfe GmbH aufgetreten, die zur Alexianer-Gruppe gehört, die in Potsdam auch das St. Josefs-Krankenhaus betreibt. Sechs Bewohner aus dem St. Franziskus Seniorenpflegeheim seien vor vier Wochen im Bergmann-Klinikum behandelt und anschließend isoliert sowie getestet worden – mit negativem Ergebnis, sagte Sprecher Benjamin Stengl. 

Ausbruch theoretisch in jedem Heim möglich

In Sicherheit wiegen will man sich dennoch nicht. „Wir sind ganz realistisch: Theoretisch ist ein Infektions-Ausbruch in jedem Pflegeheim möglich“, so Stengl. Infektionen zu vermeiden sei nur mit außerordentlicher Disziplin und gutem Schutzmaterial möglich. „Alle Häuser stehen unter striktem Betretungsverbot, die Mitarbeitenden halten zwingend und mit großer Sorgfalt alle Schutzmaßnahmen ein.“

Bei den beiden Potsdamer Pflegeheimen von Procurand, das deutschlandweit 27 Einrichtungen betreibt, gibt es derzeit keine Verdachtsfälle, wie eine Sprecherin sagte. Dabei handelt es sich um die die Seniorenresidenz Park Sanssouci in der Hegelallee und die Seniorenresidenz Havelpalais Auf dem Kiewitt. Lediglich zwei Bewohnerinnen seien in den vergangenen Wochen im Bergmann-Klinikum behandelt worden. Diese habe man präventiv in Quarantäne geschickt und dafür gesorgt, dass sie keinen Kontakt zu den anderen Patienten hatten. Diese zweiwöchigen Maßnahmen seien aber schon wieder beendet, so die Sprecherin.

Zwei Bewohner zur Behandlung im Klinikum

Auch innerhalb der Einrichtungen vom Landesausschuss für Innere Mission (Lafim), der in Potsdam unter anderem das Evangelische Seniorenzentrum Emmaus-Haus in der Eisenhartstraße, das Evangelische Seniorenzentrum Hasenheyer-Stift in der Meistersingerstraße und das Evangelische Seniorenzentrum Luisengarten in der Alexander-Klein-Straße betreibt, gibt es bislang keinen Coronafall, wie eine Anfrage ergab. Allerdings befänden sich zwei Bewohner aufgrund anderweitiger Erkrankungen seit Mitte März 2020 im "Ernst von Bergmann". Die geplanten Entlassungen seien von der Klinik mit dem Hinweis, dass nun eine Covid-19-Erkrankung vorliege, verschoben. "Der Zustand ist nach unserem Wissen gut."

In der Seniorenpflege auf Hermannswerder ist der Zustand der mit Corona infizierten Bewohner stabil. Einige hätten leichtes Fieber, andere gar keine Symptome, sagte eine Sprecherin der Hoffbauer-Stiftung den PNN. Das Heim wird von EvB Care betrieben, einer gemeinsamen Gesellschaft der Stiftung mit dem Bergmann-Klinikum. Gleiches gelte für die acht Mitarbeiter, die positiv auf das Virus getestet wurden und sich in häuslicher Quarantäne befinden. „Manche von ihnen haben an Erkältung erinnernde Symptome.“ Sie hoffe, dass die Krankheit bei Bewohnern und Mitarbeitern weiter mild verlaufe, so die Sprecherin.

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Wie berichtet haben sich in der Einrichtung 38 der 80 Bewohner sowie acht Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch und der Behandlung eines oder mehrerer Patienten im Bergmann-Klinikum gibt, sei keine Frage für die Betreiber, sagte die Sprecherin. „Die Forschung nach der Ursache macht für uns keinen Sinn.“ Stattdessen wolle man erneut alle Bewohner testen, um Klarheit zu bekommen, wer die Krankheit möglicherweise schon überstanden habe. Wann die Ergebnisse vorliegen, ist unklar. 

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