• Corona-Lockerungen: So macht Potsdam wieder auf

Corona-Lockerungen : So macht Potsdam wieder auf

Seit Freitag gelten die Corona-Lockerungen. Viele Gaststätten öffnen, der Campingplatz ist ausgebucht. Ein Überblick zum Neustart.

Anna Bückmann
Damira Sokolova und Anisul Kahn vom Potsdamer Hafenrestaurant El Puerto, bereiten die Terrasse vor. 
Damira Sokolova und Anisul Kahn vom Potsdamer Hafenrestaurant El Puerto, bereiten die Terrasse vor. Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam - Es ist soweit: Nach wochenlangem Lockdown hat Potsdam am Freitag (21.5.) wieder aufgemacht. Die Gastronomen dürfen unter freiem Himmel wieder bewirten, Schlösser und Museen öffnen, auch Potsdams Campingplatz. Zugleich wollen viele Potsdamer sich impfen lassen, bekommen aber keine Termine. Ein Rundum-Blick zum Neustart vor Pfingsten.

Wie ist die Corona-Lage?

An sich sinken die Corona-Werte – bei 17 Neuinfektionen meldete das Gesundheitsamt am Freitag eine Sieben-Tage-Inzidenz 51,0. Vor einer Woche noch lag dieser Wert bei 86,0.

Die Lage in den Schulen und Kitas der Stadt hat sich ein wenig entspannt: Von dort meldete das Rathaus am Mittwochabend 48 Infizierte und 413 Quarantänefälle, in der Woche davor waren es noch 66 Erkrankte und fast 900 Menschen in Isolation. Allerdings ist am Mittwochabend auch bekannt geworden, dass erstmals die als besonders ansteckend geltende indische Virusmutante B1.617.1 bei zwei Potsdamern in Quarantäne nachgewiesen worden ist. Spezielle Maßnahmen würde deswegen aber nicht ergriffen, sagte ein Stadtsprecher. 

Vom kommunalen Bergmann-Klinikum hieß es, bei Sequenzierungen in der vergangenen Woche habe man 173-Mal die britische Mutante B117 festgestellt sowie vier Fälle der südafrikanischen Variante B1351. Der Wildtyp des Virus war fünf mal für eine Infektion verantwortlich.

Wie ist der Stand beim Impfen?

Seit Mittwoch sind alle Personen der Prioritätengruppe 3 impfberechtigt. Damit können sich nun unter anderem Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel, Wahlhelfer und Personen in besonders relevanten Positionen der kritischen Infrastruktur wie Energieversorgung oder Telekommunikation um einen Impftermin bemühen. 

Das heißt jedoch nicht, dass all jene sofort die von vielen ersehnte Spritze bekommen können: Nach wie vor ist der Impfstoff knapp. Zwar impfen in Potsdam laut der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) mittlerweile knapp 100 Ärzte – neben Hausärzten auch immer mehr Fachärzte wie Gynäkologen, Kardiologen oder Hausärzte.

Aber in der laufenden Woche kann jeder dieser Ärzte nach einem bundesweiten Schlüssel maximal zwölf Biontech-Impfdosen bestellen. Auch wenn dies durch Dosen von Astrazeneca und Johnson&Johnson ergänzt wird, sagt KVBB-Sprecher Christian Wehry: „Das ist extrem wenig.“ Er empfiehlt Impfberechtigten trotzdem, sich neben dem Hausarzt auch an behandelnde Fachärzte zu wenden. Wegen der geringen Menge sei es aber nicht sinnvoll, jetzt alle Ärzte der Liste abzutelefonieren. „Damit ist niemandem geholfen“, so Wehry. „Die Praxen werden überrannt.“

Das bestätigt der Babelsberger Hausarzt Ulrich Wüllenkemper. „In unserer Praxis hat sich Telefonaufkommen mindestens verdreifacht.“ Das habe Folgen: „Dadurch leidet auch die Erreichbarkeit für unsere regulären Patienten.“ Schwierig sei auch die Priorisierung, wer also impfberechtigt ist und wer nicht, hieß es von weiteren Ärzten – die auch von ausufernden Beratungsgesprächen zu Impfstoffen wie von Astrazeneca berichteten. Mediziner Wüllenkemper beklagte auch die schlechte Planbarkeit, da Impfstoffe weiter nicht verlässlich geliefert würden.

