• Corona-Krise in Potsdam: "Vermitteln, dass Schule jetzt zuhause ist"

Corona-Krise in Potsdam : "Vermitteln, dass Schule jetzt zuhause ist"

Wie können Eltern sich organisieren, wenn Schulen und Kitas geschlossen haben? Was raten Experten? Psychotherapeutin Christa Schaff erklärt, welche Aufgaben Eltern und Lehrer in der Coronakrise haben.

Christa Schaff, Stellvertretende Vorsitzende der Stiftung „Achtung! Kinderseele“.
Christa Schaff, Stellvertretende Vorsitzende der Stiftung „Achtung! Kinderseele“.Foto: Promo

Potsdam - Schulen außer Betrieb - gerade deshalb kommt auf Lehrer eine besondere Aufgabe zu. „Von ihnen wird jetzt eine enorme Vermittlerrolle zwischen Eltern und Kindern verlangt“, sagt Christa Schaff, Vorstandsbeauftragte des Berufsverbandes der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland e.V. Dass Lehrer ihre Rolle als Aufklärer und Wissensvermittler auch weiterhin wahrnehmen, „ist im Moment ausgesprochen wichtig“, sagt die in Potsdam praktizierende Psychotherapeutin.

Wichtig ist es der stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung „Achtung! Kinderseele“, dass für Kinder und Jugendlichen jetzt normale Strukturen und Abläufe aufrecht erhalten bleiben, auch wenn sie zuhause sind. Andernfalls können Unsicherheit, Ängste und Orientierungslosigkeit entstehen, auch weil soziale Kontakte wegfallen. 

Zu festen Zeiten lernen

„Es ist wichtig zu vermitteln, dass Schule jetzt zuhause ist“, sagt Schaff. Weiterhin früh aufstehen, zu festen Zeiten lernen - vielleicht mit den Nachbarskindern - , eine rhythmische Abfolge an Aufgaben und Pflichten sollten beibehalten werden. Auch Erwachsene sollten an festen Strukturen festhalten, auch wenn das aufgrund der Schulschließungen schwierig sei und sie das häusliche und berufliche Umfeld für die kommenden Wochen neu organisieren müssen.

„Aber Kinder geraten in Unsicherheiten, bekommen schlimmstenfalls Ängste, wenn Eltern es nicht schaffen, gewohnte Strukturen aufrechtzuerhalten oder stabile Strukturen zu schaffen“, sagt Schaff. Wenn ohnehin aufgrund der aktuellen Entwicklungen schon diffuse Ängste vorhanden sind, bekämen diese zusätzlichen Nährboden, wenn Eltern ihre Unsicherheiten oder auch ihren Unmut über Schul- und Kitaschließungen zuhause kundtun. „Infos und Transparenz sind auch für Kinder wichtig“, sagt Schaff.

Lehrer müssen digital präsent sein

Diese kind- beziehungsweise altersgerecht zu vermitteln, sei gemeinsame Aufgabe von Lehrern und Eltern. „Allein deshalb müssen Lehrer jetzt weiterhin präsent sein, auch wenn es nur digital ist.“ Bei der Erklärung, warum die Schulen oder Kitas geschlossen werden, komme es auf die richtige Botschaft an die Kinder an: „Wir müssen ihnen sagen, dass damit Krankheiten verhindert werden können“, so die Psychotherapeutin. Den Kindern zu erklären, dass die Schule zu ist, weil sie krank werden könnten, wäre die falsche Botschaft.

Eine Schulschließung über eine Zeit von vier Wochen hält die Ärztin für machbar, wenn es zuhause feste Abläufe gibt oder gelingt, für die Situation angebrachte Strukturen zu organisieren.

„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Lehrer ihre Klassen in kleine Gruppen aufteilen und mit ihnen Waldspaziergänge und Unterrichtsformen im Freien organisieren“, sagt Schaff. Wesentlich schwieriger sei die Aufgabe für Lehrer, Erzieher und Eltern von Kindern, die einen sonderpädagogischen Aufwand brauchen. Eine Coaching- und Beratungshotline von Psychologen und Experten für Lehrer hält Schaff für ratsam, um auch diesen Antworten und Empfehlungen in dieser Ausnahmesituation zu geben.

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