• Potsdam: 3. Corona-Welle steht bevor und dauert mehrere Wochen

Corona-Lage in Potsdam : Infektiologe: Dritte Welle steht bevor und könnte mehrere Wochen anhalten

Der Oberarzt für Infektiologie am Bergmann-Klinikum Tillmann Schumacher warnt vor einer erneuten Verschärfung der Pandemie. Entspannung könnte vor allem eine Maßnahme bringen.

Tillmann Schumacher, Oberarzt der Infektiologie am städtischen Bergmann-Klinikum.
Tillmann Schumacher, Oberarzt der Infektiologie am städtischen Bergmann-Klinikum.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdams Corona-Ampel bleibt auf gelb, die Inzidenz stagniert, aber die Fälle mit mutierten Virusvarianten nehmen zu: In den vergangenen zwei Wochen sind in 18 Fällen Virusmutanten bei Potsdamerinnen und Potsdamern nachgewiesen worden, wie das Rathaus am Mittwoch vermeldete. Erstmals war auch ein Fall der südafrikanischen Variante dabei. In zwei Fällen stehe die genaue Identifizierung des Typs noch aus, in den restlichen 15 Fällen handelt es sich um die britische Variante B.1.1.7, so die Stadt. Am städtischen Bergmann-Klinikum wurden drei weitere Patienten sowie ein Mitarbeitender positiv auf das britische Virus getestet, wie das Klinikum am Mittwochabend vermeldete. Für zwei Stationen seien Aufnahmestopps verhängt worden.

Wie berichtet war bereits am Dienstag bei acht Patienten des städtischen Bergmann-Klinikums sowie weiteren externen Proben im Kliniklabor mittels der sogenannten Target-PCR-Testung die britische Virusvariante B.1.1.7 festgestellt worden. Ob es sich bei den Patienten um Einzelfälle oder einen zusammenhängenden Ausbruch der Virusmutante handelt, sollen die noch ausstehenden Ergebnisse der Genom-Sequenzierung klären.

Tägliche Tests und Spezialmasken mit besserem Schutz

Für die Behandlung der Patienten mit Virusvarianten sind die Schutzmaßnahmen für das Klinikpersonal noch einmal verschärft worden, sagte Tillmann Schumacher, Oberarzt für Infektiologie am Bergmann-Klinikum, den PNN am Mittwoch. So werden Mitarbeitende, die im Kontakt mit den Varianten-Patienten sind, täglich per Abstrich getestet. Außerdem sollen sie anstelle der FFP2-Masken FFP3-Masken tragen, die zusätzlichen Schutz bieten. Alle Varianten-Patienten werden im Covid-Bereich behandelt. „Nach Möglichkeit isolieren wie sie dort von den anderen Covid-Patienten“, sagte Schumacher.

Für die Arbeit am Klinikum bedeuten die Virusvarianten aber keine grundlegende Umstellung, betonte er. Das gelte auch für die bekannten anderen Varianten. Zwar sei der Virustyp B.1.1.7 leichter übertragbar, unter anderem, weil er sich leichter an den Rezeptor in der Rachenschleimhaut binden könne. Bei den bislang betroffenen Patienten in Potsdam zeigten sich aber weder schwerere noch längere Verläufe. Das wisse man anhand der regelmäßig vorgenommenen Rachenabstriche, die auch Aufschluss darüber geben sollen, wann die Patienten nicht mehr infektiös sind und entlassen werden können.

Dritte Welle läuft an und könnte zehn bis zwölf Wochen dauern

Schumacher geht davon aus, dass sich die ansteckendere Virusvariante B.1.1.7 perspektivisch gegenüber dem ursprünglichen Wildtyp durchsetzen wird: „Dann werden wir hier keine oder wenig andere Wildtyp-Patienten haben“, sagte der Infektiologe. Eine solche Entwicklung zeichnet sich im Ausland und in derzeit stärker betroffenen Regionen Deutschlands bereits ab. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) geht von einer weiteren Erhöhung des Anteils der erstmals in Großbritannien festgestellten Mutante aus und berichtet seit Anfang Februar regelmäßig über die Ausbreitung.

Im Hinblick auf die bevorstehende Zeit ist Infektiologe Schumacher wenig optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir gerade in eine dritte Welle hineinlaufen, die uns zehn bis zwölf Wochen beschäftigen wird“, sagte er. Er hoffe darauf, dass die Impfbemühungen bald besser vorankommen „und dass wir zum Sommer, spätestens Spätsommer entspannter sein können“. Neben den Impfungen seien Tests wichtiges Werkzeug, vielerorts verfügbare Schnelltests seien daher zu begrüßen. „Je mehr wir über die epidemiologische Lage wissen, umso besser können wir sie kontrollieren.“

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Potsdam will mit kostenlosem Schnelltestprogramm gegensteuern

Potsdam wird schon ab der kommenden Woche ein kostenloses Schnelltest-Programm für möglichst viele Bürger auflegen, wie Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwochabend im Hauptausschuss ankündigte. Dies soll zunächst für 14 Tage gelten. Damit sollen testwillige Apotheken die Möglichkeit erhalten, Potsdamer zu testen - auf Kosten der Stadt. Das werde die Stadt rund 650.000 Euro kosten. Man wolle sich bei möglichen Öffnungen nicht von Corona-Ausbrüchen überraschen lassen, erklärte Schubert. Die erste und zweite Welle habe ihn gelehrt, dass man Entscheidungen immer erst getroffen habe, wenn die Inzidenzwerte stiegen - das sei aber ein Blick in den Rückspiegel. Der Hauptausschuss stimmte der Teststrategie ohne Gegenstimmen zu.

Infektionen unter den Klinikums-Mitarbeitern durch Impfung deutlich zurückgegangen

Ein Vorteil im Vergleich zum vergangenen Jahr sei der Impfschutz des Klinikpersonals, erklärt Infektiologe Schumacher. Das städtische Klinikum hatte wie berichtet vor Jahreswechsel mit der Impfung der Mitarbeitenden begonnen, mittlerweile sind weit über 2500 Angestellte geimpft. Man habe schnell einen deutlichen Rückgang der Infektionen beim Personal festgestellt, sagte Schumacher: „Das ist für jeden persönlich eine große Erleichterung, wenn er weiß, dass er gut geschützt ist.“ Auch Patienten fühlten sich dadurch sicherer. Der niedrigere Krankenstand sei nicht zuletzt auch für das Funktionieren des Krankenhauses wichtig.

Wie berichtet hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am vergangenen Freitag verfügt, dass alle positiven Corona-Tests in Potsdam auf Mutationen untersucht werden sollen. Das Klinikum baut aktuell eine eigene Sequenzierung auf. Derzeit können mittels der Target-PCR bereits vor Ort Virusvarianten entdeckt werden. Die entsprechenden Proben werden anschließend zur Genom-Sequenzierung in ein externes Labor geschickt.

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