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Corona-Lage in Potsdam : Inzidenz reißt erstmals 1000er-Marke

Am Mittwoch wurden 529 Neuinfektionen gemeldet. Die Stadtverordneten müssen indes eine anonyme Corona-Beschwerde behandeln. Für Ungeimpfte gilt eine nächtliche Ausgangsbeschränkung.

Ein Schild vor einem Café in der Potsdamer Innenstadt weißt die Besucher auf die geltende 2G+ Regel hin.
Ein Schild vor einem Café in der Potsdamer Innenstadt weißt die Besucher auf die geltende 2G+ Regel hin.Foto: Foto: Monika Skolimowska/ dpa

Potsdam - Die Zahl der Corona-Infektionen steigt in Potsdam weiter rasant. Mit 529 Ansteckungen meldete die Stadt am Mittwochmorgen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1113 Fällen, gerechnet auf 100 000 Anwohner pro Woche. Potsdam weist innerhalb Brandenburgs die höchste und bundesweit die neunthöchste Inzidenz auf. Am Vortag lag der Wert bei 974,1.

Die Inzidenz ist ähnlich hoch wie im benachbarten Berlin, wo die hochansteckende Omikron-Variante des Virus ebenfalls schon seit Jahresanfang für immer neue Höchststände sorgt. Wie Potsdam überschritt die Hauptstadt am Mittwoch mit einem Wert von 1055,1 erstmals die 1000er-Marke. Am höchsten ist die Inzidenz in Berlin-Mitte (1797,5) - zugleich der bundesweite Spitzenwert.

Hohe Infektionszahlen in Kitas und Schulen

Vor allem in den Schulen und Kitas steigen in Potsdam die Zahlen: Am Dienstag meldete die Stadt bereits 498 infizierte Kinder und Jugendliche und 102 Mitarbeitende. Das waren noch einmal 50 Personen mehr als am Vortag. Unter den Betroffenen waren aktuell 241 Grundschüler, 119 Kitakinder, 46 Gymnasiasten, 33 Gesamtschüler und 30 Teenager aus beruflichen Schulen. Zugleich meldete die Stadt, dass rund 1200 Kitakinder in Quarantäne seien – am Vortag lag diese Zahl sogar bei 1600.

Die Zahl der Corona-Patienten stieg am Mittwoch etwas stärker als zuletzt an. Am Vormittag meldete die Stadt, dass in Potsdams Kliniken 26 Personen mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt werden - davon acht auf den Intensivstationen. Am Dienstag wurden 19 Corona-Patienten betreut. Vor einer Woche befanden sich wie aktuell 26 Personen mit einer Covid-19-Erkrankung in stationärer Behandlung.

Eine Infektion mit der Omikron-Variante gilt als weniger gefährlich – allerdings warnt das Robert-Koch-Institut vor einer Überlastung wichtiger Infrastruktur durch die schiere Masse der Fälle.

Nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte

Das dynamische Infektionsgeschehen in Potsdam hat neue Regeln zur Folge: Ab Mittwoch gilt für ungeimpfte und nicht genesene Personen eine nächtliche Ausgangssperre. Das gab die Stadtverwaltung am Dienstag im Amtsblatt öffentlich bekannt.

Die Maßnahme werde laut Eindämmungsverordnung ergriffen, wenn an drei aufeinander folgenden Tagen der Sieben-Tage-Inzidenzwert - die Neuinfektionen innerhalb einer Woche bei 100.000 Einwohnern - 750 übersteige, hieß es. Die Beschränkung gilt von 22 bis 6 Uhr.
Die betroffenen Personen dürfen das Haus nur noch „in gewichtigen Ausnahmefällen“ verlassen, etwa zum Aufsuchen der Arbeitsstätte.

Weitere Impfaktionen

Zugleich kündigte die Stadtverwaltung weitere mobile Impfaktionen an – so am Donnerstag zwischen 12 und 18 Uhr auf dem Campus Golm der Universität Potsdam. Drei Impfaktionen sind nächste Woche geplant, ebenfalls jeweils von 12 bis 18 Uhr. Dabei wird am Montag am Bürgerhaus Bornim in der Potsdamer Straße 90 geimpft, am Mittwoch im Jugendklub 91 an der Kastanienallee sowie am Freitag im Haus der Begegnung in der Waldstadt, Zum Teufelssee. Freie Impftermine werden für die nächsten Tage auch über die Homepage der Stadt unter www.potsdam.de vergeben.

Stadtverordnete sollen anonyme Corona-Beschwerde gegen Schubert abweisen

Die Stadtverordneten sollen eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen gerichtlich gekippter Corona-Maßnahmen von Oberbürgermeister Mike Schubert zurückweisen. Das empfiehlt Stadtpräsident Pete Heuer (beide SPD) in einer aktuellen Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung. Es geht laut dem Heuer-Antrag um eine anonyme Beschwerde gegen eine von Schubert gezeichnete Allgemeinverfügung über eine Testpflicht zum Zutritt zu Einzelhandelsverkaufsstellen, die am 29. März vom Verwaltungsgericht gekippt worden war. 

Geklagt hatte damals ein Baumarkt – und das Gericht hatte geurteilt, dass sich die Allgemeinverfügung „nach summarischer Prüfung“ als rechtswidrig erweise, schon wegen formeller Mängel. Ferner habe es in der Begründung „widersprüchliche Angaben zur Angemessenheit und Erforderlichkeit“ gegeben. Die Stadt Potsdam hatte am 24. März verfügt, dass Einkaufen in Einzelhandelsgeschäften und auch in Baumärkten oder Gartenfachmärkten nur mit Vorlage eines aktuellen negativen Corona-Schnelltests möglich sein sollte – was das Gericht dann kippte. 

Gleichwohl sollen die Stadtverordneten nun feststellen, dass ein persönliches Verschulden des Oberbürgermeisters nicht vorliege – schließlich habe die Verwaltung „nach bestem Wissen und Gewissen und mit dem Ziel der Eindämmung der Pandemie gehandelt“. Zudem habe es „keine unmittelbare persönliche Einflussnahme“ von Schubert „auf die ihm durch die Verwaltung vorgelegte Verfügung“ gegeben – er habe vielmehr „nachvollziehbar im Vertrauen auf die Richtigkeit“ die Allgemeinverfügung unterzeichnet, heißt es in der Begründung für die geplante Zurückweisung. Stadtpräsident Heuer sagte auf PNN-Anfrage, die Dienstaufsichtsbeschwerde müsse trotz fehlenden Absenders behandelt werden, das sei geprüft worden. (mit cmü)

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