• Corona-Lage in Potsdam: Kitas auf Personalausfälle vorbereitet

Corona-Lage in Potsdam : Kitas auf Personalausfälle vorbereitet

Ab Montag gilt die Testpflicht für Kitakinder. Anträge auf Notbetreuung sollen erst im Ernstfall gestellt werden. Am Wochenende meldete Potsdam mehr als 700 Neuinfektionen.

Potsdams Kitas sollen grundsätzlich offen bleiben. 
Potsdams Kitas sollen grundsätzlich offen bleiben. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdams Kitaträger und die Stadtverwaltung haben sich auf ein Verfahren zur Kita-Notbetreuung geeinigt. Damit soll sichergestellt werden, dass Kinder unter anderem von Eltern in systemrelevanten Berufen auch dann betreut werden, wenn wegen Personalausfällen Kitagruppen oder Einrichtungen geschlossen oder Öffnungszeiten reduziert werden müssen. Dann können Eltern einen Antrag auf Notbetreuung beim Jugendamt stellen, teilte die Stadt am Freitag mit. Ältere Bescheide über die Zulassung zur Notbetreuung sind nicht mehr gültig, hieß es weiter.

Gemeinsames Bestreben von Stadt und den Kitaträgern sei es, Kitas und Horte „so lange wie möglich offen zu halten“, erklärte die Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos). Sollte es an einzelnen Standorten zu Einschränkungen kommen, müsse der Träger dies dem Jugendamt melden und die Eltern informieren. Dann erst können Eltern dieser Einrichtung einen Antrag auf Notbetreuung beim Jugendamt stellen. In extremen Fällen von Personalausfall würde die Betreuung auch über andere Standorte sichergestellt werden. 

 Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos).
 Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos).Foto: Ottmar Winter

Kind kann nur mit aktuellem Bescheid in die Kita

Das Antragsformular kann unter www.potsdam.de/notbetreuung heruntergeladen werden und soll ausgefüllt per Mail an das Jugendamt unter [email protected] geschickt werden. Erst mit einem aktuellen Bescheid kann das Kind in die Kindertageseinrichtung gebracht werden. Die Einrichtungen teilen den Eltern auch mit, wann die Einschränkungen wieder zurückgenommen werden können.

Wie berichtet hatte das Land am Dienstag den Anspruch auf Kita-Notbetreuung in der Eindämmungsverordnung neu geregelt. Anspruch auf eine Notbetreuung haben drei Gruppen: Kinder, die zur Wahrung des Kindeswohls zu betreuen sind. Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil in der kritischen Infrastruktur arbeitet und bei denen eine individuelle Betreuung nicht organisiert werden kann. Und in begründeten Einzelfällen Kinder von Alleinerziehenden, sofern keine alternative Betreuung organisiert werden kann. Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem der Gesundheitsbereich, Schulen und Kitas, bestimmte Bereiche der Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen, Polizei, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Rechtspflege und Steuerrechtspflege, Unternehmen der Daseinsvorsorge für Energie, Abfall, Wasser, ÖPNV, der Lebensmitteleinzelhandel, die Logistikbranche, die Medien sowie Bestattungsunternehmen.

122 Kita-Kinder infiziert

Am Freitag waren nach Stadtangaben 122 Kitakinder und 107 Mitarbeitende aus Kitas mit Corona infiziert. Weitere 683 Kinder sind als Kontaktpersonen in Quarantäne. Im Rathaus geht man von steigenden Zahlen in der nächsten Woche aus, da dann die vom Land Brandenburg verhängte Testpflicht startet. Ab Montag müssen Eltern für ihre Kinder ab dem Alter von einem Jahr in Krippen, Kitas und Kindertagespflegestellen zwei Negativtests pro Woche nachweisen. Bei einer Inzidenz unter 250 lässt das Land auch Lolli-Pool-PCR-Tests zu – von diesem Wert ist Potsdam momentan weit entfernt.

Anders als bei den Schulen, wo die Testbeschaffung zentral über das Land organisiert wird, sind bei den Kitas die Träger dafür verantwortlich. Das hatte bereits für Kritik bei Elternvertretern gesorgt.  Das Land fördert die Bereitstellung der Tests pauschal mit 3,50 Euro pro Test, ausgereicht wird diese Förderung in Potsdam über die Stadt.

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Beim Sozialträger Fröbel, der in Potsdam zwölf Kitas und Horte betreibt, begrüßt man die Testpflicht, „denn sie schafft mehr Sicherheit für die Kinder, die Familien und unsere Mitarbeitenden“. Die Testbeschaffung durch eine zentrale Stelle wäre aber einfacher gewesen, teilte Fröbel-Sprecher Mario Weis auf PNN-Anfrage mit: „Das hätte uns in der aktuell herausfordernden Situation etwas entlastet.“ Bei Fröbel sollen die Eltern das negative Testergebnis mit einer unterschriebenen Erklärung nachweisen. „Im Notfall können die Eltern die Testung auch vor Ort in einem separaten Raum der Einrichtung vornehmen“, erklärte der Sprecher.

Auch beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), das in Potsdam acht Kindertagesstätten betreibt, hätte man sich mehr Unterstützung bei der Beschaffung gewünscht. Das wäre „ein wichtiges Zeichen gewesen“, sagte Sprecherin Svenja Milde. „So haben die ohnehin stark belasteten Einrichtungen mit dem Träger zusammen eine weitere Zusatzaufgabe übernehmen müssen.“ Beim EJF müssen die Eltern die Testung ihres Kindes mit einer Unterschrift bestätigen.

An Kitas galt die Testpflicht bisher nur für Mitarbeitende

Der Kitaträger Kinderwelt berichtete von einer unproblematischen Testbeschaffung – und geht auch von einem problemlosen Start aus. „Wir stellen den Eltern sowohl Nasen-, Spuck- als auch Lolli-Tests zur Verfügung“, sagte Kinderwelt-Sprecherin Tuulia Faber den PNN. Die Testergebnisse würden in den Kinderwelt-Kitas beim Ankommen und Umziehen der Kinder kontrolliert.

Bei der Arbeiterwohlfahrt, die 26 Kitas und Horte in Potsdam betreibt, wird die Kontrolle an jeder Einrichtung unterschiedlich geregelt, sagte Awo-Vorstandschefin Angela Schweers den PNN. Die Testbeschaffung habe funktioniert.

An Brandenburgs Schulen gilt bereits seit April 2021 eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler. Seit November wurde dreimal wöchentlich getestet, seit Mitte Januar täglich, immer zuhause. An Kitas galt bislang nur eine Testpflicht für die Mitarbeitenden. 

Inzidenz für Potsdam bei 1814,8

Am Wochenende wurden aus Potsdam 716 Neuinfektionen mit dem Coronavirus vermeldet - 273 am Sonntag nach 443 am Samstag. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 1814,8. Vor einer Woche lag der Wert bei 1964,7. In den vergangenen sieben Tagen wurde dreimal die 2000er-Marke überschritten. (mit EW/cmü)

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