• Chance für Erhalt der Inselbühne: Probebetrieb erlaubt, Finanzierung gesucht

Chance für Erhalt der Inselbühne : Probebetrieb erlaubt, Finanzierung gesucht

Die Stadt erlaubt der Bürgerstiftung, die Freilichtbühne auf der Freundschaftsinsel im Sommer 2021 zu bespielen. Dafür braucht es Geld, nun werden Spenden gesammelt.

Zuletzt temporär genutzt wurde Inselbühne 2019 beim Localize Festival.
Zuletzt temporär genutzt wurde Inselbühne 2019 beim Localize Festival.Foto: PNN / Ottmar Winter

Potsdam - Die marode Freilichtbühne auf der Freundschaftsinsel bekommt noch eine Chance. Wie die Bürgerstiftung am Freitag mitteilte, habe sie sich mit der Stadtverwaltung auf einen Probebetrieb im Sommer 2021 geeinigt. "Grünflächenamt, Kulturamt und Bürgerstiftung vereinbarten eine temporäre Nutzung der Inselbühne durch die Bürgerstiftung in der kommenden Sommer-Saison 2021", so die Bürgerstiftung. Danach solle eine gemeinsame Evaluierung und Auswertung des Probebetriebs und der gemachten Erfahrungen erfolgen.

Doch trotz der grundsätzlichen Zustimmung gibt es einen Haken: "Voraussetzung für den Spielbetrieb ist die bauliche Ertüchtigung der Bühne, die derzeit nicht bespielbar und verkehrssicher ist", heißt es seitens der Bürgerstiftung weiter. Und aus dem städtischen Haushalt gibt es dafür keinen Cent. Die Stiftung schätzt den notwendigen Finanzbedarf auf 80.000 Euro. 

Denn die Bühne ist bekanntlich in schlechtem Zustand: "So müssen die durch wucherndes Unkraut hochgeschobenen Bodenplatten begradigt, ein Tanz- und Bühnenboden aufgebracht, und die Treppen zu Aufgängen und Tribünen gesichert werden", wird durch die Stiftung beschrieben. Die Bestuhlung komme den Abstands- und Hygienebestimmungen entgegen, da man sie einzeln und mit Abstand anschrauben könne. Daneben gelte es, die Mindestanforderungen an Sanitäranlagen, Elektrik, grundlegender Technik sowie Brand- und Lärmschutz herzustellen.

50.000 Euro für den Betrieb nötig

Doch das ist nicht alles: "Für einen geregelten Veranstaltungsbetrieb werden geschätzte weitere 50.000 Euro benötigt", so die Stiftung. Das Geld werde vor allem für Personal benötigt - also für die Leitung von Spielbetrieb und Technik, Büro, Einlass und Sicherheitspersonal. Kosten werden auch für ein Ticketing-System, das Hygienekonzept und Versicherungen fällig.

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Die Finanzierung dieser Kosten soll vor allem über Spenden und Sponsoring erfolgen. Dafür wirbt die Potsdamer Bürgerstiftung ab sofort zunächst auf dem Portal „Potsdam Crowd“ unter www.potsdam-crowd.de/buehnefrei.

Für die Vorsitzende der Potsdamer Bürgerstiftung, Marie-Luise Glahr, ist wichtig, dass diese Anstrengung ein Gemeinschaftsprojekt der Potsdamer Stadtgesellschaft wird: „Die Bürgerstiftung kann die Bühne nicht allein wiederbeleben. Wir brauchen dafür die Bürgerinnen und Bürger. Nur wenn die Menschen dieser Stadt dafür ihre Zeit, Geld und positive Energie investieren, können wir unser Ziel - eine Bühne für alle - gemeinsam erreichen.“ 

Die Bühne auf der Freundschaftsinsel war in den 1970er Jahren eröffnet worden. Doch seit fast einem Jahrzehnt liegt sie brach. Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass die Stadtverwaltung sie abreißen will, legte die Bürgerstiftung ihr Veto ein und sammelt seither Ideen und Unterstützer für die Rettung. So hat die Stiftung ihren umweltfreundlichen Potspresso-Mehrwegbecher als Sonderedition zum 30. Tag der Deutschen Einheit herausgebracht, um damit auch für die Bühne zu werben. Außerdem holte sie den ersten Platz des Förderwettbewerbs “Gemeinsam für Potsdam” der ProPotsdam – es war das Projekt mit den meisten Stimmen. Das gewonnene Preisgeld in Höhe von 6000 Euro fließe komplett in den Wiederaufbau der Bühne, hieß es.

Singen, tanzen und Theater spielen

Gabi Zimmermann, die sich im Bühnen-Team der Bürgerstiftung engagiert, hat seit vielen Jahren eine private Musikschule: Ich freue mich auf die „Talentbühne jeder Art“, für die Musikschulen in Potsdam, die dort ihre Abschlusskonzerte abhalten könnten. Auch für die Chöre, Big Bands und Orchester der Schulen wäre es toll, sich einer größeren Öffentlichkeit
vorzustellen.“ 

Theaterregisseur und Mit-Organisator Kaspar von Erffa ist davon überzeugt: „Es gibt so viele freie Theatergruppen, die keine eigene Spielstätte haben, die so ein Angebot einer nicht-kommerziellen Open Stage suchen. Das gilt übrigens auch für die vielen Schultheateraufführungen.“ Steven O’Fearna, der zum Projekt-Team gestoßen ist, weil er einen Open-Air-Tanzort für seine Tanzschule „Tanguito“ suchte, freut sich über die Aussichten: „Es wird herrlich sein, dort zu tanzen. Egal, ob das Tango, Ballett, Hip Hop oder Breakdance ist.“

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