Dr. Ulrich Wüllenkemper Hausarzt in Potsdam.
Dr. Ulrich Wüllenkemper Hausarzt in Potsdam.Foto. Carsten Holm

Ähnlich ist es im Impfzentrum in der Metropolishalle. Auch dort sei oft erst wenige Tage im Voraus klar, wie viel Impfstoff geliefert werde, so Wehry – und auch dort ist die Nachfrage groß. So könne es sein, dass manchmal kurzfristig Impftermine für die Folgetage freigeschaltet werden. „Die sind immer innerhalb kurzer Zeit weg“, sagt er. Aber die gute Nachricht: Im Impfzentrum wird auf Hochtouren geimpft, alle zwölf Impfstraßen sind in Betrieb. „Wir fahren fast unter Volllast“, so Wehry. In Zahlen: In der aktuellen Woche sind fast 7500 Termine gebucht – doppelt so viele wie vor zwei Wochen.

Öffnen alle Gaststätten und Cafés?

Nein. Bei manchen Gastronomen überwiegt die Skepsis: So hat das Redo-Imperium via Facebook angekündigt, dass Restaurants wie das „Sombredo“ am Nauener Tor und auch die XXL-Schnitzelrestaurants geschlossen bleiben. Die Testpflicht für Gäste der Außengastronomie sei „ein Aufwand, den wir nicht stemmen können und wollen“, hieß es. Allerdings sollen das Café Heider in der Friedrich-Ebert-Straße und das Wiener Café am Luisenplatz öffnen, wie Inhaber René Dost bestätigte.

In der Villa Kellermann in der Mangerstraße wird dagegen „alles auf Hochglanz“ gebracht. Wie überall müssen auch in dem Restaurant am Heiligen See Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden; ausschließlich Terrassen dürfen öffnen, Tische stehen mit 1,50 Meter Abstand, Gäste und Personal müssen Masken tragen. Vor der Öffnung war das Haus damit beschäftigt, die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen, die neue Speisekarte einmal Probe zu kochen, Ware zu bestellen und die Lager wieder aufzufüllen. „Wir freuen uns einfach nur, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen. Alles andere wird sich finden“, hieß es.

Die Villa Kellermann, Tim Raues Restaurant am Ufer des Heiligen Sees in Potsdam.
Die Villa Kellermann, Tim Raues Restaurant am Ufer des Heiligen Sees in Potsdam.Foto: Manfred Thomas Tsp

Wegen des großen Aufwands und der Unsicherheit, wie lange die Lockerungen gelten, sind aber nicht alle Betriebe bereit zu öffnen. „Das ganze Drumherum, das ist einfach zu teuer“, sagte Diana Pamp vom Restaurant Juliette in der in der Jägerstraße. „Wir haben drei Tische draußen“, dafür könne man die Mitarbeitenden nicht aus der Kurzarbeit holen. Auch dauere es rund zwei Wochen, bis das Restaurant alle Grundzutaten, die es für seine Speisen brauche, zusammen habe. „Wir brauchen mehr Vorlaufzeit“, sagte Pamp. Selbst sehr beliebte Sommerziele wie die Meierei am Neuen Garten bieten zunächst nur weiter Außer-Hausverkauf für ihre Biere an – noch keine Speisen. Der Gaststättenverband hatte empfohlen, vor einem Restaurantbesuch möglichst die Internetseite zu besuchen, ob tatsächlich offen ist.

Kommen Touristen nach Potsdam?

Ja. Denn zwar sind Hotels und Pensionen noch dicht – allerdings dürfen Zeltplätze bereits öffnen. Dieter Lübberding, Chef des mehrfach preisgekrönten Campingparks „Sanssouci“ am Havelufer, erwartet zu Pfingsten rund 400 bis 500 Gäste, wie er den PNN sagte: „Wir waren schnell ausgebucht.“ Das einzige Problem: Gemeinschaftliche Sanitäranlagen müssen noch geschlossen bleiben, das sei laut Lübberding anders als zum Beispiel in Bayern. Aber auch das sei machbar, letztlich würden sich alle wahnsinnig über die Lockerungen freuen. Die Außengastronomie des Restaurants „Anna Amalia“ des Campingplatzes öffnet, auch auswärtige Besucher können kommen.

Dieter Lübberding, Geschäftsführer vom mehrfach ausgezeichneten Campingplatz „Sanssouci“.
Dieter Lübberding, Geschäftsführer vom mehrfach ausgezeichneten Campingplatz „Sanssouci“.Foto: Andreas Klaer

Was können Potsdamer und Gäste erleben?

