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Coronavirus in Deutschland : Klinikum in Potsdam für den Ernstfall vorbereitet

In Bayern gibt es am späten Abend vier bestätigte Fälle. Die beiden Berliner Verdachtsfälle haben sich nicht bestätigt. Die Behörden in Potsdam haben Vorkehrungen getroffen. 

Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum, in Potsdam ist man vorbereitet, sagte Oberarzt Tillmann Schumacher, Facharzt für Infektiologie.
Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum, in Potsdam ist man vorbereitet, sagte Oberarzt Tillmann Schumacher, Facharzt für Infektiologie.Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - "Brandenburg ist für den Ernstfall vorbereitet", sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Montag und verwies auf Aufklärungsmaßnahmen an den Flughäfen in Berlin und Brandenburg. Reisende würden dort mit Plakaten in Deutsch, Englisch und Chinesisch über das richtige Verhalten bei Krankheitssymptomen informiert. Sollte es einen Verdachtsfall während eines Fluges oder am Flughafen geben, dann würden umgehend die im Vorfeld für solche Situationen geplanten Abläufe gestartet. Das hieße, dass betroffene Personen sofort isoliert und in ein Krankenhaus transportiert würden.

Ist Potsdam vorbereitet?

„Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam ist bereits seit Anfang der letzten Woche vorbereitet“, sagt Oberarzt Tillmann Schumacher, der als Facharzt für Infektiologie zuständig ist, gegenüber den PNN. Die Mitarbeiter aller wichtigen Stellen, zum Beispiel von Rettungsstelle und Diagnostik, seien genau informiert und angewiesen worden. Sichergestellt sei auch die reibungslose Zusammenarbeit mit der Berliner Charité, die bei Verdachtsfällen die Proben untersuchen würde.

Am Wochenende war in Berlin (siehe auch: Tagesspiegel Newsblog) ein erster Corona-Verdachtsfall aufgetreten. Die Patientin wurde auf einer Isolierstation versorgt. Der Verdacht bestätigte sich aber nicht. Am Dienstagmittag meldete der rbb einen zweiten Verdachtsfall nachdem eine Frau in Charlottenburg-Wilmersdorf entsprechende Symptome gezeigt habe.

Die Frau war im chinesischen Risikogebiet unterwegs. Auch dieser Verdachtsfall bestätigte sich nicht. Die Frau hat sich nicht mit dem Coronavirus infiziert.

Auf die Hygiene achten

Schumacher empfiehlt, vorbeugend besonders auf Hygiene zu achten. Also zum Beispiel die Hände regelmäßig zu waschen. Das Tragen eines Atemschutzes sei im Moment aber nicht notwendig, sagt Schumacher.

Typische Symptome sind Fieber, Husten und Atembeschwerden. Wer gerade von einer Chinareise zurückgekommen ist oder Kontakt mit Menschen aus Zentralchina hatte, und daher vermutet, infiziert zu sein, sollte sich telefonisch an den Hausarzt wenden, teilt das Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. Wichtig: Kontakt mit anderen Patienten sollte vermieden werden, daher sollte man sich nicht ins Wartezimmer setzen, sagte ein Sprecher. Der Hausarzt könne den Patienten zum Beispiel durch einen Seiteneingang in die Praxis holen, dann isolieren und untersuchen.

Was man zum Coronavirus wissen muss

Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie und des Westdeutschen Zentrums für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, sieht ebenfalls keinen Grund zur Panik: "Dass wir einzelne Fälle in Deutschland haben, war zu erwarten. Insofern ist es sinnlos, sich deswegen Sorgen zu machen."

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Wie gefährlich ist das Virus?

Viele medizinische Fakten um das neue Coronavirus sind noch unklar - die Infektionsrate etwa, auch die Aggressivität. Letztere scheint aber geringer als etwa bei der Sars-Epidemie 2002/2003. "Wir reden von einem Fall in Deutschland, der schnell erkannt worden ist", sagt Witzke. Das stehe in keinem Verhältnis zur gerade grassierenden Grippe. "An der sterben jedes Jahr alleine in Deutschland etwa 20.000 Menschen."

Muss ich mich vor einer Ansteckung schützen?

Nein - und ja. Denn auch wenn in Deutschland kein Anlass besteht, Angst vor dem Coronavirus zu haben, ist es trotzdem sinnvoll, sich vor ansteckenden Krankheiten zu schützen - gerade angesichts der aktuellen Grippewelle. Witzke rät deshalb auch zu einer Grippeschutzimpfung. Das schütze nicht nur vor einer Grippe. Damit kann es auch nicht zur Verwechslung mit der Lungenkrankheit kommen.

Wie schütze ich mich am besten?

Das beste Mittel gegen ansteckende Atemwegskrankheiten - ob Grippe, Coronavirus oder Erkältung - ist Hygiene. Viel Händewaschen also, wenig Händeschütteln, und Vorsicht beim Niesen und Husten. "Wenn man es nicht unterdrücken kann, sollte man in den eigenen Ärmel oder die Armbeuge niesen, um die Umgebung zu schützen", sagt Witze. Eine Atemmaske sei keine geeignete Schutzmaßnahme für nicht Infizierte. "Da jetzt loszurennen und die zu kaufen wäre eine sinnlose Panikreaktion."

Wo finde ich weitere Infos?

Das Robert-Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Webseiten mit Antworten auf die wichtigsten Fragen veröffentlicht.

Die gesetzliche Barmer-Krankenkasse Berlin/Brandenburg hat eine Hotline eingerichtet, die ab sofort unter 0800 84 84 111 zu erreichen ist. „Unsere Experten kennen den aktuellen Stand der medizinischen Forschung und können deshalb helfen, Unsicherheit oder gar Angst zu vermeiden“, teil Landesgeschäftsführerin Gabriela Leyh mit. Die kostenlose Hotline steht allen Interessierten rund um die Uhr offen, nicht nur Barmer-Versicherten.

Auch die DAK wird eine Beratungshotline schalten, die wird allerdings erst ab 31. Januar und dann zwischen 8 und 20 Uhr erreichbar sein. Kostenlose Rufnummer 0800 1111 841.

Wann muss ich zum Arzt?

Wichtig zu wissen: Ein Schnupfen ist kein Alarmzeichen für eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus. Typische Symptome sind eher trockener Husten, Fieber, Abgeschlagenheit, auch Atemnot. Klar ist außerdem: Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen.

Übertreiben sollte man es aber nicht. "In Situationen wie dieser besteht die Gefahr, dass Menschen, die gar nichts haben, plötzlich in der Notaufnahme stehen", sagt Witzke. Das gefährde das System der Notfallversorgung. "Wenn man sich aus irgendwelchen Gründen Sorgen macht, ob man mit dem Coronavirus infiziert ist, ist die Notaufnahme nicht die richtige Anlaufstelle - sondern das Gesundheitsamt vor Ort."

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(mit dpa)