• Coronakrise am Potsdamer Bergmann-Klinikum: Die Schattenseiten eines Gesundheitskonzerns

Coronakrise am Potsdamer Bergmann-Klinikum : Die Schattenseiten eines Gesundheitskonzerns

Steffen Grebner hat aus dem angeschlagenen Klinikum ein solventes Unternehmen gemacht. Das hatte seinen Preis. Eine Analyse.

Klinikumchef Steffen Grebner steht womöglich vor der Abberufung. 
Klinikumchef Steffen Grebner steht womöglich vor der Abberufung. Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - 180 Millionen Euro Umsatz allein im Jahr 2018. 1700 Betten, davon 1100 in Potsdam. 3500 Mitarbeiter, verteilt auf das Hauptunternehmen und seine 14 Töchter- und Enkelfirmen sowie Beteiligungen, darunter die Kliniken in Forst und Bad Belzig. 48.000 Menschen werden allein in Potsdam jährlich in der Notaufnahme versorgt, knapp 40.000 in einer der 29 Fachkliniken stationär behandelt. Das kommunale Bergmann-Klinikum ist, und daran gibt es trotz der Fehler im Corona-Skandal keinen Zweifel, eine der wichtigsten Gesundheitseinrichtungen in ganz Brandenburg.

Grebner prägte das Gesicht des Klinikums

Bis dorthin war es ein weiter Weg. Er begann bereits vor der Übernahme der Geschäftsführung durch Steffen Grebner, doch er war es, der das heutige Gesicht des Konzernverbundes geprägt hat. Als Grebner 2008 von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf nach Potsdam wechselte, war das Klinikum wirtschaftlich angeschlagen. Grebner gliederte Unternehmensbereiche aus, um Kosten zu sparen. Er habe dem Haus effiziente Strukturen verpasst, sagen Beobachter. 

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Allerdings wuchs die Unzufriedenheit. Mitarbeiter klagen über Überlastung, immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen über die Bezahlung, während das Klinikum in die Gewinnzone fährt und Millionenüberschüsse erwirtschaftet. Parallel setzt Grebner auf Expansion: Medizinische Versorgungszentren werden gekauft, selbst in Berlin, hinzu kommen Senioreneinrichtungen und Beteiligungen an anderen Kliniken. 

Teure Villa und Segelboote

In der Stadtpolitik regt sich Unmut. Nicht jeder glaubt, dass all die Zukäufe für die Erfüllung des kommunalen Versorgungsauftrags nötig sind. Doch Grebners Ziel ist ein Gesundheitskonzern, der möglichst viele medizinische Angebote bündelt. Immer wieder klagt er über die seiner Ansicht nach unzureichende Krankenhausfinanzierung durch das Land, leistet sich andererseits den Kauf der Villa Bergmann in bester Lage am Tiefen See, um dort ein Tagungszentrum zu etablieren, oder eine Betriebssportgruppe Segeln mit eigener Bootsflotte.
Seine Kritiker werfen ihm vor, das Klinikum kaputt gespart zu haben, in Tarifverhandlungen wurde sein Stil mehrfach als rigide beschrieben. Die von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) initiierte Rückkehr in den Tarifverbund dürfte Grebner eher notgedrungen hingenommen als befördert haben.
Ein Mangel an Transparenz im Geschäftsgebaren des Klinikums gehört zu den Kernvorwürfen in Grebners Amtszeit. Zahlen, etwa darüber, wie viele Patienten sich jährlich mit multiresistenten Keimen infizieren, hält das Haus bis heute unter Verschluss – ein Gebaren, das Parallelen zur aktuellen Lage aufweist. Grebner könnte das nun zum Verhängnis werden. Die Zahl seiner politischen Freunde ist spürbar geschrumpft. 


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