Weniger als in normalen Zeiten – aber mehr als bisher. Am heutigen Freitag öffnen Schloss Sanssouci und Schloss Cecilienhof mit der Ausstellung „Potsdamer Konferenz 1945“ sowie das Belvedere auf dem Pfingstberg wieder. Eine Online-Buchung und vor Ort eine Maske sind Pflicht. Auch einige Potsdamer Kultureinrichtungen öffnen heute wieder, darunter Museen, Galerien und Theater. Wieder möglich, wenn auch nur getestet, sind Schiffstouren: Von einer Herausforderung sprach hier Carsten Schmitt, Geschäftsführer bei der Weißen Flotte. Die Kontrolle der Gäste am Eingang, ob geimpft, genesen oder mit gültigem Test, müssten die Mitarbeiter zusätzlich erledigen. In Notfällen würden Tests vor Ort angeboten. „Rein betriebswirtschaftlich ist die Öffnung unter diesen Bedingungen grenzwertig.“

Kulturelle Veranstaltungen am Pfingstwochenende - ein Überblick

Freitag, 21. Mai

Kunstraum Potsdam, Schiffbauergasse 4d, widmet der Potsdamer Zeichnerin und Performancekünstlerin Lou Hoyer erstmals eine Ausstellung: „Welcome aboard the apocalyptic rider“ ist Freitag bis Montag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Gleiche Zeit, gleicher Ort: Erstmals ist hier auch der in der Pandemie entstandene Film „Kunstpause“ des Performanceduos Kombinat zu sehen. Das Neue Globe Theater bringt vom 21. bis 24. Mai jeweils um 20 Uhr den Kampf gegen die Windmühlen in den Schirrhof, Schiffbauergasse 4e: „Don Quijote“ nach Cervantes hat dort Premiere. Wie alle Veranstaltungen nur mit aktuellem Negativtest. 

Samstag, 22. Mai

Das Museum Barberini am Alten Markt öffnet wieder seine Türen. Es ist wie alle Ausstellungsorte ohne Negativtest zu besuchen – jedoch sind Tickets nur online buchbar, je drei Tage im Voraus. Auch die Villa Schöningen macht die neue Schau zu Trulee Hall „The Seer and the Seen“ Samstag bis Montag, je 12 bis 17 Uhr, wieder auf. Timeslots können über die Website gebucht werden oder bei freier Kapazität vor Ort

„Lass die Moleküle rasen“ heißt eine Schau in der Galerie Gute Stube, Charlottenstraße 121, mit der Potsdamer Künstler:innen Christian Morgenstern zum 150. Geburtstag ehren. Geöffnet jeweils 15 bis 18 Uhr. Der Pomonatempel auf dem Pfingstberg öffnet ebenfalls wieder und ist bis Montag von 14 bis 17 Uhr zugänglich. Bis 24. Mai ist hier noch „Pforten der Schönheit von Katja Röfke zu sehen. Das Kunsthaus sanstitre, Französische Straße 18, zeigt mit „Wer bin ich? Ist ich ein Anderer?“ ein Projekt der Fotografin Anne Heinlein mit Schüler:innen der Evangelischen Grundschule Potsdam. Geöffnet je von 14 bis 18 Uhr. Eine weitere Premiere gibt es 15 Uhr im Q-Hof, Lennéstraße 37: „An der Arche um Acht“ vom Poetenpack, für Kinder ab 5. Vorstellungen auch am 23. und 24. Mai, es gibt noch Karten. 

Sonntag, 23. Mai und Montag, 24. Mai

Der Kunstverein KunstHaus Potsdam, Ulanenweg 9, lädt von 12 bis 19 Uhr zur Finissage der Ausstellung „Christian Schwarzwald: Polygraph“.  Der Künstler ist anwesend. 

Am Montag, 24. Mai geht das lange Wochenende mit Theater zu Ende: Das T-Werk zeigt um 16 Uhr Open Air „Die Regentrude“. Bei freiem Eintritt, aber nur nach vorheriger Anmeldung unter [email protected] 

Wo kann man sich Pfingsten testen lassen?

Mittlerweile gibt es in Potsdam mehr als 30 Teststationen. Allerdings haben längst nicht alle am Pfingstwochenende geöffnet. Noch am Sonntag testen lassen kann man sich zum Beispiel in den Zelten am Bassin- oder am Luisenplatz, dafür sind Online-Buchungen nötig. Auch das Testcenter Kutschstallhof ist offen.

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Die Apotheken und Testzentren, die in Potsdam kostenlose Schnelltests anbieten, listet die Stadt hier auf.

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